Ein einzelner Schmetterling auf einer Wiese ist ein freundlicher Farbtupfer. Meistens bleibt es heutzutage aber bei dem Einzelexemplar. Etwa 20 Jahre sind seit dem letzten Bericht der LUBW vergangen. Seitdem hat die Zahl der gefährdeten Schmetterlingsarten um rund 17 Prozent zugenommen. Nur jede dritte Art gilt noch als ungefährdet.
Schmetterlinge gehören zu der am stärksten bedrohten Tierart in Baden-Württemberg. Das sagt der Präsident der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe, Ulrich Maurer. Seine Behörde hat jetzt gemeinsam mit Wissenschaftlern des Karlsruher Naturkundemuseums eine neue Rote Liste für Schmetterlinge herausgegeben. Danach ist die Hälfte aller Großschmetterlinge vom Aussterben bedroht.
Das Verschwinden der Schmetterlinge aus der Landschaft macht das Insektensterben besonders sichtbar.
Naturkundemuseum Karlsruhe: Millionen Datensätze ausgewertet
Für die aktualisierte Rote Liste wurden beim Karlsruher Naturkundemuseum mehr als 1,8 Millionen Datensätze ausgewertet. Darin werden 1.353 Arten bewertet. Daten über sämtliche Schmetterlingsarten im Land werden im Karlsruher Museum gesammelt. Kurator der Schmetterlingssammlung ist Robert Trusch. In den vergangenen 20 Jahren, seit Veröffentlichung der letzte Roten Liste, hat sich der Datensatz verdreifacht, berichtet der Schmetterlingsexperte.
Trusch und seine Kollegen haben festgestellt, dass viele gefährdete Schmetterlingsarten nur noch in Naturschutzgebieten zu finden sind. Das sind häufig kleine Biotope wie Magerrasen, Moore oder Nasswiesen, die ganz spezielle Lebensräume für seltene Arten bieten. Refugien für bedrohte Arten sind nach Einschätzung der Wissenschaftler vor allem solche Biotope, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden.
Bedrohte Art bei den Schmetterlingen: Der Silberfleckbläuling
Eine bedrohte Art ist zum Beispiel der Silberfleckbläuling. Früher war er auf den Sandheiden der Oberrheinebene häufiger zu finden. Inzwischen gibt es nur noch zwei bekannte Vorkommen mit ganz wenigen Exemplaren. Das eine liegt bei Stollhofen unweit des Baden Airparks im Kreis Rastatt, das zweite Vorkommen ist bei Ettlingen (Kreis Karlsruhe) zu finden, auf einer ehemaligen Schießbahn der französischen Streitkräfte. In beiden Fällen handelt es sich um extensiv genutzte Gebiete, in denen keine Landwirtschaft betrieben wird, berichtet Robert Trusch vom Karlsruher Naturkundemuseum. Der Silberfleckbläuling sei zwar in das Artenschutzprogramm des Landes aufgenommen worden, trotzdem nimmt die Zahl der Schmetterlinge dieser Art immer weiter ab und sie droht ganz auszusterben.
Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten bei den Schmetterlingen: Einige weniger anspruchsvolle, wärmeliebende Arten, darunter der Karstweißling und die Dunkelbraune Brombeereule, konnten aufgrund des Klimawandels neu nach Baden-Württemberg einwandern und breiten sich derzeit rasch aus; beide sind nicht gefährdet.
Schmetterling dringend gesucht: Der Augsburger Bär
Eine Art, die die Schmetterlingsforscher gerne wiederfinden würden, ist der Augsburger Bär. Das ist eine lokal stark gefährdete Art, die seit 1991 nicht mehr gefunden wurde. "Trotzdem hoffen wir noch auf einen Wiederfund", berichtet Robert Trusch. Er begründet das mit zwei ungesicherten Beobachtungen auf der Schwäbischen Alb aus den Jahren 2008 und 2018. In beiden Fällen gebe es leider keine Belege, nur die Hoffnung, irgendwann einmal wieder auf ein Exemplar zu treffen.
Nach über fünfzig Jahren wieder gefunden: Die Hofdame
Dass so etwas möglich ist und durchaus vorkommt, zeigt der Fund eines anderen seltenen Schmetterlings, der sogenannten Hofdame. Sie galt als ausgestorben. Die letzten gesicherten Funde gehen auf das Jahr 1970 zurück. Um so schöner war die Überraschung, als ebenfalls auf der Ostalb am Rande eines Naturschutzgebiets im Jahr 2019 wieder ein Exemplar gefunden wurde.