Bei mehreren Unfällen mit Motorrädern sind seit vergangenem Freitag erneut zwei Menschen ums Leben gekommen. Zwei weitere Motorradfahrer wurden schwer verletzt. Unterdessen prüft das Verkehrsministerium Baden-Württemberg weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit. Bürgermeister in der Region denken mittlerweile laut über Fahrverbote nach.
Baden-Badener OB Thomas Jung im SWR-Interview Drei tote Motorradfahrer an B500: "Wir müssen jetzt alle in die Puschen kommen"
Drei tote Motorradfahrer an der Schwarzwaldhochstraße innerhalb weniger Tage. Viele Maßnahmen bringen nicht den gewünschten Erfolg. Baden-Badens OB Jung fordert einen Runden Tisch.
Tödlicher Unfall auf der Schwarzwaldhochstraße
Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Samstagnachmittag auf der B500, der Schwarzwaldhochstraße, bei Baden-Baden. Beim Helbingfelsen, einem Unfallschwerpunkt, geriet ein 58-jähriger Motorradfahrer in einer lang gezogenen Linkskurve auf die Gegenfahrbahn. Laut Polizei aus bislang ungeklärter Ursache.
Dort stieß er mit einem entgegenkommenden Auto zusammen und starb noch an der Unfallstelle. Beide Insassen des Autos blieben Polizeiangaben zufolge unverletzt. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf 25.000 Euro. Die B500 war für mehrere Stunden voll gesperrt. Ein Rettungshubschrauber war im Einsatz.
Auf der B500 kamen Ende August eine 18-jährige Motorradfahrerin und ein 41-jähriger Motorradfahrer bei einem Zusammenstoß ums Leben. Die Polizei kündigte aufgrund der vielen Unfälle dieses Jahr verstärkte Verkehrskontrollen an. Im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg gab es in den ersten acht Monaten dieses Jahres bereits mehr Verkehrstote als im gesamten vergangenen Jahr.
Weiterer Unfall wegen überhöhter Geschwindigkeit
Am Sonntagmittag kam es im Nordschwarzwald zwischen Kaltenbronn und Reichental im Kreis Rastatt zu einem weiteren schweren Unfall mit einem Motorradfahrer. Der 41-Jährige fuhr laut Polizei zu schnell talwärts und kam dabei auf die Gegenfahrbahn. Dort stieß er mit einem Auto frontal zusammen und wurde schwer verletzt.
Er wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Die 71-jährige Fahrerin des Autos wurde bei dem Unfall leicht verletzt. Bei beiden Fahrzeugen entstand ein Totalschaden in Höhe von etwa 24.000 Euro.
Unfälle auch im Kreis Karlsruhe
Bereits am Freitag kam ein 34-jähriger Motorradfahrer bei Walzbachtal im Kreis Karlsruhe ums Leben. Beim Abbiegen übersah ein 65-jähriger Autofahrer den Mann auf seinem Motorrad.
Einen weiteren Unfall gab es am Sonntagnachmittag zwischen Karlsbad-Langensteinbach und Ittersbach im Kreis Karlsruhe. An einer Kreuzung übersah eine Autofahrerin einen Motorradfahrer und stieß mit ihm zusammen. Er wurde laut Polizei dabei von seinem Motorrad geschleudert und schwer verletzt.
Motorradunfälle: Ministerium prüft weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit
Angesichts der hohen Zahl von schweren Motorradunfällen prüft das Verkehrsministerium Baden-Württemberg weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit. So könne eine neue Form von Fahrbahnmarkierung zum Einsatz kommen, die bereits in Nordrhein-Westfalen erprobt werde, teilte ein Sprecher des Ministeriums dem SWR mit. Dabei soll in Kurven die Ideallinie für Motorradfahrer deutlicher angezeigt werden. Derzeit laufe die Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium.
Bei der Frage nach einem zeitlich und räumlich begrenzten Fahrverbot ist das Ministerium zurückhaltend und verweist auf die rechtliche Abwägung.
Die Einführung eines Motorradfahrverbots stellt einen erheblichen Eingriff in den fließenden Verkehr dar und kommt deshalb nur unter engen rechtlichen Voraussetzungen in Betracht.
Wenn nach der rechtlichen Abwägung andere Maßnahmen nicht ausreichten, um die Gefahrenlage zu beherrschen, könne die örtliche Verkehrsbehörde ein Fahrverbot für Motorräder erlassen, so der Ministeriumssprecher weiter.
Bürgermeister fordern Konsequenzen, auch Fahrverbote
Der Oberbürgermeister von Baden-Baden, Thomas Jung (parteilos), hatte angesichts der Unfallzahlen zuletzt Konsequenzen gefordert. Er und andere Bürgermeister in der Region halten als letztes Mittel ein Fahrverbot für denkbar.
Die Bürgermeisterin von Sasbachwalden (Ortenaukreis), Sonja Schuchter (CDU), sieht angesichts der schweren und tödlichen Unfälle eine Grenze überschritten. Angesichts der Unfallträchtigkeit der B500 forderte sie im Gespräch mit dem SWR ein temporäres Fahrverbot für Motorradfahrer.