In Weißbach (Hohenlohekreis) hat ein neuer Mini-Supermarkt eröffnet. In der ORTkauf-Filiale können die Einwohnerinnen und Einwohner jeden Tag und rund um die Uhr einkaufen - auch sonntags. Betreiber ist ein Start-up aus Schwäbisch Hall. Mit dem Konzept will es unter anderem die Versorgung in den ländlicheren Regionen erhalten. Auch im Kreis Heilbronn finden sich bereits ähnliche Konzepte, etwa von der Franchisekette Tante-M, die im September eine neue Filiale in Neckarsulm-Dahenfeld eröffnet hat.
Positive Resonanz und überraschte Gesichter bei Eröffnung in Weißbach
Gründer und Geschäftsführer von ORTkauf, Christoph Sarnowski, hatte eigentlich im Vorfeld damit gerechnet, dass einige doch noch etwas kritisch auf das Ladenmodell blicken. Davon war laut Sarnowski bei der Eröffnung am Samstag aber nichts zu spüren: Etwa 150 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Weißbach und Umgebung waren vor Ort. Das Feedback? Überwiegend positiv, freut er sich.
Vor der Eröffnung dachten die meisten wohl eher an einen Automatenladen. Wegen der Öffnungszeiten hätten die meisten wohl nur mit ein paar Snacks und Getränken gerechnet. "Als die Leute dann zum ersten Mal reingekommen sind, waren sie überrascht, dass es eben doch ein ganz normaler Supermarkt ist", so Sarnowski.
Weißbachs Bürgermeister "überglücklich" über neuen Mini-Supermarkt
Auch Bürgermeister Rainer Züfle (parteilos) zeigt sich "überglücklich" über den neuen Mini-Supermarkt in seiner Gemeinde. Um eine vollwertige Gemeinde zu sein, brauche man eben eine Lebensmittelgrundversorgung vor Ort, sagt er. Es sei verheerend für eine Gemeinde, wenn es gar keine Einkaufsmöglichkeit gibt.
Das Ladengeschäft habe rund eineinhalb Jahre leer gestanden. In Weißbach leben viele ältere Menschen, die auf eine fußläufige Lebensmittelversorgung angewiesen seien. Zudem wird es ab November betreutes Wohnen geben mit 21 neuen Wohneinheiten, so Züfle. Züfle hat den Markt auch schon selbst getestet und obwohl er Ü-60 ist, sei das Einkaufen dort "sehr einfach" gewesen.
Personallos und immer geöffnet: So funktioniert das Konzept des Start-up
Das Prinzip ist ganz einfach: Die Läden bieten ähnlich einem Tante-Emma-Laden rund 2.000 Produkte an. Darunter sind auch regionale Produkte von Landwirtinnen und Landwirten aus der Umgebung. Der kleine, personallose Supermarkt kann jederzeit per EC-Karte geöffnet werden. Die ausgesuchten Artikel scannt man am Ende an der Kasse selbst und zahlt bargeldlos. Eine KI-gestützte Kamera sorgt dafür, dass nichts geklaut wird.
Start-up Schwäbisch Hall: Durch digitale Mini-Supermärkte Versorgung auf dem Land sichern
Mit seiner Ladenkette verfolgt Sarnowski gleich mehrere Ziele: Er will die Versorgung vor Ort erhalten, die Ortsmitte wieder beleben sowie einen gesellschaftlichen Treffpunkt schaffen. Und nicht zuletzt möchte er den Menschen das Einkaufen rund um die Uhr ermöglichen.
Das Konzept scheint ihm Recht zu geben: Seit etwa zweieinhalb Jahren betreibt er mit seinem Start-up ORTkauf-Läden unter anderem in Schwäbisch Hall-Tüngental oder am Breitenauer See (Kreis Heilbronn). Weitere sind geplant, unter anderem in Niedernhall (Hohenlohekreis) und Erlenbach (Kreis Heilbronn).
Vor allem ältere Menschen, die weniger mobil sind, will Sarnowski mit seinen digitalen Mini-Supermärkten erreichen. "Für uns ist ganz wichtig, dass zum Beispiel die Selbstbedienungskasse wirklich bedienereinfach ist. Vor allem für Senioren", so Sarnowski.
Deshalb seien sie unter anderem bei Seniorennachmittagen aktiv. Darüber informieren sie ältere Menschen über das Konzept und zeigen ihnen alles vor Ort. Über diese Aktionen möchte das Start-up sie schlussendlich aber auch als Kundinnen und Kunden gewinnen.
Digitale Mini-Supermärkte befinden sich in rechtlicher Grauzone
Solche Shops sind in kleinen Kommunen daher ein Hoffnungsträger und entsprechend wächst ihre Zahl. Allerdings sei es dafür wichtig, dass sie sonntags weiter aufhaben dürfen, erklärt Sarnowski.
Darüber diskutiert zurzeit auch die grün-schwarze Landesregierung: Es soll geklärt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen die digitalen Mini-Supermärkten sonntags offiziell öffnen dürfen. Denn aktuell ist das noch nicht wirklich geregelt.
Christoph Sarnowski hofft auf eine Entscheidung zu Gunsten der digitalen Mini-Supermärkte. Den Sonntag bräuchten sie als umsatzstärksten Tag, um dauerhaft überleben zu können. Für ihn und andere Betreiber sei es daher sehr wichtig, dass die Weichen für das Konzept der digitalen Mini-Supermärkte auch durch die Politik richtig gestellt sind.