Auf dem Land einen Arzt zu finden oder einen Termin zu bekommen: alles andere als einfach. Der Ärztemangel in ländlichen Regionen ist ein Problem in ganz Baden-Württemberg. Um den Job als Landarzt attraktiver zu machen, hat der Landkreis Rastatt jetzt zum ersten Mal ein sogenanntes Landarzt-Stipendium vergeben. Medizin-Studierende bekommen für maximal vier Jahre 500 Euro pro Monat.
Erste Stipendiatin im Kreis Rastatt: Helfen ist ihre Leidenschaft
Die erste Stipendiatin heißt Annika Mast, ist 23 Jahre alt und kann nach Aufnahmegesprächen und etwas Bürokratie nun ihre Urkunde für das erste Rastatter Landarzt-Stipendium in den Händen halten. Obwohl Mast im Saarland Medizin studiert, kommt sie eigentlich aus der Region Rastatt/Baden-Baden. Als sie von der Stipendienvergabe im Radio gehört hatte, habe sie sich direkt beworben, erzählt die 23-Jährige. Helfen ist ihre Leidenschaft: Sie ist bei der freiwilligen Feuerwehr und als Rettungsschwimmerin aktiv.
Als Medizinstudent hat man es nicht so einfach mit den finanziellen Mitteln, die zum einen der Staat bereitstellt, zum anderen hat man wenig Zeit, Ferienarbeit zu leisten. Deshalb ist das natürlich eine große Erleichterung für mich.
Mast würde in Zukunft gerne im Landkreis Rastatt als Hausärztin arbeiten. "Ich bin ja von hier, ich kenne die Region sehr gut und es gefällt mir hier auch sehr gut." Das Stipendium habe ihren Wunsch, beruflich in die Heimat zurückzukehren, noch bestärkt. Ebenso wie ihre Freizeitaktivität bei der Feuerwehr.
Landarzt-Stipendium im Kreis Rastatt mit Voraussetzungen
Bis 2029 sollen insgesamt fünf Landarzt-Stipendien im Kreis Rastatt vergeben werden. Es gibt Bedingungen für das Stipendium: Zum Beispiel ist die Förderung erst ab der ersten "Ärztlichen Prüfung" im Rahmen eines bereits laufenden Studiums möglich. Finanzielle Unterstützung gibt es also frühestens ab dem 5. Fachsemester für maximal vier Jahre.
Außerdem müssen sich Stipendiatinnen oder Stipendiaten eine langfristige berufliche Perspektive im Landkreis vorstellen können und einen persönlichen Bezug zur Region haben. Die Facharzt-Ausbildung im Bereich Allgemeinmedizin muss im Klinikum Mittelbaden oder in einer der Lehrpraxen im Landkreis Rastatt erfolgen. Das ist vertraglich festgelegt. Die Medizinstudierenden sind aber nicht dazu verpflichtet sich im Landkreis Rastatt niederzulassen.
Es ist uns völlig klar, dass wir damit alleine nicht die hausärztliche Versorgung hier bei uns im Landkreis sicherstellen können. Aber es soll eben ein Signal sein, dass wir uns dafür engagieren wollen, dass es hier mit der hausärztlichen Versorgung vorangeht.
Nachwuchs fehlt: Vielen Hausarztpraxen droht die Schließung
Rastatt nimmt Geld in die Hand. Für das Projekt stehen insgesamt 120.000 Euro bereit. Natürlich nicht ohne Grund. Obwohl der Landkreis Rastatt derzeit nicht wirklich unterversorgt sei, sei die Zukunft der medizinischen Versorgung keinesfalls gesichert, sind sich Projektkoordinator Niklas Schütz und der Landrat des Kreises, Christian Dusch einig. Im Kreis Rastatt schieden im Vergleich mit anderen Regionen besonders viele Hausärzte in einigen Jahren aus dem Beruf aus.
Wir haben im Moment noch ausreichende Fachärzte- und Hausärzteversorgung. Aber es ist klar, dass sich das angesichts der Altersstruktur der jetzigen Ärzteschaft deutlich ändern wird und da muss man gegensteuern.
Die "Landarztquote": Landesprogramm packt Ärztemangel bereits an
Dass es immer weniger Hausärzte auf dem Land gibt, ist ein Problem, das es in ganz Baden-Württemberg gibt. Mit der "Landarztquote" versucht das Land bereits, jungen Menschen, die sich für den Arztberuf interessieren, das Thema schmackhaft zu machen. Jedes Jahr vergibt das Land im Rahmen des Programms 75 Studienplätze für Medizin. Die Schulnoten spielen dabei keine Rolle.
Wer ein Studium im Rahmen des Programms absolviert, muss wie beim Landarzt-Stipendium einen Vertrag unterschreiben. Hier verpflichtet man sich dazu, nach dem Studium in Baden-Württemberg die Facharztweiterbildung zu machen und danach für zehn Jahre in einer Landarztpraxis in einem vom Land ausgewiesenen "Bedarfsgebiet" zu arbeiten. Wer gegen Vertragsbedingungen verstößt, muss mit einer Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro rechnen.
Das Landarzt-Stipendium in Rastatt lässt hier mehr Freiheiten. Neu ist das Modell aber auch hier nicht, ähnliche Fördermodelle gibt es unter anderem auch in den Landkreisen Calw, Heilbronn und Schwäbisch Hall sowie im Neckar-Odenwald-Kreis.