Am Freitag ist bekannt geworden, dass Bosch Hausgeräte (BSH) das Neff-Werk in Bretten schließen will. Davon sind rund 1.000 Mitarbeiter betroffen. Für die Stadt Bretten ist das besonders bitter.
SWR Aktuell: Wann haben Sie von diesen Plänen der BSH Hausgeräte GmbH erfahren?
Nico Morast: Ich wurde heute Morgen von der Geschäftsführung informiert, dass zum Ende des ersten Quartals 2028 die Produktion am Standort in Bretten eingestellt werden soll und davon 980 Arbeitsplätze betroffen sind.
SWR Aktuell: Was sagen Sie dazu?
Nico Morast: Also für uns als Stadt ist das natürlich wie ein Schlag ins Gesicht, weil wir auch im Vorfeld in die unternehmerische Entscheidung, die ja vom BSH-Konzern in München getroffen wurde, in keinster Weise eingebunden waren.
Für uns als Stadt ist das natürlich wie ein Schlag ins Gesicht.
SWR Aktuell: Das heißt, Sie sind überrascht und auch schockiert?
Nico Morast: Wir waren sehr überrascht und schockiert und sind es immer noch, zumal im vergangenen Jahr auch nochmals von der BSH betont wurde, dass in Deutschland 450 Stellen abgebaut werden sollen bis Ende 2027, aber dass das natürlich im Jahr 2028 einen dermaßen Einschnitt für uns in Bretten bedeutet, war in keinster Weise absehbar und da gibt es für uns natürlich auch noch einige Fragen.
SWR Aktuell: Sie scheinen sehr betroffen zu sein.
Nico Morast: Ja, also das ist ein Schlag ins Gesicht und man muss natürlich zum einen auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denken, an die Familien, die dahinter stehen, an hochqualifizierte Kräfte. Die Firma Neff in Bretten steht für Innovation, für Tradition. Es handelt sich bei der Firma Neff um die älteste Marke für Küchengeräte in Europa.
Bretten ist der traditions- und erfahrungsreichste Standort im heutigen Verbund der BSH-Hausgeräte. Bretten war schon immer Innovation und deshalb trifft uns das natürlich ganz gewaltig und nach meinem Kenntnisstand ist das Werk von Neff in Bretten das einzigste Werk des Konzerns in Baden-Württemberg und damit würde das natürlich auch bedeuten, dass die "Weiße Ware" des ganzen Konzerns in Baden-Württemberg nicht mehr vertreten ist und produziert wird.
SWR Aktuell: Wollen Sie denn mit der Betriebsleitung von BSH über die drohende Schließung sprechen?
Nico Morast: Mein Ziel ist es, dass ich schnellstmöglich mit der BSH-Konzernleitung in Kontakt komme. Es sind auch Gespräche terminiert für die kommende Woche mit den handelnden Akteuren vor Ort und ich werde als Oberbürgermeister alles in meiner Macht Mögliche tun, um hier zu versuchen das Beste für den Standort Bretten, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herauszuholen.
Und wenn man sich einmal zurück erinnert, Ende der 80er Jahre hatte der Konzern eine ähnliche Entscheidung getroffen, denn damals sollte der Standort in Bretten bereits geschlossen werden. Damals gelang es unter größter Kraftanstrengung des Landes Baden-Württemberg, aber insbesondere auch der Stadt Bretten und dem damaligen Oberbürgermeister Paul Metzger, diese Standortschließung abzuwenden.
Das waren andere Zeiten, aber die Stadt Bretten war es, die die Rahmenbedingungen für NEFF am Standort immer wieder optimiert hat, weil es sich um ein traditionsreiches Unternehmen handelt, weil es ein großer Arbeitgeber ist und für mich stellt sich schon die Frage, wie der Abwägungsprozess auch zustande kam, dass der Produktionsstandort in Bretten in Gänze geschlossen werden soll.
SWR Aktuell: Ich verstehe Sie richtig, Sie wollen das also auf jeden Fall nicht einfach so hinnehmen.
Nico Morast: Ich werde alles in meiner Macht Mögliche tun, um dem entgegenzuwirken, ich werde die Gespräche suchen mit der Geschäftsleitung, mit dem Betriebsrat und natürlich sehe ich auch die Politik gefordert, denn 1000 Arbeitsplätze am Standort in Bretten, das ist natürlich auch für Baden-Württemberg ein herber Schlag und ich werde natürlich auch versuchen, die Landespolitik hier mit ins Boot zu holen, um zu versuchen, das Möglichste zu erreichen.
SWR Aktuell: Vielen Dank für das Gespräch.