In einer Bibliothek gibt es vor allem eines: Bücher. Ein Speer, eine Pistole oder ein pinker Ballettrock sind überraschend. Aber genau solche Dinge befinden sich hinter verschlossenen Türen in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Was genau - das ist jetzt Thema der neuen Ausstellung "Sesam, öffne dich! Kabinett der verborgenen Dinge“. Vom 15. Juli bis zum 17. Oktober zeigt die Badische Landesbibliothek Stücke, die man sonst nicht so einfach zu Gesicht bekommt.
Die Ausstellung heißt aus gutem Grund "Sesam, öffne dich!". Damit hat Ali Baba im Märchen die Schatzhöhle der 40 Räuber geöffnet. Und jetzt gibt die Badische Landesbibliothek damit den Blick frei auf Kurioses, meist Verschlossenes und Unvermutetes aus ihren Sammlungen.
"Viel Spaß" bei Vorbereitung der Ausstellung
Die Idee dazu hatten Annika Stello und Katrin Hesse von der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Sich durch die kuriosen Dinge zu wühlen, habe Spaß gemacht, erzählt Hesse. Als sie in der Badischen Landesbibliothek angefangen habe, sei ihr der Tresor gezeigt worden und was sich darin so alles befinde. "Da war ich dann sehr fasziniert, weil ich damit nicht gerechnet habe. Daraus ist dann diese Idee entstanden, dass wir gesagt haben: Das möchten wir mal zeigen. Und zwar allen."
Wir haben viel gelacht. Wir hatten echt viel Spaß, weil es soviel zu entdecken gab.
Kuriose Dinge aus Nachlässen in der Landesbibliothek zu sehen
In einer Vitrine zum Beispiel ist ein meterlanger Speer ausgestellt. Er gehörte dem Musiker Karlheinz Nürnberg, der begeisterter Sportfan war, wie in der Ausstellung zu lesen ist. Er bewahrte seinen Speer demnach als Erinnerung auf. Das Sportgerät ist Teil seines Nachlasses. In der Badischen Landesbibliothek werden auch Nachlässe von badischen Persönlichkeiten gesammelt, damit man im Nachhinein noch etwas über die Person erfahren kann.
Daneben ein weiteres kurioses Ausstellungsstück, das man eher nicht im Bestand einer Bibliothek erwarten würde: ein pinker Balletrock. Die Geschichte dazu sei aber relativ simpel, erklärt die zweite Kuratorin Annika Stello. Der Ballettrock sei Beilage zu einem Kinderbuch über eine Balletttänzerin gewesen. Ähnlich ist es bei einem Stofftier vom Grüffelokind in einer Vitrine. Auch das war mal Beilage einer Ausgabe des Kinderbuchklassikers.
Normalerweise sitze das Grüffelokind im Regal in einem Büro in der Badischen Landesbibliothek, erzählen die Kuratorinnen schmunzelnd. Jetzt hat es aber seinen Platz in der Ausstellung gefunden.
Kurios ist es schon, wenn man auf einmal ein quietschpinkes Tutu in der Hand hält.
Badische Landesbibliothek: Pistole in Pappschachtel entdeckt
Auch eine Pistole zählt zu den Dingen, die in einer Bibliothek eher fehl am Platz wirken. Aber auch sie ist zu sehen. Sie stammt ebenfalls aus einem Nachlass und ist sonst hinter verschlossenen Türen. Die Pistole wurde erst später entdeckt. Sie wurde in einer kleinen Pappschachtel aufbewahrt, sagt Kuratorin Stello. "Erst als jemand reingeschaut hat stellte sich heraus, was drin ist."
Auch zu einer Bronzebüste, die den Kopf des Heidelberger Dichters Alfred Mombert zeigt, gibt es eine Anekdote. Bis heute ist unklar, ob sich in dem Sockel die Asche des Dichters befindet oder nicht, so Kuratorin Annika Stello. Sie halte das zwar für unwahrscheinlich, aber man wisse es nicht. Jedenfalls gebe es ab und zu "Pilger", die nach der Büste fragen.
Auch besondere Bücher sind dabei
Natürlich sind auch Bücher in der Ausstellung dabei aber eben keine, die man sich so einfach ausleihen könnte. Manche sind besonders wertvoll, andere sehr alt und könnten leicht kaputt gehen. Oder ein Mini-Buch mit Schillers "Das Lied von der Glocke". Das Buch ist gerade mal 2,4 mal 2 Zentimeter groß. Zu sehen sind auch Magazine oder Schriftstücke, die aus rechtlichen Gründen sonst nur eingeschränkt sichtbar oder zugänglich sind -wie ein nicht jugendfreies Daumenkino.
Egal, ob wertvoll, fragil oder einfach nur kurios - eins haben all die Dinge in der Ausstellungen gemeinsam: Sie zeigen, dass eine Bibliothek wie die Badische Landesbibliothek sich mit mehr beschäftigt als nur mit Büchern.