Rund 2.000 Menschen haben sich am Mittwochnachmittag an einem Demonstrationszug vom Werkstor bei Bosch bis in die Bühler Innenstadt beteiligt. Auf dem dortigen Europaplatz wurde auf einer Kundgebung auf das Ausmaß des geplanten Stellenabbaus bei Bosch aufmerksam gemacht.
Demonstration in Bühl setzt Zeichen für Solidarität
Auf Bannern forderten die Demonstranten Solidarität mit den Beschäftigten in Bühl. An dem Protestzug durch die Stadt beteiligten sich auch Beschäftigte von Mercedes in Rastatt und Mitarbeiter des Haushaltsgeräteherstellers Neff. Das Neff-Werk in Bretten (Landkreis Karlsruhe) soll 2028 geschlossen werden.
Der Bühler Oberbürgermeister Matthias Bauernfeind (CDU) sprach am Rand der Kundgebung von einem starken Zeichen der Solidarität. Der Standort Bühl dürfe sich wirtschaftlich nicht abhängen lassen.
Stellenabbau bei Bosch hat Auswirkungen auf Bühl
"Die Kommunen sind betroffen, die Stadt ist betroffen. Wenn in so erheblichem Maße etwas wegbricht, hat das Auswirkungen auf ganz viele", sagt Katrin Mayer, Geschäftsführerin der IG Metall Offenburg. Einzelhändler, Gastronomie und andere Branchen seien von Bosch abhängig.
Bosch, wir müssen dich an deine soziale Verantwortung erinnern. So einfach wird es nicht ohne uns gehen.
Der Abbau von 1.700 Arbeitsplätzen ist für Mayer noch nicht in Stein gemeißelt. Man werde alles tun, um es abzumildern - zum Beispiel durch Alternativkonzepte und Vorschläge. "Verhindern kann man es nicht", sagt sie.
Mitarbeiter bei Bosch in Bühl sind verängstigt
Bei Bosch in Bühl fanden am Mittwoch mehrere Betriebsversammlungen statt. In der Belegschaft herrscht nach der Ankündigung, rund 1.700 Stellen zu streichen, Verunsicherung. Die Menschen hätten Angst, so der Betriebsratsvorsitzende Francesco Tramonti. Er ist seit 28 Jahren bei Bosch in Bühl.
Es macht einem zu schaffen, weil es das erste Mal ist, dass es jeden betrifft.
Der Betriebsratsvorsitzende will für den Erhalt der Arbeitsplätze in Bühl und Bühlertal kämpfen und er glaubt an eine Zukunft der Standorte: "Wenn man es schafft, die Kompetenzen zu halten, zu stärken und aus diesen Kompetenzen Innovationen zu generieren, sorgt das für Beschäftigung".
Das sei beispielsweise damals bei der Entwicklung des E-Bike-Motors gelungen, mittlerweile sei das ein eigener Geschäftszweig. Kahlschlag sei der falsche Weg, weil dadurch Kompetenzen verloren gingen und den Standort in eine Abwärtsspirale führen würde.
Oberbürgermeister von Bühl fordert Klarheit
Der Bühler Oberbürgermeister Matthias Bauernfeind (CDU) verlangt von Bosch vor allem schnellstmöglich Klarheit, um den Beschäftigten "ihre Fragen und Sorgen zu nehmen".
Der Bosch-Standort ist für die ganze Region von Bedeutung.
Er hoffe, dass die Menschen, die im Unternehmen in Verantwortung stehen, sich um ihrer Verantwortung für die Menschen bewusst seien, so Bauernfeind auf SWR-Anfrage.
Bosch will Stellen in Bühl und Bühlertal streichen
Nach Unternehmensangaben sind mehr als 3.000 Beschäftigte am Standort Bühl und Bühlertal beschäftigt, rund 1.550 Stellen sollen dort wegfallen. Die Gewerkschaft IG Metall spricht von 1.700 Arbeitsplätzen, weil Bosch die Zahlen als Vollzeitstellen angeben würde, manche Stellen aber in Teilzeit auf mehrere Mitarbeiter verteilt seien. Am Standort Bühl werden unter anderem elektrische Kleinantriebe gefertigt.
Bosch hatte Ende September angekündigt, in Deutschland rund 13.000 Jobs zu streichen - vor allem in Baden-Württemberg. Grund ist demnach unter anderem die Krise in der Automobilindustrie.