Jahresausstellung des ZKM

Feel it – ZKM Karlsruhe feiert „Die Sinnlichkeit der Medienkunst“

Medienkunst verbinden viele mit „Bildschirm-Kunst“, und die hat den Ruf, etwas Kaltes zu haben. Das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) zeigt aber mit seiner Jahresausstellung, dass zeitgenössische Medienkunst sehr sinnlich sein kann.

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Stand

Von Autor/in Marie-Dominique Wetzel

Hören, Sehen, Riechen: Medienkunst mit allen Sinnen erleben

Gezeigt werden rund 50 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, die nicht nur unseren Sehsinn, sondern auch unseren Tast-, Geruchs- und Hörsinn ansprechen.

Küsse etwa können sich gut anfühlen und nicht nur unseren Puls hochjagen, sondern auch die verschiedensten Gehirnregionen enorm stimulieren. Das niederländische Künstlerduo Karen Lancel und Hermen Maat lädt Paare im ZKM zur Kuss-Performance ein und setzt ihnen Elektrodenhauben auf.

Karen Lancel, Hermen Maat, „E.E.G. Kiss“, 2014–ongoing
Karen Lancel, Hermen Maat, „E.E.G. Kiss“, 2014–ongoing. Pressestelle ZKM Karlsruhe © Lancel/Maat | Anna van Kooij, 2016

Die dabei gemessenen Herzfrequenzen und Gehirnströme werden nicht nur grafisch auf dem Boden rund um das Paar dargestellt, sondern auch in Sounds verwandelt. Die menschlichen Körper scheinen mit der Computertechnologie zu verschmelzen.

Das Skelett als Verstärker

Auch die australischen Künstlerinnen Gail Priest und Helen Pynor wollen mit ihrem Medienkunstwerk unsere Sinne ansprechen. Sie haben sich mit der Entwicklung des Gehörs, genauer den Mittelohrknöchelchen, im Laufe der Evolution beschäftigt.

Um dem Publikum ihre Forschungsergebnisse zu vermitteln, setzt Gail Priest eine ganz spezielle Technik ein: „Ich verwende sogenannte Körperlautsprecher. Man setzt sie sich nicht auf die Ohren, sondern hält sie zum Beispiel an die Stirn oder an die Schläfen – oder an irgendeinen Knochen im Körper und so kommen die Stimmen und Sounds tatsächlich über das Skelett ins Innenohr.“

Stelarc, Exoskeleton, 198898
Stelarc, Exoskeleton, 1988/98. Pressestelle © Stelarc © ZKM Karlsruhe | Felix Grünschloß

Mit Kunst gegen das Korallensterben

Der Künstler Marco Barotti nutzt Schallwellen für einen ökologisch guten Zweck. Er hat die Klanglandschaft gesunder Korallenriffe aufgenommen und beschallt damit geschädigte Riffe, um sie zum Wachstum anzuregen. Marco Barotti, der in erster Linie Jazzmusiker ist, arbeitet dabei mit Meeresbiologen zusammen.

In seiner raumgreifenden Audio-Videoinstallation kann man bei dieser Langzeitstudie zusehen und in die wunderbare, heute so bedrohte Unterwasserwelt abtauchen.

Marco Barotti, Coral Sonic Resilience, 2025
Marco Barotti, Coral Sonic Resilience, 2025. Pressestelle © Marco Barotti © ZKM Karlsruhe | Felix Grünschloß

Arbeiten, die wachrütteln

Den meisten der künstlerischen Positionen in der Ausstellung des ZKM geht es nicht darum, unsere Sinne zu reizen, um uns Wohlgefühle zu vermitteln. Sie wollen uns eher wachrütteln, aber eben nicht nur über den Intellekt.

Viele der Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt wurden durch das ZKM erst dazu animiert, sich mit der Sinnlichkeit von Medienkunst auseinanderzusetzen und Kunstwerke zu schaffen, die unsere Sinne in neuer Art und Weise ansprechen.

Die gezeigten künstlerischen Positionen sind so vielfältig in ihren Herangehensweisen und Zielsetzungen, dass diese Ausstellung nicht nur zum sinnlichen Erlebnis wird, sondern auch zeigt, wozu das ZKM in der Lage ist: Künstlerinnen und Künstler zu neuen Arbeiten anzuregen und zusammen mit neuester Technologie und Wissenschaft unsere Perspektiven zu erweitern. Unbedingt sehenswert!

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