Ferienanfang in Baden-Württemberg: Die ersten Reisenden machen Pause auf ihrem Weg in den Urlaub. Einige freiwillig, andere nur halb freiwillig - nämlich die, die mit dem E-Auto unterwegs sind. Sie fahren Raststätten an und suchen nach einer freien Ladesäule und in der Regel suchen sie nicht lange. Es gibt einige freie Plätze an den Ladeparks in und um Pforzheim in der Nähe der A8.
Ladepark an der A8: Hier beginnt die Auszeit
Wo ein Wille ist, ist eine Ladesäule, versichert eine Sprecherin der EnBW. Dass E-Autofahrerinnen und E-Autofahrer auf eine freie Säule warten müssen, komme sehr selten vor. Viele nutzen auch entsprechende Apps, um freie Ladepunkte zu finden.
Es ist mittlerweile so, dass man auch ad hoc losfahren kann und bei Bedarf in der App nachschauen kann, wo die nächste freie Ladesäule ist.
Und das funktioniere sehr gut, sagt Börje Hilmer. Er ist Vielfahrer und seit eineinhalb Jahren mit einem E-Fahrzeug unterwegs. Er bereite sich auf seine Fahrten zwar schon vor und suche sich vorher entsprechende Ladepunkte aus - vor allem wenn er die Strecke noch nicht kenne. Aber inzwischen gehe es auch anders.
Lange Wartezeit auf volles E-Auto? Die Praxis zeigt, dass es auch anders geht
Und wenn dann der Stecker erst einmal steckt, beginnt für viele Autofahrerinnen und Autofahrer die Auszeit. Wie lange es dauert, bis ein E-Auto vollständig geladen ist, unterscheidet sich je nach Modell und Ladeleistung der Ladesäule. Eine EnBW-Sprecherin rechnet an einem Beispiel: Wenn ein Ladepunkt eine Leistung von 400 kW hat und das Fahrzeug damit auch kompatibel ist, könne ein Auto nach 25 Minuten Ladezeit damit bis zu 400 Kilometer fahren.
Die meisten Autofahrerinnen und Autofahrer, die ihr Auto an diesem ersten Ferientag in Pforzheim laden, haben einen Schnellladeanschluss. Mozes Andrianto und seine Familie kommen aus den Niederlanden und sind auf dem Weg nach Garmisch. Er sagt, sein Auto brauche sogar nur 15 bis 20 Minuten zum Laden. Gerade genug Zeit für einen kleinen Snack und etwas Bewegung für die Kinder. So halte er diese ganz einfach bei Laune.
Genau das empfiehlt auch die EnBW - nicht nur für Kinder, sondern für alle Reisenden. An vielen Stopps können Autofahrerinnen und Autofahrer etwas essen, trinken oder sich auf Spielplätzen austoben.
Häufig ist man noch gar nicht fertig mit der Pause, wenn das E-Auto schon geladen ist.
Mit dem E-Auto in den Schwarzwald?
An Autobahnen, an Knotenpunkten, im urbanen Raum - E-Autofahrerinnen und -Autofahrer haben verschiedene Möglichkeiten zum Laden. So beschreibt es auch die EnBW. Doch was, wenn Urlauber gerade nicht in den urbanen Raum reisen, sondern beispielsweise in den Schwarzwald?
Das Energieversorgungsunternehmen gibt an, dass Autofahrerinnen und Autofahrer in ganz Baden-Württemberg spätestens alle 50 Kilometer einen Schnellladepunkt nutzen können. Nicht nur an Autobahnen sondern auch auf dem Weg durch den Schwarzwald, versichert die EnBW.
Reichweite einschätzen und Ladestopp planen
Trotzdem ermahnen die EnBW und der ADAC Autofahrende, die Reichweiten realistisch einzuschätzen und bei der Planung des nächsten Ladestopps immer eine Restkapazität von 10 bis 20 Prozent einzuplanen. Das sei sonst schlecht für die Batterie, erklärt die ADAC-Sprecherin.
Die Autofahrer am Ladepark bei Pforzheim halten sich an diese Vorgabe. "So hat man im Notfall doch noch die Möglichkeit, eine andere Ladesäule anzusteuern. Falls sie doch schon besetzt sein sollte oder kaputt", sagt Börje Hilmer. So etwas sei ihm persönlich allerdings noch nie passiert.
Verschiedene Stecker und Ladeleistung
Gerade an Autobahnen gibt es viele Ladesäulen mit CCS-Steckern für das Schnellladen mit Gleichstrom. Viele herkömmliche Ladestationen, die Wechselstrom verwenden, haben einen Typ-2-Stecker. Den können Autos mit CCS-Anschluss trotzdem verwenden, aber eben mit geringerer Ladeleistung.
Die verschiedenen Anschlüsse und Ladetechniken sind an der Autobahn ein beliebtes Small-Talk-Thema - wie auch zu Beginn der Sommerferien an der A8. Einen Kaffee oder eine Zigarette lang treffen hier Gleichgesinnte aufeinander. "Eine richtige Community", findet Börje Hilmer. Er unterhalte sich während der Pause oft mit "Mitladern". Erst vor zwei Tagen habe er zwei sehr nette Fahrer getroffen und sich über sein spezielles Fahrzeug und dessen Ladeanschluss unterhalten.
Unbegründete Angst: Mit dem E-Auto im Stau liegenbleiben
Laut ADAC hält sich bei einigen Autofahrern hartnäckig die Sorge, bei geringer Batterieleistung und laufender Klimaanlage im Stau liegenzubleiben - nach Einschätzung des ADAC eine unbegründete Angst. Tests hätten gezeigt, dass der Elektromotor im Stand kaum Energie verbrauche. Und selbst bei hohen Temperaturen und laufender Klimaanlage könnten Reisende in elektronisch betriebenen Fahrzeugen entspannen.
Denn anders als bei Autos mit Verbrenner-Motoren wird die Klimaanlage bei E-Fahrzeugen nicht vom Motor betrieben sondern direkt über die Hochvolt-Batterie. Das heißt, damit es im Auto kühl bleibt, muss der Motor gar nicht laufen, so der ADAC.
Ein klarer Effizienzvorteil also für den Stromer.
Dass nicht alles immer möglichst effizient sein muss, sondern vor allem entspannt, da sind sich die meisten E-Autofahrerinnen und E-Autofahrer an der A8 einig. Vor allem jetzt zur Ferienzeit. Auf die halbe Stunde mehr oder weniger komme es nicht an, sagt Katharina Reiff aus Augsburg und erklärt: "Meiner hat eine Reichweite von über 400 Kilometern. Da braucht man dann eh eine Pause". Und die ein oder andere Raststätte sei sogar schön genug, sodass sich ein kleiner Spaziergang mit einem Kaffee lohne.