Wenn Alexander Kaiser an dem 3D-Modell eines Skateboards herumklickt, geht das in Sekundenschnelle. Seit einem Jahr ist der 22-Jährige Auszubildender in der Firma hiveQ in Karlsruhe. Tatsächlich aber konnte das Unternehmen drei weitere freie Ausbildungsplätze nicht besetzen.
Karlsruher Firma: Keine geeigneten Bewerber gefunden
Pascal Gebauer ist Bereichsleiter von hiveQ. Seine Firma vertreibt Softwarelösungen für digitales Lernen. Das bedeutet konkret, dass beispielsweise die Funktion einer Wärmepumpe dank einer VR-Brille und der nötigen Software Kunden im Ausland erklärt werden kann. Wo früher Reisen notwendig waren, helfen heute digitale Lernprogramme.
Ursprünglich wollte hiveQ fürs neue Ausbildungsjahr zwei Fachinformatikerstellen und eine kaufmännische Ausbildung besetzen. Doch für die drei Plätze fanden sich keine geeigneten Azubis. Es gab zwar Bewerber, aber die brachten nicht das notwendige Rüstzeug mit, so Pascal Gebauer.
Ausbildungsstart in BW: Es fehlt an Kompetenzen
Teilweise habe es an Mathematikkenntnissen gehapert oder aber die Rechtschreibung sei nicht gut genug gewesen, so Pascal Gebauer.
Wichtiger als Schulnoten ist uns, dass der oder die Bewerber/in zu uns passt. Das Menschliche ist uns sehr wichtig. Wir wollen, dass die Person motiviert ist.
"Es gibt den Irrglauben, dass man mit einem guten Abitur unbedingt studieren muss", so Gebauer. Dabei habe eine Ausbildung den Vorteil, dass man von Anfang an im Berufsleben sei.
IHK-Umfrage: Mangel an Motivation und Disziplin
Ende August waren in Baden-Württemberg 21.100 Ausbildungsstellen unbesetzt, während 10.800 Jugendliche noch eine Ausbildung suchten. Es gab 34.507 Neuverträge, das sind 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Hauptgrund für die unbesetzten Stellen im Land sei laut der Industrie- und Handelskammer (IHK), dass es zu wenig geeignete Bewerber gebe. Es hapere nicht unbedingt an den Schulnoten, sondern an den grundlegenden Voraussetzungen für eine gelungene Ausbildung wie etwa Motivation und Disziplin. Das ist ein zentrales Ergebnis der aktuellen Ausbildungsumfrage der baden-württembergischen IHK.
Laut dieser Umfrage klagen Betriebe, die Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen, häufig über Defizite bei Schulabgängerinnen und Schulabgängern – insbesondere auch bei der Belastbarkeit (64 Prozent). Auch die mentale Leistungsfähigkeit (54 Prozent) und sprachliche Grundkompetenzen (52 Prozent) werden kritisch bewertet. Das deckt sich mit Pascal Gebauers Erfahrungen.
Freie Ausbildungsstellen: Diese Branchen sind besonders betroffen
Besonders kritisch ist laut IHK die Situation in der Transport- und Logistikbranche: Rund 69 Prozent der befragten Unternehmen konnten 2025 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (57 Prozent). Ähnlich betroffen seien Betriebe aus dem Handel (57 Prozent), der Industrie (55 Prozent) sowie den unternehmensorientierten Diensten (54 Prozent). Auch Pascal Gebauers hiveQ gehört zu den Betrieben mit noch offenen Azubi-Stellen. Mit Alexander Kaiser sind momentan insgesamt zwei Azubis am Standort Karlsruhe beschäftigt, es könnten mehr als doppelt so viele sein.
Positiver Trend in Karlsruhe und dem Nordschwarzwald: Mehr Stellen besetzt
In Karlsruhe gab es zum neuen Ausbildungsjahr entgegen dem BW-Trend ein leichtes Plus: 3.305 Stellen sind besetzt worden, das sind 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch im Nordschwarzwald konnten mehr Stellen besetzt werden: Es wurden 1.636 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen (Stand: 31. August 2025). Damit meldet die IHK Nordschwarzwald einen Anstieg von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Anstieg der Ausbildungsverträge im Nordschwarzwald zeigt, dass die Unternehmen Verantwortung übernehmen und aktiv gegen den Fachkräftemangel vorgehen. Das ist ein gutes Zeichen.
Dank Ausbildung näher an der Praxis
Für Alexander Kaiser jedenfalls war der Schritt in die Ausbildung der richtige. Er lernt Gestalter für immersive Medien, ein noch junger Ausbildungsberuf, bei dem die 3D-Programmierung im Mittelpunkt steht.
Für mich war die Ausbildung definitiv die richtige Wahl. Gerade im Bereich 3D ist Praxis sehr wichtig und hier konnte ich direkt einsteigen.
Für die Ausbildung ist Alexander Kaiser von Freiburg nach Karlsruhe gezogen. Für ihn beginnt nun das zweite Lehrjahr.