Der Luchs kehrt zurück nach Baden-Württemberg. Dafür hat das Land gemeinsam mit der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA), mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) und mit dem Zoo Karlsruhe eine mehrjährige Auswilderungsaktion gestartet. Ganz vorne mit dabei ist der Karlsruher Zoo-Tierarzt Marco Roller. Als einer der beiden Veterinärmediziner im Karlsruher Tierpark betreut er alle Luchse, die im Schwarzwald in die Freiheit entlassen werden.
Zwei junge Luchse aus Karlsruhe sollen ausgewildert werden
Marco Roller ist ein viel gefragter Mann in diesen Tagen. Presse, Funk, Fernsehen – alle wollen mit ihm sprechen. Über Eisbären, Luchse und manchmal sogar über Einhörner, lächelt der junge Mann verschmitzt. Aber die gibt es bislang noch nicht im Karlsruher Zoo, versichert er.
Dafür aber vier wilde Luchse: Die Elterntiere Viorel und Eva haben dem Zoo mit ihrem Nachwuchs viel Freude beschert. Sie sorgten unlängst für den ersten Nachwuchs und sind seitdem vollauf mit ihren beiden Söhnen Max und Moritz beschäftigt. Zwei junge Luchskuder, von denen in Zukunft einiges erwartet wird – Kuder, so werden die männlichen Wildkatzen bezeichnet.
Marco Roller begleitet Luchse auf dem Weg in die Wildnis
Denn Eva und Viorel sind zwar zwei Luchse, die in Gefangenschaft leben und die vielleicht in der Wildnis auch nicht mehr allein zurechtkämen. Sie wurden aber nicht zufällig, sondern mit Absicht zusammengebracht. Aus genetischen Gründen hat das europaweit agierende Netzwerk "Linking Lnyx" eine Verpaarung der beiden Tiere empfohlen. Ihr Nachwuchs, also Max und Moritz, soll vielleicht schon in diesem Jahr irgendwo in Europa in die Freiheit entlassen werden. Und dann selbst für Nachwuchs sorgen – und hier kommt wieder Tierarzt Marco Roller ins Spiel.
Denn seine Aufgabe ist es, die Tiere auf ihrem Weg in die Wildnis zu begleiten. Er beobachtet ihre Entwicklung und betreut sie medizinisch. Und Marco Roller ist einer der Experten, die entscheiden, ob die jungen Luchse letztlich für eine Auswilderung geeignet sind oder nicht.
Diese zwei jungen Kuder haben inzwischen schon eine ganz stattliche Größe. Sie sind nicht mehr viel kleiner als das Muttertier. Und wir hoffen natürlich sehr, dass die beiden in unserem Koordinationsgehege auf die Auswilderung vorbereitet werden können.
Das Luchsauswilderungsgehege soll im März fertig werden
Und das ist das nächste große Projekt, das Zootierarzt Marco Roller betreut: das sogenannte "Koordinationsgehege". Etwas weniger wissenschaftlich könnte man es auch einfach Auswilderungsgehege nennen. Dort sollen Luchse auf die Freiheit vorbereitet werden. Es entsteht gerade im Karlsruher Oberwald, direkt hinter dem Tierpark und es soll demnächst bereits bezugsfertig sein. Max und Moritz könnten also vielleicht im März schon in den Oberwald umziehen.
Eigentlich völlig logisch, dass Marco Roller für das Karlsruher Luchsgehege die Verantwortung übernehmen soll. Er wird also für Organisation, Planung und Konzeption verantwortlich sein – eine wichtige Aufgabe, denn in Karlsruhe werden künftige junge Luchse aus ganz Europa erwartet und von hier aus dann weiter verteilt.
Ein halber Hektar versteckt im Wald
Dafür stehen rund 5.000 Quadratmeter wilder Wald hinter hohen Zäunen zur Verfügung. Rund 350.000 Euro investieren der Zoo gemeinsam mit dem WWF und der Artenschutzstiftung in das Projekt. Hier werden die jungen Luchse möglichst abgeschirmt von allen Einflüssen der Zivilisation für ein paar Monate leben. Sie werden Charaktertests unterzogen und auf ihre Eignung für ein wildes Luchsleben überprüft. Karlsruhe ist übrigens die erste und einzige Koordinationsanlage für Luchse in Süddeutschland.
Wir hoffen natürlich, damit nicht nur zum Projekt in Baden-Württemberg, sondern auch zu allen anderen Wiederansiedlungsprojekten in Deutschland und Europa beitragen zu können.
Die Luchse sind dem Tierarzt ans Herz gewachsen
Was den jungen Tierarzt bei seiner Arbeit besonders umtreibt: Moderne Zoos wollten Luchse nicht nur um der Erhaltung der Art Willen züchten, sagt Marco Roller. Das Ziel sei vielmehr, den Tieren eine Perspektive zu bieten. Dafür seien Zoos heute wichtig.
Und dann hat Marco Roller noch ganz persönliche Gründe: Er mag Luchse, sie sind ihm ans Herz gewachsen, berichtet der Veterinärmediziner. Egal ob Finja, Verena oder Reinhold, er hat sie alle schon mit seinem Blasrohr betäubt und dann sozusagen "im Arm gehalten". Finja, die inzwischen verstorbene Luchskatze, die als erste im Schwarzwald ausgewildert wurde, ist im vergangenen Jahr an der Viruserkrankung Staupe gestorben. Trotzdem erinnert sich Marco Roller genau an die Luchsdame:
Finja war ein ganz besonderer Luchs – auch für mich. Ich habe sie vor drei Jahren aus Thüringen in den Schwarzwald gebracht und dort mit ausgewildert. Das war ein ehrfürchtiger Moment für mich, den ich nie in meinem Leben vergessen werde.