Mathias Misch ist Realschullehrer in Waghäusel (Kreis Karlsruhe) und hat ein besonderes Hobby: Er fotografiert Senioren und Seniorinnen im Stil des Malers Rembrandt. Ein ereignisreiches Leben wird dadurch würdevoll abgebildet. In prachtvollem Gewand und einem Gegenstand in der Hand, der symbolisch für eine bewegte Lebensgeschichte steht. Viele junge Menschen würden in Senioren nur noch alte Menschen sehen. Mit seinen Porträts möchte er zeigen, was für ein buntes und vielfältiges Leben sie hatten.
Mit diesem Projekt möchte ich die Erinnerung wachhalten.
Ein Hobbyfotograf mit einer besonderen Idee
Angefangen hat alles mit einem Kalender, sagt Hobbyfotograf Mathias Misch. Dafür habe er auch schon Senioren fotografiert und war von deren bewegter Lebensgeschichte fasziniert. Parallel wuchs sein Interesse an den Porträts des Malers Rembrandt. Schnell kam ihm die Idee, beides miteinander zu verbinden, denn: "Ich hatte das Gefühl, dass viele ältere Menschen nicht so wahrgenommen werden, wie sie es verdient hätten. Und ich glaube, mit dieser Rembrandt-Idee, habe ich einen Weg gefunden, sie würdevoll zu präsentieren."
Sozialstation Philippsburg: Senioren als Rembrandt-Models
Anlässlich des 50. Jubiläums der Sozialstation Untere Hardt e.V. war Mathias Misch auch in Philippsburg (Kreis Karlsruhe) als Fotograf im Einsatz. Wichtig ist es ihm, einen persönlichen Kontakt zu den Seniorinnen und Senioren herzustellen. Vor dem Fotoshooting möchte er möglichst viel über deren Leben erfahren. Denn jedes Rembrandt-Model soll einen Gegenstand in der Hand halten, der im Leben eine besondere Rolle gespielt hat.
"Ich war doch Sportlehrer! Habe auch noch ein Trikot zuhause und einen Fußball mit KSC-Unterschriften!" – freut sich Rudolf Odenwald. Der 87-Jährige ist zu Fuß zur Sozialstation gelaufen und erzählt mit glühenden Augen von seiner Lehrerkarriere und der Leidenschaft im Sport. Beim Foto-Shooting präsentiert er stolz den KSC-Fußball mit allen Unterschriften aus dem Jahr 1989.
So entstehen die Rembrandt-Porträts
Mathias Misch inszeniert die Seniorinnen und Senioren im Stile Rembrandts. Drei seiner Schülerinnen helfen ihm dabei und kleiden die Models in passende Gewänder. Alles muss sitzen und vor allem das Licht soll stimmen. Der Fotograf erklärt: "Rembrandt hat bei seiner Malerei auf eine bestimmte Lichtsetzung geachtet. Unter einem Auge sollte sich immer eine Art Lichtdreieck befinden. Und in der Fotografie nennt man das Rembrandtlicht."
Aufrecht sitzen und nicht lachen, bitte. Denken Sie dran: Damals haben Sie viel Geld für dieses Porträt bezahlt. Ganz würdevoll und erhaben. Sie sind ein Adeliger. Dieses Bild wird ewig bei Ihnen im Schloss hängen!
Rembrandt-Porträt: Jeder Gegenstand erzählt eine Lebensgeschichte
Auch Lola Kruse wird im Stile Rembrandts fotografiert. Seit Jahrzehnten wird sie "Lila Lola" genannt. Außerdem malt sie leidenschaftlich gerne – am liebsten Bären. Ihre wichtigen Gegenstände sind schnell gefunden: Lila Gehstock und lila Bär. Als Mathias Misch ihr die fertigen Fotos zeigt, erkennt sie sich selbst kaum wieder und strahlt. Das Lächeln und die Freude der Senioren, so der Fotograf, seien der Grund für das Projekt. Wertschätzung und Erinnerung möchte er mit seinen Porträts ausdrücken – in diesem Moment gelingt ihm das perfekt.