Bundesweit fehlen vier Millionen ehrenamtliche Katastrophenhelfer

Zu wenige Helfer im Katastrophenschutz: DRK-Kreisverband Heilbronn besorgt

Ob Braunsbacher Sturzflut, das Ahrtal oder Zugunglücke: Katastrophenhelfer des DRK helfen und schulen, was in solchen Lagen zu tun ist. Doch dafür fehlen das Geld und die Leute.

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Von Autor/in Leonie Kühn

Der Heilbronner Kreisverband des Deutschen Roten Kreuz (DRK) sucht händeringend nach Nachwuchs. Vor allem im Bereich des Katastrophenschutzes gebe es beim DRK viel zu wenige Helfer, heißt es. Hinzu kommt, dass es auch an Geld fehlt und das in einem so wichtigen Bereich. In Heilbronn versucht man sich selbst zu helfen - in liebevoller und mühseliger Kleinstarbeit.

Ehrenamtliche Katastrophenhelfer sind ähnlich wie WLAN. Man bemerkt es erst, wenn es nicht mehr funktioniert.

Das DRK Heilbronn und seine "Pommesbude"

Immer wieder kauft der Heilbronner Kreisverband alte Fahrzeuge. Diese richtet er dann für den eigenen Gebrauch her. Eines davon: Die "Pommesbude". Ein ungewöhnlicher Spitzname für ein Fahrzeug. Aber "es sieht ein bisschen aus wie eine Pommesbude", witzelt der Heilbronner DRK-Katastrophenschutzbeauftrage René Rossow.

Eingesetzt wird die "Pommesbude" als zusätzliches Fahrzeug für die Katastrophenhilfe. Denn vom Land bekommt der Heilbronner Kreisverband nur 25 Fahrzeuge finanziert. Da sei die Frage, ob das ausreiche, meint Kreisbereitschaftsleiter Andreas Giel. Deshalb brauche es auch eigene Fahrzeuge, um im Notfall abgesichert zu sein - so wie die "Pommesbude".

DRK-Fahrzeug: In mühseliger Kleinstarbeit hat der Heilbronner Kreisverband der DRK den Wagen als zusätzliches Fahrzeug für den Katastrophenschutz umgebaut. Wegen seines Aussehens nennen sie es liebevoll die "Pommesbude".
In mühseliger Kleinstarbeit hat der Heilbronner Kreisverband der DRK den Wagen als zusätzliches Fahrzeug für den Katastrophenschutz umgebaut. Wegen seines Aussehens nennen sie es liebevoll die "Pommesbude".

Für solche Projekte müsse allerdings lange Geld gesammelt werden, beispielsweise durch Sanitätsdienste, Altkleider sammeln oder Blutspendeaktionen. Aber nicht nur für Fahrzeuge für den Katastrophenschutz fehlt das Geld. Auch für Schulungen, um sich selbst und gegenseitig im Krisenfall zu helfen, fehlen finanzielle Mittel. Das mache gerade besonders Probleme, meldet das DRK.

Es fehlen vier Millionen geschulte Menschen, die im Ernstfall handeln können

Nicht einen einzigen Kurs für die Ausbildung im Katastrophenschutz konnte der DRK-Kreisverband Heilbronn dieses Jahr anbieten. Ähnlich sieht es bundesweit aus: Denn eigentlich werden die Schulungen durch Gelder aus dem Bundeshaushalt finanziert. Dieser wurde aber für 2025 noch immer nicht verabschiedet.

In Deutschland fehlen nach Einschätzung des DRK vier Millionen Menschen, die im Katastrophenfall wissen, was zu tun ist. Es müssten mehr Privatpersonen in Erster Hilfe und Selbsthilfe in Notlagen geschult werden, sagte Heike Spieker, Leiterin des DRK-Bereichs Nationale Hilfsgesellschaft. "Um diese Fähigkeiten nachhaltig aufzubauen, müssten vier Millionen Menschen geschult werden." Dann gäbe es genug Wissen, um sich im Krisenfall selbst und gegenseitig zu helfen. Die geplanten finanziellen Mittel reichen dafür aber nicht aus, erklärt Spieker.

Ehrenamtliche Katastrophenhelfer immer "müder" und "abgestumpfter"

Ob während der Pandemie, bei der Ahrtal-Flut oder der Fußball-Heim-EM der Männer: Bei vielen Ereignissen unterstützt auch der Heilbronner Kreisverband mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Darauf sei man auch sehr stolz, sagt der Heilbronner DRK-Katastrophenschutzbeauftragte Rossow.

Laut Kreisbereitschaftsleiter Giel sind es allerdings immer wieder dieselben Ehrenamtler, die sich aufopfernd zu Einsätzen meldeten. Selbst für lokale Events, wie die Bundesgartenschau. Heute sei es gar nicht mehr so einfach, tagtäglich für zwölf Stunden ehrenamtliche Helfer zu finden. "Das zehrt an den Leuten", erklärt Giel. "Die Helfer sind (...) abgestumpft." Die Zeiten, in denen man sich vor Helfern kaum habe retten können, seien vorbei.

Genauso müssten sich auch Hilfesuchende davon verabschieden, dass sie in "Vollkaskomentalität" im Katastrophenfall immer versorgt werden können. "Es geht darum, hier eine Resilienz innerhalb der Bevölkerung zu schaffen, zum Beispiel auch eigene Vorräte aufzufüllen", betont Giel. Und das schaffe man beispielsweise durch ebenjene Schulungen.

Erstklassige Zusammenarbeit: Heilbronner DRK dankbar für Unterstützungen durch Stadt- und Landkreis

Trotz "dem vielen Schimpfen", gäbe es aber auch gute Dinge, betont Rossow. Allem voran der Stadt- und Landkreis Heilbronn: Rossow bezeichnet die Zusammenarbeit als erstklassig, das sei nicht überall der Fall. "Da haben wir wirklich Glück in Heilbronn", sagt Rossow. Denn auch wenn ihre Möglichkeiten begrenzt seien, unterstützen sie finanziell, wo Bedarf sei: Zum Beispiel bei der "Pommesbude". Und das, obwohl es gar nicht der Aufgabenbereich von Stadt- und Landkreis wäre, erläutert Rossow.

Aber auch hier zeigen sich eben Probleme: Zu wenig Geld, zu wenige und ausgebrannte Helfer, und um jedes Mittel wird gekämpft. Noch könne man zwar Heilbronn im Katastrophenfall ausreichend versorgen, erklären Giel und Rossow. Aber man merke eben erst, was man dran hat, wenn es nicht mehr da ist. Oder wie es laut ihnen die DRK-Landespräsidentin Barbara Bosch bei der letzten Kreisversammlung sagte: "Ehrenamtliche Katastrophenhelfer sind ähnlich wie WLAN. Man bemerkt es erst, wenn es nicht mehr funktioniert."

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