Medizinische Versorgung

Ärztemangel in Baden-Württemberg: So sollen "Community Health Nurses" Abhilfe schaffen

Weniger Ärzte und eine älter werdende Gesellschaft stellen die medizinische Versorgung vor Probleme. Entlastung soll in Stuttgart ein neues Berufsbild bringen.

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Von Autor/in Annika Jahn

Keinen Arzttermin bekommen oder keinen Arzt oder Ärztin in der Nähe haben. Mit diesem Problem sehen sich in Baden-Württemberg schon heute viele Menschen konfrontiert. Auch die immer älter werdende Gesellschaft stellt die medizinische Versorgung vor immer größere Herausforderungen. Deshalb sollen nicht-ärztliche, medizinische Berufsbilder unterstützen.

Hausarzt ist nicht der erste Ansprechpartner

In Stuttgart wurde jetzt am Robert Bosch Krankenhaus ein neues Gesundheitszentrum eröffnet: das Patientenorientierte Zentrum zur Primär- und Langzeitversorgung (PORT Zentrum), an dem solche Fachkräfte tätig sind. Hier ist nicht der Hausarzt der erste Ansprechpartner, sondern eine sogenannte "Community Health Nurse". Das Berufsbild ist neu und wird gerade erst erprobt. Yasmin Kuhaupt ist eine von ihnen. Sie ist ausgebildete Pflegefachkraft und hat anschließend studiert.

Als "Community Health Nurse" berät die 28-Jährige bei gesundheitlichen Problemen und hilft durch den Dschungel des Gesundheitssystems - Aufgaben, die über eine klassische Pflegekrafttätigkeit hinaus gehen. "Wir begleiten die Patienten über eine lange Zeit", sagt sie. Der Fokus liege dabei auf der Gesundheitsförderung, man setze an, "bevor die Patienten überhaupt krank werden", berichtet Kuhaupt. Sie ist vor Ort unterwegs, macht Hausbesuche bei den Patientinnen und Patienten, kennt sich gut aus im Quartier und kann Hilfsangebote vermitteln.

Konzept in Finnland und Island bereits etabliert

Die Idee, die gesundheitliche Erstversorgung nicht mehr nur auf den Schultern von Hausärztinnen und Hausärzten abzuladen, kommt aus dem Ausland. In Island oder Finnland sind "Community Health Nurses" schon gang und gäbe. In Baden-Württemberg sind sie bislang nur vereinzelt zu finden.

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Matthias Holmer ist Hausarzt in dem neuen Gesundheitszentrum in Stuttgart. Er merkt deutlich, wie "Community Health Nurses" seine Arbeit erleichtern. Wenn ein Patient einen Ansprechpartner habe, der ihn informieren könne, entlaste das extrem, sagt Holmer.

Community Health Nurses mit mehr Zeit für Patienten

Das liegt auch daran, dass sich "Community Health Nurses" mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten nehmen können, als das für Ärzte oder Pflegekräfte üblich ist. Yasmin Kuhaupt beschreibt ein praktisches Beispiel: Ein Patient sei mit der Versorgung seiner kranken Ehefrau ein bisschen überfordert gewesen. Sie sei mit zu der Patientin nach Hause gegangen, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Mit diesem Wissen habe sie die richtige Hilfe für das Ehepaar vermitteln und sie bei der Antragstellung unterstützen, erläutert Kuhaupt.

Gesundheitsminister Lucha will sich für Gesetzesänderung einsetzen

Genau das ist die gesundheitliche Versorgung, die die Menschen in Baden-Württemberg brauchen, findet Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Doch das Berufsbild "Community Health Nurse" ist noch nicht offiziell im Gesundheitssystem eingeführt und kann daher noch nicht ausgerollt werden. Es hänge an der Bundesregierung. Dort wolle er sich für eine Gesetzesänderung einsetzen. Sodass die Leistung, die hier erfolge, auch ein ordentliches und unkompliziertes Abrechnungssystem nach sich ziehe, sagt er. Noch sind die Projekte hauptsächlich privat von der Bosch-Stiftung finanziert.

Der Gesundheitsminister ist zuversichtlich, dass eine Änderung bald in Kraft tritt. Neben Stuttgart gibt es solches Gesundheitszentrum auch in Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Die beiden könnten Vorbild sein und die Gesundheitsversorgung verbessern.

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