Marcel Augenstein ist 21 Jahre alt. Eigentlich hat er eine Tischler-Ausbildung, hat als Schreiner gearbeitet. In der Firma sei es aber um Massenproduktion gegangen. Da habe ihm irgendwann die Abwechslung gefehlt, erzählt er.
Gut, dass der Papa bei der Berufsfeuerwehr in Karlsruhe ist, wie es auch schon der Opa war. Das ist eher was für ihn, merkt Marcel schnell. Er bewirbt sich für die Ausbildung bei der Feuerwehr, besteht die Aufnahmeprüfung und startet Anfang des Jahres mit der Grundausbildung.
Zwölf Teilnehmer hat der Grundausbildungslehrgang 2026, elf Männer und eine Frau. Die Ausbildung für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst, als Feuerwehrmann oder -frau, dauert 19 Monate. Sie gliedert sich im Wesentlichen in drei Abschnitte: Die Grundausbildung dauert sechs Monate, der Laufbahnlehrgang einen Monat und die berufspraktische Ausbildung zwölf Monate.
Feuerwehrausbildung: Fitness und technisches Verständnis sind Grundvoraussetzung
Erwartet wird technisches Verständnis und körperliche Fitness. Das merkt man schon daran, dass fast jeder Tag der Grundausbildung mit Sport beginnt. Bei der Fitness könne man nicht bei Null anfangen und erwarten, dass man das in vier Wochen auftrainiere, sagt ein Ausbilder. Da müssten die Kandidaten schon einiges mitbringen.
Marcel wurde der Beruf praktisch in die Wiege gelegt. Sein Opa war Feuerwehrmann in Karlsruhe, sein Vater ist Feuerwehrmann in Karlsruhe. Die Berufsfeuerwehr Karlsruhe feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Rund die Hälfte davon hat die Familie Augenstein miterlebt.
Marcel ist die dritte Generation. Sein Vater habe sich wahrscheinlich mehr gefreut als er selbst, dass er die Aufnahmeprüfung bestanden habe, erzählt er und lacht.
Die Feuerwehr-Familie Augenstein: Wie alles begann
Dass sein Vater bald auch sein Kollege sein wird, findet Marcel unproblematisch. Sein Vater, Andreas Augenstein, sieht das genauso. Der 52-jährige Wachabteilungsführer ist seit 30 Jahren dabei und kann sich noch gut erinnern, als sein Vater - Marcels Opa Adolf Augenstein - bei der Berufsfeuerwehr Karlsruhe war.
Sie hätten eine Dienstwohnung gehabt, erzählt er. Mit einem Lautsprecher, über den sein Vater zu Einsätzen gerufen worden sei. Der Vater habe dann rüber rennen müssen zur Feuerwache-West. Man merkt Andreas Augenstein an, dass ihn das heute noch begeistert.
Dieser Beruf ist ein Sechser im Lotto. Geht nicht, gibt's nicht.
Angst um seine Sohn Marcel habe er nicht, auch wenn der Beruf nicht ungefährlich ist. Die werden alle gut ausgebildet, sagt er. Und ja, er sei einfach stolz, dass nach dem Opa und ihm selbst jetzt auch sein Sohn die Ausbildung bei der Feuerwehr mache.
Berufsfeuerwehr Karlsruhe: Nichts für Helden, sondern für Profis
Es ist eine Sache, in ein brennendes Haus vorzudringen. Es ist eine andere Sache, in ein brennendes Haus vorzudringen mit 30 Kilo Ausrüstung am Leib inklusive Atemschutz. Zum Teil auf allen Vieren oder mit einem Verletzten. Trümmer und Schläuche, über die man stolpern kann, undurchdringlicher Rauch. Keine Sicht, keine Orientierung. In einem Gebäude, in dem man nie zuvor gewesen ist.
Ich mag es nicht, wenn man von Helden spricht. Wir sind keine Helden. Wir machen unseren Job.
Feuerwehrleute haben nicht nur Verantwortung für Menschen in Notsituationen, zu denen sie gerufen werden. Sie haben auch Verantwortung für sich selbst und ihr Team. Die Auszubildenden werden deshalb in den verschiedensten Übungen und Lehrgängen auf ihren Beruf vorbereitet. Szenarien werden so realistisch wie möglich nachgestellt.
Hitze ist nur eine Herausforderung unter vielen
Marcel und seine Azubi-Kollegen werden unter anderem in ein Gebäude geschickt, das mit einer Disko-Nebelmaschine komplett verraucht wird. Man sieht buchstäblich die Hand vor Augen nicht. Im Nebel hört man nur das Zischen der Atemschutzgeräte. Nicht einmal das Licht der Taschenlampen ist zu erkennen.
Die Auszubildenden tasten sich vorwärts, in kompletter Montur, wie bei einem richtigen Einsatz. Mit steigender Anstrengung wird das Zischen ihres Atems schneller. Irgendwo liegt ein Verletzter, also ein Dummy, den sie erstmal finden müssen. Und dann haben sie ihn noch nicht aus dem Gebäude gebracht.
Ausbildung bei der Feuerwehr: Es geht darum, möglichst nah an der Realität zu sein
Ein paar Tage später begleiten wir Marcel und die anderen Auszubildenden auf die Brandübungsanlage in Karlsruhe. Hier wird in einem speziell präparierten Container Feuer gelegt. Alle rein, mit Atemschutzgeräten und Schutzkleidung. Tür zu. Wir stehen draußen und beobachten. Rauch dringt aus dem Container, erst hell, dann dunkel.
Wir hören das Prasseln des Feuers und die Stimme des Ausbilders, der ganz ruhig mit seinen Schützlingen spricht. Sie sollen auf die Farbe des Rauchs achten, der sich unter der Decke sammelt, sagt er. Und darauf, was das Feuer macht. Was einem dabei immer wieder durch den Kopf schießt: In diesem Container sind Menschen. Und die sind scheinbar völlig entspannt. Während sie im Feuer sitzen, mit Temperaturen von 500, 600 Grad unter der Decke des Containers, direkt über ihnen.
Die Auszubildenden auf der Brandübungsanlage
Plötzlich fliegen die Türen des Containers auf, eine Feuerwalze fegt nach draußen. Rauchgase haben sich entzündet. Das ist bei dieser Übung gewollt.
Den perfekten Feuerwehrmann gibt es nicht. Aber unser Team ist so stark, dass der eine den anderen ausgleichen kann. Gemeinsam können wir einen richtig guten Job machen.
Nach rund einer halben Stunde ist die Übung beendet, alle wieder raus aus dem Container. Unter Anleitung des Ausbilders klopfen sich die Auszubildenden ab, setzen sich in einen Halbkreis und bleiben ein paar Minuten sitzen. Erst dann können sie ihre Ausrüstung ablegen. Die wäre sonst noch viel zu heiß. Dann heißt es trinken, trinken, trinken. Die Ausbilder bestehen darauf.
Als wir nach der Übung mit Marcel sprechen, wirkt der sehr entspannt. Die Übung hat ihn in seinem Wunsch bestärkt, Feuerwehrmann zu werden. Zu 100 Prozent, sagt er. Wie sein Opa und sein Vater.