Ein Neubaugebiet in Balingen-Weilstetten (Zollernalbkreis): Bis zu 23 Stadttauben treiben sich täglich hier auf mehreren Dächern herum, kreisen über die Gärten und spazieren über die Balkongeländer. Die Tauben haben vor allem die Solaranlagen für sich entdeckt. Unter den Modulen können sie trocken und warm brüten - geschützt vor Wind, Wetter und möglichen Raubtieren.
Kot-Flecken und nervige Geräusche rund um die Uhr
Für die Anwohnerinnen und Anwohner ist das alles andere als idyllisch: Die Tauben gurren nahezu den ganzen Tag. Anwohner Marc Liebhardt erzählt, dass sie von 4 Uhr morgens bis nachts um 24 Uhr "Krach machen". Dächer, Hauswände, Balkone und Terrassen seien regelmäßig verschmutzt. Frisch gestrichene und gereinigte Flächen sind oft nach kurzer Zeit wieder verunreinigt. Gartenmöbel werden aus Angst vor neuen Kot-Flecken das ganze Jahr über mit Schutzhüllen abgedeckt.
Die Tauben verkoten den Gartentisch und alles, was drauf ist.
Trotz Spikes, Netzen und Sprinkleranlage: Tauben bleiben
Die Anwohner der Straßen "Auf Binken" und "Heinrich-Hertz-Straße" haben bereits zu einer ganzen Palette an Aktionen gegen die Tauben gegriffen: Bürsten, Spikes, Netze und Sprinkleranlage sollen die Vögel fernhalten. Aber all die Versuche laufen ins Leere. Die Tauben finden immer wieder einen Unterschlupf.
Michael Rani zückt seine überdimensionale Wasserpistole, um die Tiere zu verscheuchen. Doch das zeigt kaum Wirkung. Stadttauben sind ortstreu und haben wenig Scheu vor Menschen. Kaum verjagt, kommen sie nach kurzer Zeit wieder an ihre Plätze zurück.
Stadttauben-Expertin: "Taubenhaus ist die einzig nachhaltige Lösung"
Laut Antje Konz, Stadttauben-Expertin aus Bisingen (Zollernalbkreis), handelt es sich bei Stadttauben nicht um Wildtiere, sondern um ausgesetzte oder entflohene Haustiere. Viele sind Brieftauben, die nach Wettflügen oder Hochzeitsauflässen nicht wieder zu ihrem Schlag zurückgefunden und sich neue Brutplätze gesucht haben. Oder es handelt sich um deren Nachkommen.
Um das Problem zu lösen, richten viele Kommunen betreute Taubenhäuser ein. Das ist die einzig nachhaltige Lösung.
Anwohner aus Balingen fühlen sich im Stich gelassen
Michael Rani und seine Nachbarn sind nicht nur genervt vom Taubenproblem. Sie fühlen sich hilflos. Rund 50 betroffene Anwohnerinnen und Anwohner haben die Stadt im vergangenen Jahr mehrfach um Hilfe gebeten und schließlich sogar eine Beschwerde eingereicht. Doch bislang haben sie keine Antwort erhalten. Sie fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.
Auf Anfrage des SWR teilte Balingens Bürgermeister Ermilio Verrengia (Freie Wähler) schriftlich mit, dass die Stadtverwaltung voraussichtlich Ende September mit den Bewohnern Kontakt aufnehmen werde.
Gemeinsam mit dem Taubenverein planen wir derzeit, einen Taubenschlag im Industriegebiet 'Gehrn' zu errichten. Weitere Standorte für zusätzliche Taubenschläge sind aktuell in Prüfung.
Anwohner Michael Rani hofft, dass sich bald eine gute Lösung findet - sowohl für ihn und seine Nachbarn als auch für die Tauben. Am liebsten wäre ihnen ein Taubenhaus in unmittelbarer Nähe.