Zweieinhalb Jahre nach Eröffnung

6.200 Mängel behoben - Dachbolzen im Wildparkstadion müssen ausgetauscht werden

Seit zweieinhalb Jahren spielt Fußballzweitligist Karlsruher SC im neuen Wildparkstadion. Jetzt muss die Dachkonstruktion auf Mängel überprüft werden.

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Stand

Von Autor/in Rebekka Plies

Im Juli 2023 wurde das neue Wildparkstadion mit einem riesigen Spektakel rund um das Eröffnungsspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem FC Liverpool eingeweiht. Die unendliche Geschichte des Stadionneubaus schien damit auf der Zielgerade. Zweieinhalb Jahre später muss sich der Gemeinderat erneut mit dem Bau beschäftigen, und bereits jetzt besteht Sanierungsbedarf an der Dachkonstruktion.

Lange Liste - 6.200 Mängel am neuen KSC-Stadion

In der kommenden Gemeinderatssitzung am 24. März müssen die Karlsruher Stadträte die sogenannte Schlussvereinbarung mit dem Bauunternehmer verabschieden. Den Unterlagen zufolge knirscht es zwischen dem Bauunternehmer Zech Sports GmbH und der Stadt seit der Fertigstellung des Stadions gewaltig.

Bei der Abnahme des neuen Wildparkstadions im Herbst 2023 hat die Stadt eigenen Angaben zufolge rund 6.200 Mängel festgestellt. Darunter fallen auch viele kleinere Dinge, wie falsch montierte Fußleisten oder Ähnliches. Aber auch die verbauten Bolzen in der Dachkonstruktion. Diese müssen bereits jetzt teilweise ausgetauscht werden, weil sie zu rosten drohen.

Dach des Wildparkstadions: "Tragfähigkeit nicht gefährdet"

Insgesamt wurden in der Dachkonstruktion des Wildparkstadions mehr als 500 Bolzen verbaut. Bei der Überprüfung wurde deutlich, dass einige dieser Dachbolzen schlecht oder gar nicht verzinkt und damit nicht ausreichend vor Korrosion geschützt sind. Eine Fachgruppe aus Experten der Stadt und des Bauunternehmers Zech wurde damit beauftragt, das Problem genauer zu begutachten.

Wildparkstadion Karlsruhe
Derzeit werden die Bolzen der Dachkonstruktion im neuen Wildparkstadion untersucht

Das Ergebnis: Dachbolzen ohne oder mit unzureichender Verzinkung müssen ausgetauscht werden. Bolzen mit einer ausreichenden Zinkschicht, aber Anzeichen von Korrosion werden weiter untersucht und gegebenenfalls ausgetauscht. Eine unmittelbare Gefahr für die Konstruktion gibt es laut Stadt nicht. Aktuell sind laut Stadt zwei Bolzen bereits ausgetauscht worden.

Bis zu einem anvisierten Sanierungsbeginn im Sommer 2026 ist mit keinen Tragfähigkeitsproblemen zu rechnen.

Der KSC als Pächter war eigenen Angaben zufolge nicht an den Verhandlungen zwischen Stadt und Zech beteiligt, sei aber von der Stadt über die Dachproblematik informiert worden.

Die Stadt Karlsruhe hat uns mitgeteilt, dass die Sicherheit im BBBank Wildpark zu keiner Zeit gefährdet war oder ist.

Austausch der Bolzen in der KSC-Sommerpause 2026

Die Sanierung soll in der Sommerpause 2026 stattfinden, drei Jahre nach Fertigstellung des Millionenprojekts. Wenn die Zeit nicht ausreicht, soll der Rest der Arbeiten ein Jahr später in der Sommerpause 2027 erledigt werden. Auch darüber hinaus sind weitere Qualitätskontrollen vorgesehen.

Die Schlussvereinbarung, die nun im Gemeinderat von den Stadträten abgesegnet werden soll, legt fest, dass Zech Sports GmbH für die Kosten der Sanierung und die hinzugezogenen Experten aufkommen muss.

Wildparkstadion vor dem Eröffnungsspiel des KSC
Das Wildparkstadion vor dem Eröffnungsspiel des KSC gegen FC Liverpool.

Streit zwischen Bauunternehmer und Stadt Karlsruhe

Die Stadt betont, dass ohne die Schlussvereinbarung ein Gerichtsverfahren mit unklarem Ausgang drohe. Denn über die Höhe der Schlusszahlung und andere finanzielle Forderungen gab es offenbar Streit zwischen Stadt Karlsruhe und der Zech Sports GmbH. Der Bauunternehmer forderte 3,17 Millionen Euro. Diese Summe sei nach Abschluss der Bauarbeiten noch offen gewesen. Die Stadt sah dagegen nur eine Forderung von 1,4 Millionen Euro für gerechtfertigt. Nach Verhandlungen reduzierten sich die Forderungen demnach von Zech auf rund 378.00 Euro und die der Stadt auf 455.000 Euro. Beide Parteien wollen außergerichtlich zu einer Einigung kommen.

Stadt Karlsruhe betont gute Zusammenarbeit in einberufener Pressekonferenz

In einer nach der Berichterstattung im SWR kurzfristig am Mittwoch einberufenen Pressekonferenz erläuterte die Stadt, dass von den genannten 6.200 Mängeln alle behoben seien, bis auf das Problem mit den Dachbolzen. In Anwesenheit des Geschäftsführers von Zech Sports Gmbh, Christopher Kämereit, betonte Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), dass die Zusammenarbeit sehr vertrauensvoll und kollegial sei. Dazu zähle auch der beidseitige Verzicht auf die letzten finanziellen Forderungen als Ergebnis der Verhandlungen.

Die Schlussvereinbarung ist eine gute Lösung nach partnerschaftlichen Verhandlungen.

Seit einer Woche fänden in der Dachkonstruktion Messungen statt, um die Zinkdicke festzustellen, so Kämereit. Eine "signifikante Unterschreitung" der Zinklegierung sei bislang nicht festgestellt worden. Wie groß das Problem mit vermeintlich minderwertigen Dachbolzen und laut Gemeinderatsvorlage bereits terminierter Austauschaktion tatsächlich ist, bleibt angesichts voneinander abweichenden Darstellungen unklar.

Rückzahlung der Stadionkosten durch den KSC dauert Jahrzehnte

Beim Bau des Wildparkstadions ist die Stadt finanziell in Vorleistung gegangen. Über einen Pachtvertrag ist geregelt, dass der Karlsruher SC die mehr als 100 Millionen Euro für den Stadionkörper an die Stadt zurückzahlen muss. Die Abzahlung würde über 50 Jahre dauern. Kritiker mahnen seit Jahren, dass die Stadt auf Millionenkosten sitzen bleiben wird. Noch vor Ablauf der Rückzahlungsfrist werde der Sanierungsbedarf enorm sein, die Kosten würden davonlaufen.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Rebekka Plies
SWR-Reporterin Rebekka Plies

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