Seit Jahren sind Hunderte Tauben in einem Parkhaus in Gaggenau (Landkreis Rastatt) ein Ärgernis. Im Parkhaus des Murgtal-Centers ist Kot auf dem Boden, auch Autos sind voll davon. Ein unangenehmer Geruch hängt in der Luft. Kundinnen und Kunden sind verärgert.
Geplantes Taubenhaus in Gaggenau steht noch immer nicht
Die Vögel sind überall. Eigentlich sollte ein Taubenhaus das Problem zumindest verringern. Die Hoffnung ist, damit die Population kontrollieren zu können. Ob und wann es kommt, ist unklar. Im Herbst 2024 gab es dazu einen Runden Tisch. Da hatte man sich auf die Errichtung eines Taubenhauses auf dem obersten Parkdeck geeinigt. Dann wechselte der Betreiber des Parkhauses, ein Taubenhaus steht bisher noch immer nicht.
Gaggenau: Rund 500 Tauben und 100 Nester in Parkhaus
Im Parkhaus gebe es etwa 500 Tiere, erzählt Nicole Matt. Sie ist Taubenbeauftragte des NABU im Landkreis Rastatt und Mitglied der Taubenhilfe Gaggenau - eine Bürgerinitiative, die seit rund zwei Jahren gegen das Taubenproblem angeht. Die Tauben nutzen laut Matt vorrangig das Parkhaus als Brutstätte. Es gebe etwa 100 bewohnte Nester.
Die brüten überall im Parkhaus. Auch in der Decke, an Kabelleitungen, auf dem Boden. Überall, wo sie Platz finden.
Es gibt Autofahrerinnen und Autofahrer, die das Parkhaus meiden. Sie parken dort nach Möglichkeit nicht mehr.
Ich versuche immer, außerhalb einen Parkplatz zu finden.
Vermehrung der Tauben soll kontrolliert werden
Der Plan war: Die Tiere, die standorttreu sind, sollen in das eigentlich geplante Taubenhaus übersiedeln. So sollte die Vermehrung der Tiere kontrolliert werden, indem gelegte Eier durch Attrappen ersetzt werden. Ein weiteres Argument: Der Taubenkot falle dann hauptsächlich im Taubenschlag an.
Eigentlich schien alles in trockenen Tüchern. Aber jetzt ist laut Taubenhilfe Gaggenau unklar, ob es ein Taubenhaus geben wird. Der neue Betreiber des Parkhauses sei nicht bereit, die Kosten alleine zu tragen. Nötig sei eine gemeinsame Lösung, der Betreiber sei auch nicht alleine verantwortlich, so Nicole Matt.
Stadt Gaggenau hofft weiter auf Lösung
Die Stadt Gaggenau betont: Das Angebot, sich an den laufenden Kosten zu beteiligen, stehe. Aber bisher gebe es vom Betreiber keine Reaktion, was umgesetzt werden solle, sagt Oberbürgermeister Michael Pfeiffer (parteilos). Die Genehmigung für das Taubenhaus sei im vergangenen Jahr erteilt worden. Aber die Stadt könne den Betreiber nicht zwingen. Der OB geht nach wie vor davon aus, dass es eine Chance gibt. Auf SWR-Anfrage hat sich der Betreiber bisher nicht geäußert.
Eier der Tauben werden bereits getauscht
Die Mitglieder der Taubenhilfe Gaggenau tauschen wöchentlich Eier in den Taubennestern gegen Attrappen aus Kunststoff.
Wir tauschen etwa 1.000 Eier im Jahr. Und das machen wir jetzt schon seit eineinhalb Jahren.
Um die Tiere an den geplanten Taubenhaus-Standort auf dem obersten Parkdeck zu locken, werden sie dort von den Ehrenamtlichen schon seit Langem gefüttert. Eben dort, wo das Taubenhaus eigentlich hin sollte. Das Futter zahlt die Initiative aus eigener Tasche. Wenn man die Tauben nicht füttert, würden sie wieder auf Futtersuche in die Stadt drängen, sagt Matt.
Taubenproblem: Stadt Gaggenau plant weiteren Runden Tisch
Oberbürgermeister Pfeiffer sieht als einzige Möglichkeit, noch einmal zu einem Runden Tisch einzuladen. Da soll noch einmal mit allen Beteiligten gesprochen werden. Und dann müsse man schauen, wie die Bereitschaft sei, etwas zu tun. Nötig sei eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen.