Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal (Landkreis Karlsruhe) hat tierischen Besuch: Zehn Sprengstoffspürhunde des privaten Unternehmens SK-9 sind mit ihren Besitzerinnen und Besitzern aus der Schweiz angereist, um auf dem Gelände zu trainieren. Das Fraunhofer-Institut ist europaweit eine der wenigen Einrichtungen, die selbst Sprengstoffe herstellen und mit ihnen in großen Mengen arbeiten dürfen. Vor Ort gibt es auch die entsprechende Infrastruktur, um sensibel und hochexplosive Sprengstoffe sicher zu lagern.
Welche Rasse eignet sich als Sprengstoffspürhund?
Unter den Spürhunden ist eine Bandbreite von Rassen vertreten: von verschiedenen Schäferhund-Arten bis hin zu einem Pudel. Besonders würden sich Jagdhunde, Retriever und andere arbeitsfreudige Rassen eignen, erzählt Ausbilderin Claudia Arnold. "Heißt aber nicht, dass man mit einem Mischling oder mit einer Kreuzung das nicht machen kann."
Eine Rolle spiele aber auch die Größe der Spürnasen. Denn je größer das Riechorgan sei, desto mehr Riechrezeptoren habe sie, erklärt der Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens Rudolf Muggli. "Ein Mops, der eine verdrückte Nase hat, eignet sich weniger." Vor allem sollten aber sowohl der Hund als auch der Mensch laut Arnold offen sein, Neues zu lernen. Denn die Sprache der Hunde richtig zu meistern, sei genauso, wie sich Englisch, Französisch oder Italienisch beizubringen.
Das Training auf dem Areal des Fraunhofer-Instituts
Die Sprengstoff-Suchteams sind überall dort im Einsatz, wo Spürhunde gebraucht werden: bei Großveranstaltungen wie dem ESC in Basel oder Konzerten von Stars wie Madonna, Celine Dion und Taylor Swift. Die meisten der Mensch-Hund-Teams haben im vergangenen Jahr bei SK-9 die entsprechende Ausbildung erfolgreich absolviert. Jetzt sollen sie trainieren, auch große Mengen Sprengstoff zu erschnüffeln.
Eine Hundennase zu verarschen, ist schwierig. (...) Wenn zum Beispiel jemand ein Attentat verüben möchte, ist er meistens nicht fähig, das so zu verpacken, dass nichts irgendwie außen kontaminiert ist.
Auf dem Areal des Fraunhofer-Instituts sind verschiedene Stationen mit Sprengstoffproben aufgebaut. Jedes Team hat seine eigene Art, an die Suche heranzugehen. Die meisten laufen gezielt den entsprechenden Bereich ab. Labrador Retriever Sky wird hingegen von seiner Besitzerin Roby von der Leine gelassen und zischt wie ein Wirbelwind los. Wird Sprengstoff gefunden, verhalten sich die Hunde meist gleich: Sie bleiben starr stehen und zeigen mit ihrer Schnauze auf den entsprechenden Bereich.
Es ist nur ein ruhiges und subtiles Zeichen. Ungeübte Menschen könnten es vielleicht missverstehen oder übersehen. Es sei wichtig, seinen Hund gut zu kennen und richtig lesen zu können, sagt Claudia Arnold. "Darum geben wir denen immer nach Hause mit: 'Geht nicht einfach spazieren. Macht doch was. Nehmt doch was mit. Versteckt etwas'", erklärt die Ausbilderin. "Das ist genau das, was wir nachher in der Suche auch brauchen."
Warum kommt ein Schweizer Unternehmen nach Pfinztal?
Das Unternehmen SK-9 hat laut dem Geschäftsführer eigentlich die Bewilligung, in der Schweiz militärischen Sprengstoff besitzen zu dürfen. In so großen Mengen wie beispielsweise die Sprengstoffe TATP (Triacetontriperoxid) und HMTD (Hexamethylentriperoxiddiamin) für das Training gebraucht werde, würde der Geschäftsführer ihn nicht lagern wollen. "Der ist wirklich extrem gefährlich", sagt der Schweizer. Die beiden Sprengstoffe können schon bei leichten Erschütterungen oder Schlägen explodieren.
Im Fraunhofer-Institut gibt es hingegen die entsprechende Infrastruktur. Deswegen kämen nach Angaben der Mitarbeiter sogar aus ganz Europa Sprengstoffspürhunde hierher, um zu trainieren. Nicht nur private Unternehmen wie SK-9, sondern auch Behörden und die Bundeswehr würden mit dem Fraunhofer-Institut zusammenarbeiten und sich von den Mitarbeitern beraten lassen.
Die Forschung in diesem Bereich hat nach Angaben der Mitarbeiter nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 angefangen. Danach sei die Sicherheitsforschung stärker gefördert worden. Das Fraunhofer "Explosives Detection Dog Center" gebe es seit etwa zehn Jahren. Seitdem sei das Geschäftsfeld durch verschiedene Terroranschläge größer geworden. Gerade innerhalb der letzten zwei Jahre sei der Bedarf gestiegen. Dazu habe auch der Angriffskrieg in der Ukraine beigetragen.