Erster Nachwuchs nach über 200 Jahren in freier Wildbahn

Luchs-Baby in Baden-Württemberg geboren: Geschlecht steht fest

Seit zweieinhalb Jahren werden in BW Luchse ausgewildert. Jetzt wurde nach über 200 Jahren der erste Nachwuchs geboren. Nun ist das Geschlecht des kleinen Luchses bekannt.

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Von Autor/in Heiner Kunold

In Baden-Württemberg hat sich zum ersten Mal seit über 200 Jahren Nachwuchs bei wildlebenden Luchsen eingestellt. Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) haben im Schwarzwald ein Jungtier in seiner Wurfhöhle gefunden.

Ein Luchs-Baby, das im Schwarzwald geboren wurde. Es ist der erste Nachwuchs in freier Wildbahn in BW nach über 200 Jahren.
Ein Luchs-Baby, das im Schwarzwald geboren wurde. Es ist der erste Nachwuchs in freier Wildbahn in BW nach über 200 Jahren. FVA / Seeger / Wittemann

Luchs-Baby im Schwarzwald ist weiblich

Es ist eine kleine Sensation für das Luchsprojekt des Landes Baden-Württembergs. Die selbst gerade erst zwei Jahre alte Luchsin Elisabeth hat in einer Wurfhöhle einen jungen Luchs zur Welt gebracht. Laut Jens Seeger von der FVA in Freiburg handelt es sich bei dem Luchs-Baby um ein weibliches Tier. Es sei etwa drei bis vier Wochen alt.

Das Alter sei ein guter Zeitpunkt gewesen, das Tier zu untersuchen und Genproben zu nehmen, so Seeger gegenüber dem SWR. Ab einem Alter von etwa sechs Wochen könnten die Tiere schon zu wild werden. Das Tier bleibe bis zur nächsten Ranzzeit bei der Mutter. Danach müsse es sich ein neues Revier suchen. Die Luchs-Dame Elisabeth wurde erst im Herbst 2025 im Nordschwarzwald ausgewildert.

Wer der Vater des jungen Luchses sein könnte, ist noch nicht bekannt, soll aber durch genetische Proben ermittelt werden. Laut FVA kommen mehrere männliche Luchse, sogenannte Luchskuder, dafür infrage. Dazu gehören der ebenfalls ausgewilderte Luchs Reinhold und der dienstälteste Luchs im Nordschwarzwald namens Toni, der vor Jahren schon aus dem Schweizer Jura eingewandert war.

Schon bald mehr Luchsnachwuchs in BW?

Möglicherweise wird sich der Kindersegen bei den Luchsen im Nordschwarzwald sogar noch weiter fortsetzen, weil die ausgewilderten Luchse Verena und Reinhold ebenfalls gemeinsam auf einem Fotofallenbild festgehalten worden waren. In diesem Fall gibt es aber außer dem Bild der Wildtierkamera keine weiteren gesicherten Erkenntnisse. Weil Luchse normalerweise Einzelgänger sind, kommt dem Bild besondere Bedeutung zu. Ob Verena allerdings ebenfalls Nachwuchs zur Welt gebracht hat, ist bislang auch den Experten nicht bekannt.

Die Luchsin soll nach Angaben der FVA auch nicht gesucht und gestört werden. Das liege daran, dass der Zeitpunkt einer möglichen Niederkunft nicht bekannt sei. Die Tiere sollten in einem frühen Stadium auf keinen Fall gestört werden, hieß es bei der FVA.

Insgesamt fünf Luchse sind in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Nordschwarzwald im Rahmen des Wiederansiedlungsprojekts des Landes ausgewildert worden. Sechs weitere Tiere sind aus eigenem Antrieb in die Region eingewandert. Experten hatten schon im vergangenen Sommer auf Nachwuchs gehofft. Dieses Jahr scheint es mindestens ein Mal geklappt zu haben.

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Wer ist der Vater des neuen Luchs-Babys?

Die Frage, wer der Vater des jungen Luchses sein könnte, ist auch für die Experten der FVA spannend. Denn nach den telemetrischen Daten hatte die Luchskatze Elisabeth gleich mit mehreren Kuder Kontakt. Allerdings nie über längere Zeit, weshalb auch die Wissenschaftler der FVA vom Nachwuchs überrascht wurden.

Ihre Höhle konnte anhand von Telemetriedaten geortet werden. Dorthin hatte sich das weibliche Tier offenbar für mehrere Wochen zurückgezogen. Deshalb konnte der Luchsnachwuchs überhaupt entdeckt werden. Der Babyluchs wurde untersucht. Er ist nach Angaben der FVA gesund und munter.

NABU: Entwicklung bleibt verletztlich

Auch für den Landesverband vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist der Luchsnachwuchs "ein besonderer Moment für den Artenschutz in Baden-Württemberg". "Er zeigt, dass die Wiederansiedlung Wirkung entfaltet und sich der Luchs im Schwarzwald wieder erfolgreich fortpflanzen kann", heißt es in einer Mitteilung.

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Es erinnere aber auch daran, dass diese Entwicklung verletzlich bleibe, solange die Lebensräume nicht ausreichend vernetzt seien. "Gerade der Straßenverkehr bleibt eine der größten Gefahren für Wildtiere", so der NABU. Deshalb müsse der Generalwildwegeplan konsequent umgesetzt und an kritischen Stellen durch Grünbrücken und weitere Querungshilfen ergänzt werden.

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