Entenmutter klopfte eines Abends an den Rollladen

Zuhause gesucht: Enten hatten sich bei Energie-Firma in Durmersheim eingenistet

Seit Mitte Juni lebt eine Entenfamilie auf dem Gelände einer Firma in Durmersheim. Jetzt sucht das Unternehmen ein neues Zuhause für die Tiere.

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Von Autor/in Hannah Radgen

Es war wohl für alle eine Überraschung: Das Unternehmen aus Durmersheim im Landkreis Rastatt verkauft seit Juni nicht nur Heizöl oder Holzpellets, sondern kümmert sich auch um eine neunköpfige Entenfamilie. Die kleinen Enten halten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ordentlich auf Trab.

Nebenjob im Job: Enten brauchen viel Zeit

Es quakt mehrstimmig aus dem Gebüsch, als Firmenchefin Sina Möhrle mit einem Teller mit kleingeschnittenen Wassermelonenstücken und Blaubeeren in den kleinen Garten der Firma kommt. Neben getrockneten Mehlwürmern sei das die Leibspeise der acht Entenkinder. Seit Mitte Juni lebt die Entenfamilie auf dem Firmengelände. Der Zeitpunkt passte, denn wegen der hohen Preise auf dem Energiemarkt ist bei der Firma Möhrle gerade nicht viel los. "Geschäftlich war aktuell der beste Zeitpunkt, weil wir uns auch Zeit nehmen konnten", erzählt die Chefin.

Wir haben uns bemüht und haben uns eingelesen. Wir sind keine Entenexperten, aber wir versuchen unser Bestes.

Damit sich die Enten wohlfühlen, helfen alle mit. Die Pflege der Tiere erfordert Zeit. Sina Möhrle erzählt, dass sie, bis alles erledigt ist, zwei bis drei Stunden pro Tag braucht und das auch am Wochenende. Morgens wird alles sauber gemacht und das Wasser im Enten-Pool getauscht. Die Tiere werden gefüttert und am Abend wird sichergestellt, dass alle Enten im "Stall" sind. Denn nachts kann es für die Familie gefährlich werden, wie die Entenmutter schon einmal schmerzlich erfahren musste.

Seit dem 15. Juni lebt eine Entenmutter mit ihren acht Küken bei der Firma Möhrle Energy in Durmersheim im Landkreis Rastatt.
Die Entenmutter und ihre (gar nicht mehr so kleinen) Entenkinder. Die Firma hat den Garten Enten-gerecht umgebaut.

Entenmama klopfte an den Rolladen

Chefin Sina Möhrle erinnert sich noch genau: Sie hatte am Vormittag frei, als ihre Kollegin Sandra Weßbecher anrief. Als sie in die Firma kam, hätte jemand gegen den Rollladen geklopft, erzählte die Kollegin. Dahinter verbarg sich die Entenmutter mit ihren acht winzigen Küken.

"Wir haben überall rumtelefoniert", erinnert sich Möhrle. Aber alle hätten ihnen dazu geraten, die Enten irgendwo auszusetzen. Irgendwann sei klar geworden, dass die Entenmutter wohl bei einem Mann in der Umgebung gelebt habe, der aber verstorben sei. Im letzten Jahr habe die Entenmutter schon einmal Küken gehabt, die aber alle von einem Marder geholt wurden. Besonders mit diesem Wissen wollten sie der Familie ein sicheres Zuhause bieten.

Wenn sie im Becken planschen, das ist einfach schön fürs Herz.

Seit dem 15. Juni lebt eine Entenmutter mit ihren acht Küken bei der Firma Möhrle Energy in Durmersheim im Landkreis Rastatt.
Sina Möhrle und Tanja Geißer beobachten die Entenfamilie.

Entenmutter mit Geheimnissen

Chefin Sina Möhrle kennt nicht die ganze Entenfamilie. Der Vater der Entenkinder ist nicht bekannt. Alimente zahle er jedenfalls nicht, scherzt sie. Nachts verschwinde die Entenmutter manchmal vom Firmengelände. Vielleicht, um den Vater zu treffen, glaubt Möhrle. Sie vermutet auch, dass sich die Entenmutter auf ihren Ausflügen eigene Nahrung sucht. Das Futter, was die Enten von der Firma bekommen, überlässt die Mutter offenbar fast gänzlich ihren Kindern.

Um welche Entenart es sich handelt, wissen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht. Die Mutter könnte eine Stockente sein. Bei den Küken ist es nicht eindeutig. Sie seien aber auf jeden Fall ihre Kinder, ist sich die Chefin sicher. So liebevoll, wie sie sich um sie kümmere.

Seit dem 15. Juni lebt eine Entenmutter mit ihren acht Küken bei der Firma Möhrle Energy in Durmersheim im Landkreis Rastatt.
Die Entenkinder im weißen Federkleid.

Enten können nicht auf Firmengelände bleiben

Die Enten seien so schnell groß geworden, erinnert sich Mitarbeiterin Tanja Geißer: "Nach jedem Wochenende, wenn ich wieder zur Arbeit kam, dachte ich: 'Wow, schon wieder größer'."

Und so wohl sich die Entenfamilie auch bei der Firma Möhrle fühlt, die Zeit zum Umziehen ist bald gekommen. Die Entenkinder sind schon fast ausgewachsen. Außerdem sei der Platz im Firmengarten viel zu klein für neun Enten, erzählt Möhrle. "Wir haben gesagt, wir kümmern uns um sie, aber mit dem Ziel, dass wir ihnen dann ein richtiges Zuhause suchen." Die nahegelegene viel befahrene Straße sei auch nicht gut für die junge Familie.

Für das neue Zuhause der Enten wünschen sich alle Mitarbeitenden das Gleiche: Es soll ihren Schützlingen dort gut gehen, sicher sein, mit viel Platz und einem richtigen Gewässer wie einem Teich oder sogar einem Bachlauf.

Seit dem 15. Juni lebt eine Entenmutter mit ihren acht Küken bei der Firma Möhrle Energy in Durmersheim im Landkreis Rastatt.
Die Entenmutter wacht über ihre Kinder, die im Schlamm schnäbeln.
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Hannah Radgen
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