Ein Kleinbus fährt auf einem Parcours in Bad Schönborn (Landkreis Karlsruhe). Er hält an, wenn eine Ampel oder ein Hindernis kommt und blinkt, wenn er abbiegen muss. Ein Lenkrad ist nicht sichtbar. Ein Fahrer steht bereit, um eingreifen zu können. Bis zu acht Leute passen in den roten Bus. Auch Rollstühle können über eine Rampe hineinfahren. Das Ganze passiert auf dem Parkplatz einer stillgelegten Pflegeklinik am Ortsrand.
Der Test ist Teil eines EU-weiten Projekts. Es geht um die Frage, ob in Zukunft autonome Systeme für den Transport von Kurgästen und auch für Menschen mit Mobilitäts-Einschränkungen eingesetzt werden könnten.
Autonomes Fahren in BW: Tests und Versuche
Es ist derzeit das einzige Projekt in Sachen "Autonomes Fahren" in Baden-Württemberg. Anderswo werden zwar auch selbst fahrende Kleinbusse getestet, in Karlsruhe und dort sogar im Dauerversuch, aber ohne Fahrgäste. In Bad Schönborn fahren sie nur eine Woche lang, dafür aber mit Fahrgästen. Sie konnten sich zuvor für die Testfahrten anmelden. Und es sind noch Plätze frei.
Der Bus der Firma Suraaa aus Klagenfurt in Österreich hat ein normales Zulassungskennzeichen. Denn in Österreich sind sie beim autonomen Fahren schon ein Stückchen weiter: Dort betreibt Suraaa bereits mehrere autonom fahrende Busse und das sogar im Linienbetrieb - in Pörtschach am Wörthersee und in Klagenfurt.
Bad Schönborn ist kleinste Kommune des Projekts
Auch in Klagenfurt muss aber noch ein Sicherheitsfahrer an Bord sein. In ganz Europa gibt es derzeit keine autonom fahrenden Busse ohne Sicherheitsfahrer, obwohl die Systeme dazu in der Lage seien, beschreibt Jens Schippl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Stand der Entwicklung. Das KIT ist ebenfalls Projektpartner des EU-Versuchs Ginevra. Insgesamt sieben Länder, mehrere Universitäten und Kommunen sind dabei. Bad Schönborn ist die einzige Gemeinde in Deutschland und die kleinste, die sich an dem Projekt beteiligt.
Wir wollen testen, wie wir das als Gemeinde umsetzen können und welche Akzeptanz solche Systeme in der Bevölkerung haben.
Der Weg zum autonomen Fahren, wenigstens auf dem Privatgelände einer stillgelegten Klinik, war voller Bürokratiehürden, berichtet die Bad Schönborner Hauptamtsleiterin Eileen Gatzke. Seit drei Jahren habe man versucht, eine Genehmigung für autonomes Fahren im öffentlichen Raum in Bad Schönborn zu bekommen. Das sei an den Bedingungen gescheitert, berichtet Gatzke.
Autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen scheitert an Bürokratie
Allein zwei Wochen Probebetrieb auf öffentlichen Verkehrswegen in Bad Schönborn hätten die Gemeinde bis zu 90.000 Euro Gebühren gekostet. Das kann sich selbst eine florierende Kurgemeinde wie Bad Schönborn nicht leisten. Deshalb sei das Projekt auf Privatgelände ausgewichen.
Auch wenn die bürokratischen Hürden beim Kraftfahrt-Bundesamt und beim Bundesverkehrsministerium im Moment unüberwindbar scheinen, das Interesse der Menschen vor Ort an selbstständig fahrenden Bussen ist enorm. In den vergangenen zwei Wochen haben sich über 600 Menschen gemeldet, die den Bus ohne Lenkrad gerne einmal ausprobieren wollen. Christa Nüssle aus Bad Schönborn ist schon mitgefahren und sie war beeindruckt:
Schon eigenartig, aber fantastisch. Es hat mir gefallen. Ich habe einfach vertraut, dass das gut geht und war enttäuscht, dass es nicht weiter gegangen ist.
Fahren ohne Fahrer: Zukunft des ÖPNV?
Bad Schönborns Bürgermeister Klaus Detlev Huge (SPD) ist sich sicher: Autonome Systeme sind gerade auf dem Land die Zukunft im ÖPNV. Wenn Fahrer fehlen und kleine, abgelegene Strecken befahren werden müssen, könnte die Technik Lücken füllen. In Bad Schönborn zum Beispiel wären kleine Shuttlebusse vom Bahnhof ins Kurgebiet ideal.
Aber das ist Zukunftsmusik. Derzeit gibt es in Deutschland keinen einzigen Anbieter, der sein autonomes System beim Kraftfahrt-Bundesamt regulär angemeldet hätte. Deshalb werden sie in Bad Schönborn auch nach dem Versuch noch zu Fuß gehen müssen, sehr zum Bedauern mancher Fahrgäste.