Jakob Fehse ist aufgeregt. Zum Schulfest des St. Dominikus-Gymnasium in Karlsruhe darf er sich schon mal seine neue Schule anschauen. Nach den Sommerferien startet Jakob hier in der fünften Klasse, als einer von nur elf Jungs in der gesamten Schule. Fühlt man sich da nicht ein bisschen wie der Hahn im Korb? "Ich habe gemerkt, dass Mädchen gar nicht so schlimm sind", sagt er mit einem sympathischen Grinsen im Gesicht.
Bei den Mädchen, die schon auf der Schule sind, sorgen die Neuankömmlinge für mehr Diskussionen. "Jetzt kommt dann die Teenagerzeit und da drehen Jungs so ein bisschen ab. Die werden dann sehr laut", meint Sophie, die in die sechste Klasse kommt. Sie finde es daher schade, dass die Schule kein reines Mädchengymnasium mehr ist. Achtklässlerin Sophia Virzi denkt auch, dass die Arbeitsatmosphäre in reinen Mädchenklassen besser war. Aber sie sieht auch Chancen.
Vielleicht ist es auch mal gut für die Schule, wenn ein bisschen neuer Wind kommt.
Mädchenschule von Dominikanerinnen gegründet
Es ist eine Ära, die am St. Dominikus-Gymnasium endet. 1928 gründeten Dominikanerinnen zunächst eine katholische Mädchen-Realschule - mit 34 Schülerinnen und vier Lehrerinnen. Später wurde die Schule dann zum Gymnasium.
Nach einer zwischenzeitlichen Auflösung durch die Nationalsozialisten nahm die Schule 1955 wieder den Betrieb auf. Heute ist die Schulstifung der Erzdiözese Freiburg die Trägerin. Rund 400 Schülerinnen besuchen das private Gymnasium - und bald eben auch Schüler.
Schulleiter begrüßt Öffnung des Gymnasiums für Jungs
In den letzten Jahren war die Zahl der Anmeldungen für das Gymnasium zurückgegangen - laut Schulleiter Valentin Schneider ein Grund für die Öffnung der Schule für alle Geschlechter. Außerdem sei man im Kollegium der Meinung, dass Förderung von Mädchen und Jungs auch gemeinsam gelingen könne, so wie an anderen Schulen auch. Zumal in der Oberstufe bereits in Kooperation mit einem anderen Gymnasium Unterricht mit Mädchen und Jungs stattgefunden habe.
Die typischen Mädchen und die typischen Jungs gibt es so nicht mehr. Darum wollen wir unsere Angebote für alle öffnen.
Ab dem neuen Schuljahr startet dann in der fünften Klasse neben einer reinen Mädchenklasse auch eine gemischte Klasse mit Jungs. Der Unterricht an sich werde derselbe bleiben, so der Schulleiter. Die Atmosphäre in den Klassen könnte sich aber ändern. "Wobei Mädchen auch untereinander schon Konflikte haben. Jetzt wird es vielleicht andere Konflikte und Konstellationen geben", gibt Valentin Schneider zu bedenken. Aber das passiere ja auch in allen anderen Schulen und werde dort gut gehändelt. "Und wir kriegen das auch gut hin."
Auch kritische Stimmen aus der Elternschaft
In der Elternschaft gibt es gemischte Reaktionen auf den Wandel der Schule. "Ich finde es ein bisschen schade, weil das ein geschützter Raum für die Mädchen war", sagt Giuseppina Vasco, deren Tochter in die sechste Klasse wechselt. Sie vertraue aber darauf, dass die Lehrkräfte die Qualität der Schule aufrechterhalten würden. Elternbeiratsvorsitzender Michael Clark hat Verständnis für die Entscheidung des Trägers, auf die sinkenden Schülerzahlen zu reagieren: "Letztendlich geht es um die Überlebensfähigkeit der Schule." Man brauche neue Schülerinnen und Schüler.
Der Wandel zeigt sich bereits im Schulgebäude. Der Bau von Jungen-Toiletten läuft, eine Jungen-Kabine zum Umziehen vor und nach dem Sportunterricht ist in Planung. Wenn man dabei auch aus Platzgründen einen Teil des Flurs für den Umbau nutzen müsse, erzählt Schulleiter Valentin Schneider. Im St. Dominikus-Gymnasium geht man eben neue Wege.