Das Rascheln von Laub ist zu hören, ab und an ein Kichern, ansonsten ist konzentriertes Arbeiten angesagt. Die 15 Freiwilligen sind im Wald rund um das Kloster unterwegs. Sie sind in der Zeit seit dem 4. August, als das Projekt startete, zu einem Team zusammengewachsen. Die Ehrenamtlichen kommen etwa aus Italien, Estland, Finnland, China und der Ukraine. Bei dem Workcamp geht es nicht nur darum, das UNESCO-Welterbe Kloster Maulbronn zu schützen, sondern auch den internationalen Austausch zu fördern.
Das Grabensystem des Klosters Maulbronn erhalten
Die jungen Erwachsenen kümmern sich um die bekannten Gräben des Klosters Maulbronn. Rund um die Anlage gab es vor mehr als 800 Jahren ein System aus 110 Kilometern Gräben. Durch sie wurde Wasser zum Kloster transportiert, wo es ein ausgeklügeltes Teichsystem gab. Es galt auch, eine Mühle anzutreiben.
Ramazan Celik aus der Türkei hat eine große Hacke in der Hand, womit er das Laub aus dem Graben entfernt. Er ist historisch sehr interessiert. "Es hat mich beeindruckt, dass das Kloster schon so alt ist. Deshalb bin ich darauf aufmerksam geworden", sagt der 22-Jährige. Das Projekt findet er super:
Das Projekt hat meine Erwartungen übertroffen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es so gut werden würde.
Mehr als nur ackern: Gemeinsame internationale Kochabende
Muskelkater ist bei diesen Aktivitäten vorprogrammiert. "Die Arbeit ist physisch sehr anstrengend", sagt Ramazan Celik. Doch am Ende des Tages steht auch der Austausch mit seinen internationalen Kollegen im Vordergrund. Abends wird zusammen gekocht, jeden Abend ist eine andere Nationalität dran. Ramazan Celik fühlt sich wohl: "Unsere Unterkunft ist super, es gefällt mir gut. Ich habe Freunde gefunden, das macht viel Spaß."
UNESCO-Welterbe schützen: eine fortlaufende Arbeit
Förster Ulrich Klotz kennt das Gebiet ums Kloster herum wie seine Westentasche, schon seit 25 Jahren. Er hat das Projekt, das es nun zum dritten Mal gibt, initiiert: "Diese Gräben hier sind etwas Besonderes und müssen gepflegt werden. Das war klar. Doch es ist nicht leicht, dafür Personal zu finden. So kam dann die Idee mit den Freiwilligen auf."
Die Wissensvermittlung über ein solches Grabensystem ist eine wichtige Aufgabe als UNESCO-Kulturerbe und der wollen wir auch nachgehen. Das ist ein fortlaufender Prozess.
Ulrich Klotz mag die Arbeit mit den jungen Erwachsenen aus aller Welt sehr. "Sie glauben ja gar nicht, wie interessant das ist", sagt er strahlend. "Hier werden mehrere Sprachen in einem Satz gesprochen und alle helfen sich gegenseitig, wenn mal ein Wort fehlt."
UNESCO hat auch Völkerverständigung zum Ziel
Ulrike Laible ist Referentin für Welterbe beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Das Projekt sei eines, das sie sehr unterstütze, sagt sie. "Ich finde es großartig, weil es junge Menschen ans Welterbe heranführt und gleichzeitig dürfen sie sich kennenlernen."
Das hat die UNESCO auch im Hintergrund zum Ziel: junge Menschen für unser Kulturerbe motivieren. Und das ist in der Tat ein Vorzeigeprojekt dafür.
Der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun
Zurück zu den Freiwilligen. Damaris Lobet und Léa Duchesne kommen aus Frankreich und sind beide mit Feuereifer dabei. Damaris Lobet ist 18 Jahre alt, hat gerade Abitur gemacht und bevor sie mit der Vorbereitung auf die Uni startet, hat sie sich für das Freiwilligen-Projekt gemeldet.
Ich wollte mitmachen bei etwas, das größer ist, etwas, das Bedeutung in Europa hat. Ich wollte etwas Sinnvolles tun.
Léa Duchesne kommt aus Lyon. Arbeiten im Wald ist für sie das krasse Gegenteil zu ihrem sonstigen Stadtalltag. "Es fühlt sich richtig an, das hier zu machen", sagt sie.