Mehr als 1.500 Jobs bald weg

Stellenabbau bei Bosch in Bühl: "Mit Gewitterwolken gerechnet, aber nicht mit einem Orkan"

Der Standort Bühl/Bühlertal ist massiv vom Stellenabbau beim Autozulieferer Bosch betroffen. Etwa jeder zweite Arbeitsplatz könnte wegfallen. Betriebsrat und OB zeigen sich schockiert, Mitarbeiter sind verunsichert.

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Von Autor/in Sven Huck, Markus Bender

Nach dem angekündigten massiven Stellenabbau bei Bosch ist die Betriebsversammlung im Werk Bühl am Freitagmittag ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. Dies sagte Katrin Mayer von der IG Metall Offenburg gegenüber dem SWR. Die Stimmung auf der gut besuchten Betriebsversammlung in Bühl sei von Enttäuschung und Wut geprägt gewesen.

Die IG-Metall-Geschäftsführerin habe es dabei als besonders respektlos empfunden, dass die Arbeitgeberseite auf keine der von der Belegschaft gestellten Fragen befriedigende Antworten gegeben hätte. Die Gewerkschafterin hofft nun, dass die am 7. Oktober beginnenden Gespräche zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und Arbeitgeberseite zu besseren Ergebnissen führen. Vor allem kritisierte Mayer, dass auf der Betriebsversammlung keine Entscheidungsträger des Unternehmens vertreten gewesen seien.

Bosch-Mitarbeiter: "Es geht um unsere Familien, um unsere Zukunft, um Alles"

Der Standort Bühl/Bühlertal (Kreis Rastatt) ist massiv vom Stellenabbau beim Autozulieferer Bosch betroffen. Rund 1.500 Jobs sollen dort wegfallen – das wäre jeder zweite Arbeitsplatz. Der geplante Stellenabbau sorgt für Verunsicherung und Wut bei der Bühler Belegschaft von Bosch. Am Morgen nach der Hiobsbotschaft äußerten viele Mitarbeiter Zukunftsängste. "Eigentlich wollte ich ein neues Auto anschaffen, aber das schiebe ich jetzt auf die lange Bank", sagte ein Mitarbeiter beim Schichtwechsel am Freitagmorgen dem SWR. Eine Frau meinte, sie würde es nicht treffen, weil sie demnächst in die passive Altersteilzeit gehen, aber für den Nachwuchs sei es nicht sehr schön.

Mich persönlich regt das nur auf. Keiner macht sich Gedanken, wie wir neue Produkte hierherkriegen, sondern es geht nur um Stellenabbau.

Das sagen Bosch-Mitarbeiter in Bühl am Freitagmorgen zum geplanten Stellenabbau:

Stellenabbau bei Bosch: Betriebsrat will um jeden Arbeitsplatz kämpfen

Die angekündigten Stellenstreichungen bei Bosch in Bühl/Bühlertal sind laut IG Metall Offenburg ein harter Schlag. Der Betriebsrat und der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (parteilos) sprechen von einem Schock. Der Betriebsratsvorsitzende Francesco Tramonti bei Bosch am Standort Bühl/Bühlertal sagte dem SWR, man werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen wie ein Löwe.

Ich habe mit Gewitterwolken gerechnet, aber nicht mit solch einem Orkan.

Tramonti befürchtet, dass "der Standort so kahlrasiert wird, dass er irgendwann geschlossen wird". Man komme in eine Abwärtsspirale. Er betont, dass die Belegschaft immer für Kompromisse bereit gewesen sei.

IG Metall Offenburg fordert Gespräche

Die zuständige IG Metall Offenburg hat angekündigt, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Die Pläne seien ein harter Schlag.

Wir sind von der Größenordnung überrascht.

Die Gewerkschaft fordert von Bosch Gespräche und Informationen zu Perspektiven für den Standort, sagte Katrin Mayer von der IG Metall Offenburg dem SWR. Man wolle das Unternehmen auffordern, über Alternativen zu sprechen.

OB Schnurr in Bühl: "Herber Einschnitt bei Bosch"

Der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (parteilos) spricht auf SWR Anfrage von einem herben Einschnitt bei Bosch. Es sei ein Schock, wenn die Hälfte der Belegschaft wegbreche. Dass was passiere, sei klar gewesen. Aber über diese Ausmaße sei er schockiert, so Schnurr.

Hubert Schnurr, Oberbürgermeister in Bühl
Hubert Schnurr, Oberbürgermeister in Bühl

Wo Bosch in BW die meisten Stellen streichen will

In Deutschland will Bosch etwa 13.000 weitere Stellen streichen. Das kündigte der Autozulieferer am Donnerstag an. Neben den Werken in Bühl/Bühlertal sind in Baden-Württemberg besonders die Geschäftsbereiche Power Solutions und Electrified Motion von Bosch Mobility mit ihren Standorten Stuttgart-Feuerbach, Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) und Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) betroffen.

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Sven Huck
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Markus Bender, SWR

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