Beim Azubi-Contest der "Selektion Deutscher Luxushotels" in Baden-Baden sind Alleskönner gefragt. Sechs junge Auszubildende – fünf Frauen und ein Mann – traten am Donnerstag gegeneinander an. Neben erwartbaren Disziplinen wie "Rechnung schreiben", "Zimmer-Check" und "Check-in" mussten die Azubis auch Knöpfe annähen, Wein dekantieren oder eine Blindverkostung meistern.
Geschmack braucht alle Sinne
Wer glaubt, mit verbundenen Augen Lebensmittel am Geschmack zu erkennen, sei einfach, der hat das noch nie probiert. Zu wichtig ist, was das Auge an Informationen vorausschickt. Basilikum-Pesto geschmacklich zu erraten ist leicht – wenn man das Pesto vorher sieht.
Ähnliches gilt für den Tastsinn. Unter anderem eine Quitte sollten die jungen Azubis mit verbunden Augen ertasten, außerdem einen Steinpilz – und Spätzle. Gar nicht so einfach. Zu selten wühlt man mit der Hand in einer Schale voll Nudeln.
Trotzdem sei die Blindverkostung für sie gut machbar gewesen, erzählt Sophie Scherer. Die 23-Jährige ist Auszubildende im dritten Lehrjahr im Brenners Park-Hotel in Baden-Baden, wo der Azubi-Wettkampf stattfand. Blind kosten und tasten habe sie im Vorfeld viel geübt, erzählt sie.
Wein dekantieren: bloß kein Rückstoß ins Depot
Auch das Dekantieren habe gut geklappt, sagt Sophie. Wichtig sei, auf den Rückstoß zu achten und das Depot nicht in Unruhe zu versetzen. Hier geht es weder um Schusswaffen noch um ein Aktiengeschäft: Rückstoß meint, dass beim Dekantieren Wein zurück in die Flasche fließt, der den restlichen Wein in der Flasche mit dem Depot durcheinanderwirbeln würde.
Außerdem müssen die Azubis in ihrem Contest abgerissene Knöpfe annähen, weswegen Sophie ein Nähset bei sich hat. Neben einem Kellnermesser, Streichhölzern und Scheiben eines Weinkorkens. Die braucht sie, um wackelnde Stühle oder Tische zu verarzten. Auch andere Azubis haben diese Utensilien bei sich.
Der Zimmer-Check beim Azubi-Contest: Nichts darf übersehen werden
Beim Zimmer-Check darf nichts übersehen werden. Um das zu üben, werden zehn rote Papierschnipsel in einem Hotelzimmer versteckt. Unter der Kaffeemaschine, zwischen Handtüchern oder auf dem Fernseher zum Beispiel. Sophie und ihre Konkurrentinnen und Konkurrenten sollten alle zehn Schnipsel finden. Unter Zeitdruck. Sophie meistert auch das.
Die Azubis gehen den Contest zwar spielerisch und leicht an, wollen aber natürlich trotzdem gewinnen. Schließlich geht es um viel Prestige. Und: man vertritt in gewisser Weise das Haus, für das man arbeitet. Das verpflichtet und erzeugt – bei aller Leichtigkeit – zusätzlichen Druck.
Alle Azubis hätten in Baden-Baden verdient zu gewinnen
Auszubildende in der Hotel- und Gastronomiebranche müssen Alleskönner sein. Freundlich, aber nicht aufdringlich. Zugewandt, aber mit der nötigen Distanz. Außerdem ist jede Menge Improvisationstalent gefragt. Diese Eigenschaften bringen alle Teilnehmenden des Azubi-Contests mit, sonst würden sie diesen Job nicht machen.
Gewinnen kann hier trotzdem nur eine Person. Für Sophie hat sich das viele Üben auf jeden Fall gelohnt. Denn sie nimmt am Ende des Wettkampfes den Sieg mit nach Hause. Als Preis gibt es unter anderem einen Bildungsgutschein im Wert von 3.000 Euro.