Botulismus, so heißt die Vergiftung, an der mehrere Schwäne und Enten in Ilvesheim (Rhein-Neckar-Kreis) Mitte Juli erkrankt und gestorben sind. Laut den Anwohnerinnen und Anwohnern wäre das vermeidbar gewesen, hätten die Gemeinde und die zuständigen Behörden rechtzeitig und besser reagiert. Das Thema bewegt die Bürgerinnen und Bürger in Ilvesheim offenbar. Zur Gemeinderatsitzung am Donnerstagabend kamen ungewohnt viele Menschen. Einige von ihnen bekamen nur noch Stehplätze. Am Ende waren allerdings viele enttäuscht vom Verlauf des Abends. Die Aufarbeitung geht ihnen nicht weit genug.
Gemeinde und Behörden räumen Fehleinschätzungen ein
Über anderthalb Stunden versuchte die Gemeindeverwaltung gemeinsam mit dem Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises und dem Naturschutzbund Mannheim aufzuarbeiten, wie es zum Drama im Becken gekommen war. Kurz war die Rede von Fehleinschätzungen seitens eines Ökologen, der den Zustand der Wildtiere dort zuvor geprüft haben soll. Ansonsten lenkten Bürgermeister Thorsten Walther (SPD) und die Gemeinderäte den Fokus immer wieder darauf, wie wichtig es sei, dass sich ein solches Szenario in Zukunft nicht nochmal wiederholt. Wie Maßnahmen dazu konkret aussehen sollen, wurde nicht besprochen.
Anwesende Ilvesheimer sind enttäuscht vom Verlauf der Gemeinderatsitzung
Mit ihren individuellen Anliegen und Fragen seien sie zu kurz gekommen. Das sagten Bürgerinnen und Bürgern dem SWR nach der Sitzung. "Das Wichtige wäre gewesen, das, was geschehen ist, aufzuarbeiten. Mit den Menschen, die seit Wochen und Monaten das Ganze mitanschauen", kritisierte eine Ilvesheimerin. "Ich fühle mich nicht ernst genommen und nicht wahrgenommen in dieser Gemeinde", meinte ein anderer Ilvesheimer und betonte, dass er nicht mehr an solchen Sitzungen teilnehmen werde.
Bei Menschen hätte man von unterlassener Hilfeleistung geredet. Aber es sind halt Tiere.
Todesursache ist wichtig für weitergehende Maßnahmen
Der Gemeinderat hatte erst einen Tag vor der Sitzung beschlossen, das Thema Versickerungsbecken zum Tagesordnungspunkt zu machen. Und zwar nachdem das Landratsamt mitgeteilt hatte, dass das Veterinäruntersuchungsamt den Giftstoff Botulinum in den toten Tieren nachgewiesen hatte. Das Gift wird von namensgleiche Bakterien produziert. Hitze und niedriger Wasserstand waren ideale Bedingungen dafür, dass sie sich übermäßig im Versickerungsbecken vermehrten. Das Gift wirkt auf das Nervensystem. Es führt zu Lähmungen und kann tödlich sein.
In einer Mail an den SWR erklärte die Gemeinde, man sei froh, die Todesursache zu kennen. Nun gehe es darum, die entnommenen Wasserproben gezielt auszuwerten.
Diese Klarheit ist wichtig, um die weiteren Schritte entsprechend planen und umsetzen zu können.
Laut Behörden gehören Krankheitsausbrüche bei Wildtieren dazu
Laut Walther werde die Gemeindeverwaltung gemeinsam mit dem Landratsamt sowie regionalen Naturschutzverbänden und dem lokalen Verein für Vogel- und Naturschutz im August darüber beraten, wie das Risiko für Wasservögel im Versickerungsbecken reduziert werden kann. Für die Untere Naturschutzbehörde besteht laut Landratsamt kein gesetzlicher Auftrag, "Wildtiere in ihrer gewählten natürlichen Umgebung vor besonderen Gefahren oder Erkrankungen zu schützen". Die Behörde argumentiert damit, dass solche Krankheitsausbrüche dazugehören.
Mehrere Kadaver während SWR-Dreharbeiten entdeckt
Mitte Juli war von Anwohnern ein erster toter Schwan entdeckt worden. Als es zu weiteren Vorfällen kam, wurde eine Obduktion in Auftrag gegeben. Zwei sehr stark verweste Kadaver waren während Dreharbeiten des SWR aufgetaucht. Dieser war mit einem Team vor Ort, um über das Schwanensterben zu berichten. Die Kadaver trieben vermutlich schon seit mehreren Wochen im Becken. Unklar ist, warum sie nicht schon früher zur Tierbeseitigung gebracht wurden.
Tod der Wildvögel war laut Anwohner mit Ansage
Insgesamt sind 14 Schwäne und Enten in Ilvesheim an Botulismus und seinen Folgen gestorben. Ein Elternschwan befindet sich derzeit noch zur Behandlung in einer Wildtierauffangstation in Rohrbach in der Pfalz. ZweiJungschwäne konnten sich wieder erholen.
Bereits seit Mai hatten Anwohnerinnern und Anwohner davor gewarnt, dass die Wildvögel im Versickerungsbecken durch die regelmäßige Austrocknung gefährdet sind. Es war das erste Mal, seitdem das Becken 2006 in Betrieb genommen wurde, dass sich eine Schwanenfamilie rund um das biotopähnliche Gewässer angesiedelt hatte. Ein hoher Zaun um das Gelände hat verhindert, dass die Tiere flüchten konnten.