Gebäude marode

Heizung abgestellt: LKA und Verfassungsschutz müssen in Stuttgart frieren

Im Landeskriminalamt und beim Verfassungsschutz in Stuttgart friert das Personal seit Wochen. Die Heizung ist aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden. Das steckt dahinter.

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Von Autor/in Holger Schmidt, ARD Sicherheitsexperte

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landeskriminalamt (LKA) und Verfassungsschutz in Stuttgart frieren derzeit auf der Arbeit, denn: Die Heizung wurde aus Sicherheitsgründen ausgeschaltet. Der Grund für die Misere liegt in der Tiefe Stuttgarts. Die Erde bewegt sich unter den Gebäuden, in denen sich das LKA und der Verfassungsschutz im Stadtbezirk Bad Cannstatt befinden. Ursachen dafür kann es mehrere geben: die Mineralquellen in der Tiefe oder der Oberrheingraben, also die Erdformation zwischen Basel und Mannheim, die vergleichsweise stark in Bewegung ist - mit Auswirkungen bis in den Großraum Stuttgart.

Heizung aus beim LKA: Gasleitung soll geschützt werden

Konkret hat die Bewegung des Bodens in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass in der Bauverwaltung die Befürchtung bestand, die Gasleitung für das ohnehin völlig marode Behördengebäude könnte Schaden nehmen. Und Gas ist der Energieträger für die gemeinsame Heizungsanlage von LKA und Verfassungsschutz. Also wurde kurzer Prozess gemacht: keine Heizung, kein warmes Wasser. Zwar gibt es sicherheitspolitisch ein Trennungsgebot zwischen Polizei und Nachrichtendienst. Aber frieren dürfen sie gemeinsam. Viele Beschäftigte sitzen seitdem in ihren Jacken, mit einem Extra-Pulli oder einer Decke auf dem Schoß im Büro.

LKA und Verfassungsschutz halten sich bedeckt

Offiziell wollen die beiden Sicherheitsbehörden nicht viel zu der Sache sagen. "Der Gasversorger nimmt Arbeiten an der Gasversorgungsleitung vor", lautet die offizielle Begründung für den Heizungsausfall. Der Dienstbetrieb sei nicht beeinträchtigt, wo möglich, seien die Beschäftigten im Homeoffice.

Mindestens die Stimmung in den beiden Behörden ist allerdings auf dem Gefrierpunkt. Die aktuelle Panne setzt den jahrelangen Verfall des Doppelgebäudes von LKA und Verfassungsschutz fort. Mal ein Stromausfall, dann ein Wasserrohrbruch. Stinkende Abwasserleitungen, undichte Dachabdeckungen. Die Mängelliste sei wohl länger als der Verfassungsschutzbericht, vermutet man in den Behörden. Sogar auf einem Jobportal im Internet wird schon der bauliche Zustand moniert. Doch schnelle Hilfe ist nicht in Sicht.

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Planungen für LKA-Neubau noch nicht fortgeschritten

Zwar gibt es Planungen für einen Neubau, aber keine definitiven Beschlüsse. Wahrscheinlich bekommt das LKA irgendwann einen Neubau und der Verfassungsschutz eine umgebaute, im Amtsdeutsch sagt man "ertüchtigte" Immobilie. Aber beides wird eher noch Jahre, als Monate dauern, heißt es aus Sicherheitskreisen.

An der Adresse Taubenheimstraße 85 und 85A hoffen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter indessen auf wärmere Tage und auf Erfindergeist der Bauabteilung. Anlass dafür besteht, denn die beiden Behörden sind in einer besonderen Umgebung zu finden. Es ist die Straße, in der einst Gottlieb Daimler wohnte und in dessen Gartenhaus wegweisende Erfindungen gemacht wurden. Auch die weltweit erste Tankstelle soll es in der Straße gegeben haben. Auf Höhe der Hausnummer 85 ist derzeit aber vor allem heißer Tee und Wolldecken gefragt. 

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Holger Schmidt, ARD Sicherheitsexperte

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