Junge Fichten finden und entfernen: Das ist an diesem Vormittag die Aufgabe einer Neunten Klasse des Gymnasiums Hohenbaden aus Baden-Baden. Durch ihren Einsatz werden kleine Lichtungen erhalten, die der bedrohte Auerhahn zum Überleben braucht.
Baden-Baden: Schulklasse räumt Lichtungen frei
Kniehohe Fichtentriebe werden von den Schülern mit der Hand aus dem Boden gezogen. Um ältere Bäume zu entfernen, bedarf es auch schon mal der Säge. Ebereschen, Kiefern und Birken dürfen hingegen stehenbleiben. Ihre Beeren, Nadeln und Triebe stehen nämlich auf dem Speiseplan des Auerwildes. "Eigentlich hatte ich erst keine Lust, aber jetzt macht es schon Spaß, vor allem in der Gruppe", erzählt die 14-jährige Mara.
Außerdem trägt der Erhalt der Lichtungen dazu bei, dass wilde Heidelbeersträucher wachsen können. Ihre Früchte gehören nicht nur zur Leibspeise des Auerhahns, ihr Gestrüpp bietet den Auerwildküken außerdem auch Deckung vor Fressfeinden.
Wir haben uns gefreut, das zu machen, damit die Tiere mehr Lebensraum haben
Wie die Schüler dem Auerhahn helfen
Seit über zehn Jahren läuft die Kooperation des Städtischen Forstamts, des Naturparks Schwarzwald und des Gymnasiums Hohenbaden. Normalerweise findet die Aktion bereits Mitte Juli statt, wegen schlechten Wetters musste sie dieses Jahr aber auf den September verschoben werden.
Lehrer Christoph Höfele freut sich, dass es im zweiten Anlauf doch noch geklappt hat. Er möchte, dass seine Schüler den Bezug zur Natur nicht verlieren. “Ich finde es sehr wichtig für die Kinder, dass sie mal aus dem trockenen Schulalltag rauskommen und sehen, wie wichtig es ist, Natur am Leben zu erhalten”, erklärt der Lateinlehrer.
Rückgang der Auerhähne weniger dramatisch
Die Bemühungen des Forstamts, des Naturparks und der Schüler scheinen zunehmend von Erfolg gekrönt zu sein. Im Frühjahr 2025 wurden im Schwarzwald insgesamt 103 balzende Auerhähne gezählt. Das ist zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum vorangegangenen Jahr, allerdings kein dramatischer, so eine Sprecherin des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord.
Das Auerwild ist sehr störungsempfindlich. Es wäre auf jeden Fall gut, wenn die Bürger nicht durch jede Fläche durch laufen
Auf der Roten Liste steht der Auerhahn trotzdem noch. Helfen können ihm nicht nur kleine und große Naturschützer, sondern auch umsichtige Spaziergänger, erklärt Jannik Raible vom Forstamt Baden-Baden. Das gilt besonders im Winter. Wird das Auerwild dann aufgeschreckt, verbrennt es wertvolle Energiereserven. Um Störungen zu vermeiden, empfiehlt er außerdem Hundehaltern, ihre Tiere beim Waldspaziergang an die Leine zu nehmen.