Zwischen Kajak, Kindheit und Comeback

Wie der Kanu-Sportkreis Bruchsal Mitglieder zurückholen will

Im Kanu-Sportkreis Bruchsal fehlen Mitglieder zwischen 40 und 55. Mit einer ungewöhnlichen Aktion wollen Vereine Ehemalige wieder zurück ins Boot holen. Kann das funktionieren?

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Von Autor/in Greta Hirsch

"Wir starten unsere Fahrt mit einem dreifach kräftigen ahoi, ahoi, ahoi", schallt es laut über den Altrhein bei Philippsburg (Landkreis Karlsruhe). Der glücksbringende Schlachtruf läutet an diesem Abend den Start der geplanten Paddel-Tour ein. Dann setzen sich auf dem Wasser rund 30 Kinder und Erwachsene in bunten Kajaks und einem Sechser-Kanadier in Bewegung. An Begeisterung fehlt es hier niemandem. Was fehlt, sind die Mitglieder.

Ein Junge schwimmt im Altrhein bei Philippsburg.
Zeit zum Abkühlen ist immer - vor allem beim Kanufahren. Greta Hirsch Bild in Detailansicht öffnen
Kanuten auf dem Altrhein bei Philippsburg im Landkreis Karlsruhe.
Gemeinsam vorwärts: Etwa 30 Kanuten sind bei der Paddelaktion des Kanu-Sportkreises Bruchsal auf dem Altrhein unterwegs. Greta Hirsch Bild in Detailansicht öffnen
Kanuten auf dem Altrhein bei Philippsburg im Landkreis Karlsruhe.
Die meisten Sportlerinnen und Sportler bewegen sich dabei mit Kajaks auf dem Wasser fort. Greta Hirsch Bild in Detailansicht öffnen
Kanuten auf dem Altrhein bei Philippsburg im Landkreis Karlsruhe.
Aber auch ein Sechser-Kanadier ist voll besetzt. Greta Hirsch Bild in Detailansicht öffnen

Comeback-Aktion soll ehemalige Kanuten zurück ins Boot holen

Mau sieht es vor allem in der Altersgruppe 40 bis 55 aus. Durch Umzüge, Karrierepläne oder Familiengründungen ist das aktive Vereinsleben für viele ehemalige Mitglieder in den Hintergrund gerückt, vermutet Silke Kosian. Sie ist Vorstand im Kanu-Sportkreis Bruchsal.

Um das zu ändern, haben mehrere Kanuvereine eine ungewöhnliche Aktion ins Leben gerufen: Mit Kanujugend80 Reloaded sollen ehemalige Kanukinder der 80er-Jahre ins Vereinsleben zurückgeholt und ihre Familienmitglieder für den Wassersport begeistert werden. Gemeinsame Dia-Abende im Winter und Paddeltouren im Sommer sollen den nötigen Anreiz schaffen. "Man erinnert sich an früher, wie es damals war. Was für tolle Zeiten wir hatten", erklärt Kosian. Denn diese Zeiten waren für viele prägend.

Kanu ist mein Leben. Ich wurde, glaube ich, fast ins Boot geboren.

Eine Frau steht mit einem Paddel vor dem Altrhein bei Philippsburg.
Damals wie heute: Silke Kosian ist begeisterte Kanutin und Vorstand im Kanu-Sportkreis Bruchsal. Greta Hirsch Bild in Detailansicht öffnen
Zurück in den 80ern: Silke Kosian als Kleinkind. Zusammen mit zwei Erwachsenen paddelt sie auf dem Wasser.
Schon im frühen Kindesalter hat sie ihr Vater mit dem Paddelsport in Berührung gebracht. Silke Kosian Bild in Detailansicht öffnen

Ansteckende Leidenschaft: Vereinsleben für die ganze Familie

Freiheit und Abenteuer pur – so beschreibt Sascha Gohle das Leben als Kanukind in den 80ern. "Für mich war es die schönste Kindheit, die ich mir überhaupt vorstellen kann." Heute zeigt er mit seinem azurblauen Vereinsshirt, zu wem er seit über 40 Jahren gehört: dem Wasser-Sport-Club Rheintreue Rheinsheim (WSC).

Wenn man irgendein Problem hat: Einer ist da. Wenn man irgendwo paddeln geht: Einer hat Lust zu paddeln. Das Gemeinschaftsgefühl ist einfach wahnsinnig toll im Verein.

Auch er war zwischenzeitlich fast 20 Jahre lang nicht mehr aktiv, fand jedoch in der Coronazeit zurück zu seiner alten Leidenschaft. Mittlerweile hat er damit auch seine Familie angesteckt: Seine Frau und die beiden Kinder begleiten ihn immer wieder auf Kanutouren. "Es macht Spaß, auf dem Wasser zu sein", sagt Sohn Jakob. "Wenn es heiß ist, kannst du auch mal schwimmen gehen."

Sascha Gohle vor dem Altrhein bei Philippsburg.
Sascha Gohle ist seit über 40 Jahren Mitglied im WSC. Greta Hirsch Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Jungen auf einem Siegertreppchen nach einem Sportwettkampf für Kanuten in den 80er-Jahren.
Seit er sieben Jahre alt ist, ist er Vereinsmitglied und hat in seiner Sportkarriere auch den ein oder anderen Preis abgeräumt. Silke Kosian Bild in Detailansicht öffnen

Erfolgreiche Mitgliederaktion? Noch ist Luft nach oben

Ob die Aktion den gewünschten Effekt bringt und die Alterslücke im Verein schließen kann? An diesem Paddeltag waren keine neuen alte Mitglieder dabei. Besser sah es allerdings bei den Veranstaltungen in den vergangenen Monaten aus. "Im Winter haben wir alte Fotos rausgekramt und haben da Dia-Abende gemacht. Da waren ganz ganz viele Leute dabei."

Das ist dann wie so ein großes Klassentreffen und das ist richtig schön für alle.

Schwierig ist vor allem eins: Die Kontaktaufnahme mit ehemaligen Kanukindern der 80er. Manche seien weggezogen, von anderen habe man keine Kontaktdaten. "Wir haben jetzt halt versucht, Werbung zu machen. Aber wir wissen auch, dass wir viele vielleicht noch gar nicht erreicht haben." Dennoch bleibt Kosian optimistisch. "Wir wünschen uns natürlich, dass noch mehr kommen", erklärt sie. Deshalb soll es die Aktion auch in Zukunft noch geben.

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