Stellenabbau bis Ende 2030

Autozulieferer Bosch streicht weitere rund 13.000 Jobs in Deutschland - Standorte in BW betroffen

Der Autozulieferer Bosch will noch mehr Stellen streichen als bislang bekannt. An deutschen Standorten sind weitere rund 13.000 Jobs betroffen - vor allem in Baden-Württemberg.

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Von Autor/in Patrick Seibert

Der weltweit größte Autozulieferer Bosch aus Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) bei Stuttgart baut an deutschen Standorten weitere rund 13.000 Stellen ab. Zusammen mit dem bereits angekündigten Stellenabbau fallen damit bis Ende 2030 etwa 22.000 Arbeitsplätze weg. Das hat das Unternehmen am Donnerstag angekündigt. Besonders betroffen sind demnach die Standorte Stuttgart-Feuerbach, Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) und Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) sowie Bühl (Kreis Rastatt) und Homburg im Saarland.

Bosch streicht weitere Jobs: Hier fallen die Stellen weg

Der zusätzliche Personalabbau verteilt sich wie folgt auf die unterschiedlichen Standorte von Bosch Mobility in Deutschland: In Stuttgart-Feuerbach sind 3.500 Stellen betroffen - in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und der Produktion von Antriebskomponenten. In Schwieberdingen geht es um 1.750 Arbeitsplätze, am Standort Waiblingen soll die Produktion von Verbindungstechnik bis Ende 2028 geschlossen werden - 560 Jobs sind dort betroffen.

In Bühl, wo elektrische Kleinantriebe gefertigt werden, werden etwa 1.550 Stellen abgebaut und am Standort Homburg sind es etwa 1.250 Jobs. Zusätzlich fallen tausende weitere Arbeitsplätze in der Verwaltung und bei Tochtergesellschaften weg.

Geschäftsführer: Bosch steht weiter zum Standort Deutschland

Bosch-Geschäftsführer und Arbeitsdirektor Stefan Grosch betonte, Bosch stehe weiter klar zum Standort Deutschland. Allerdings müsse sich das Unternehmen effizienter aufstellen, um sich im hart umkämpften weltweiten Wettbewerb behaupten zu können. Bosch wisse um seine Verantwortung für die Mitarbeitenden. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage habe der Autozulieferer aber keine andere Wahl, sagte Grosch. Bosch Mobility hatte vor Kurzem bereits angekündigt, pro Jahr weitere 2,5 Milliarden Euro sparen zu müssen. Ende 2024 arbeiteten etwa 231.000 Menschen in der Autosparte von Bosch.

Wir müssen dringend an der Wettbewerbsfähigkeit im Mobility-Bereich arbeiten und unsere Kosten weiter dauerhaft senken. Dazu setzen wir viele Hebel in Bewegung. Bedauerlicherweise kommen wir dabei auch nicht um einen weiteren Stellenabbau über das bereits kommunizierte Maß herum.

Geld sparen will Bosch durch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Fertigung und Entwicklung, durch die Senkung von Sach- und Materialkosten sowie die Reduzierung von Investitionen in Anlagen und Bauten. Außerdem sollen die Logistik und weltweiten Lieferketten effizienter gestaltet werden, hieß es in einer Pressemitteilung. Dazu komme der Personalabbau.

Bühl

Mehr als 1.500 Jobs in Bühl bald weg Stellenabbau bei Bosch: "Mit Gewitterwolken gerechnet, aber nicht mit einem Orkan"

Der Standort Bühl/Bühlertal ist massiv vom Stellenabbau beim Autozulieferer Bosch betroffen. Etwa jeder zweite Arbeitsplatz könnte wegfallen. Betriebsrat und OB zeigen sich schockiert, Mitarbeiter sind verunsichert.

Betriebsrat will gegen Stellenstreichungen kämpfen

Der Betriebsrat will die Stellenstreichungen nicht hinnehmen, versicherte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Frank Sell. "Für uns ist klar, dass das ein extrem heißer Herbst werden wird, weil wir natürlich kämpfen werden wie die Löwen", so Sell. Die Bosch Geschäftsführung forderte Sell zu konstruktiven Verhandlungen auf. Erste Gespräche sollen bereits am Freitag stattfinden.

Der Betriebsratsvorsitzende Francesco Tramonti am Standort Bühl sagte dem SWR, er habe mit Gewitterwolken gerechnet, aber nicht mit solch einem Orkan. Der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr (parteilos) sprach auf SWR-Anfrage von einem herben Einschnitt bei Bosch. Es sein ein Schock, wenn die Hälfte der Belegschaft wegbreche.

Betriebsbedingte Kündigungen sind bei dem Autozulieferer bis 2027 ausgeschlossen. Das heißt, Mitarbeitende müssen vermutlich dazu motiviert werden, den Konzern freiwillig zu verlassen, zum Beispiel mit Abfindungen: Der Stellenabbau wird Bosch deshalb wohl auch einiges kosten.

IG Metall: "Robert Bosch würde im Grab rotieren"

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte mit heftiger Kritik auf die Stellenabbau-Pläne. "Robert Bosch würde im Grab rotieren", warf Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, dem Management des Unternehmens in einer Mitteilung vor.

Die IG Metall kündigte Widerstand gegen die Maßnahmen an. "Wir werden uns als IG Metall wehren. Es geht um viele tausend Beschäftigte von Bosch, die ihren Arbeitsplatz verlieren, es geht um deren Familien und es geht um Regionen, die Perspektive, Kaufkraft und Steuereinnahmen verlieren", so die Gewerkschaft. Es gehe aber auch um den Industriestandort als Ganzes, hieß es. Bosch sei mehr als ein Unternehmen - es sei Teil des Rückgrats der Industrie in Baden-Württemberg, so die baden-württembergische IG-Metall-Chefin Barbara Resch am Freitag. "Wer hier Arbeitsplätze streicht, trifft nicht nur einzelne, sondern ganze Familien und Gemeinden", so Resch.

Unsere Botschaft ist klar: Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Bosch sich aus der Verantwortung stiehlt und den Standort im Stich lässt.

Stellenabbau wegen schwieriger Lage der Autoindustrie

Die Krise in der Automobilindustrie machte dem weltgrößten Autozulieferer Bosch zuletzt schwer zu schaffen. Bereits seit Ende 2023 gibt es eine ganze Reihe von Stellenabbauprogrammen.

Im Mobility-Bereich habe Bosch in Deutschland seit Anfang 2024 einen Stellenabbau von 9.000 Mitarbeitern kommunizieren und umsetzen müssen. Davon habe man bis heute circa die Hälfte auch realisiert, sagte Geschäftsführer Grosch. Die 13.000 Stellen, die jetzt abgebaut werden sollen, kämen hier noch zusätzlich dazu.

Weltweit hatte Bosch die Zahl seiner Beschäftigten im Automobilbereich im vergangenen Jahr bereits um mehr als 10.000 Stellen reduziert und weitere Stellenstreichungen in den kommenden Jahren angekündigt. Bosch begründet das mit der schwierigen Lage der Autoindustrie bei zugleich hohem Investitionsbedarf für die Antriebswende und neue Technologien.

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Patrick Seibert
Bild von SWR Aktuell-Redakteur Patrick Seibert

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