Projekt Cyclesense misst drei Monate

100 Radfahrer in Karlsruhe sind dem Feinstaub auf der Spur

Citizen Science im Kampf gegen die Feinstaubbelastung in Karlsruhe: Ab sofort sind in der Stadt rund 100 Radfahrerinnen und Radfahrer mit kleinen Messgeräten am Lenker unterwegs.

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Stand

Von Autor/in Heiner Kunold

Bisher gab es in Karlsruhe nur zwei offizielle Messstationen für Feinstaub der Landesanstalt für Umwelt (LUBW). Für die nächsten drei Monate kommen auf einen Schlag 100 mobile Messeinheiten dazu. Sie gehören zum Projekt Cyclesense, das drei Karlsruher Studenten ins Leben gerufen haben. Ziel ist es, die gesundheitsgefährliche Feinstaubbelastung in der Stadt besser zu erforschen.

Idee stammt aus Technik AG des Lessing-Gymnasiums

Michael Weber, Felix Hörner und Felix Makartsev sind drei Studenten aus Karlsruhe. Alle drei sind 20 Jahre alt und studieren in Tübingen und in Karlsruhe. Schon zu Schulzeiten haben sie vor fünf Jahren in der Technik AG am Karlsruher Lessing-Gymnasium gemeinsam die Idee eines mobilen Feinstaubmessgeräts entwickelt. Seitdem haben sie die Idee immer weiter vorangetrieben und inzwischen einen fast serienreifen Prototypen vorgelegt.

Uns ist aufgefallen: In Karlsruhe gibt es aktuell nur zwei Messstationen. Die Stadt ist offenbar nicht gut überwacht, wenn man bedenkt, wie groß das Feinstaubproblem wirklich ist.

Karlsruher Studenten entwickelt Luftmessgerät fürs Fahrrad
Felix Hörner und Michael Weber studieren am KIT und haben das Messgerät entwickelt.

Der erste Bundespreis bei Jugend forscht für ein Karlsruher Projekt

Vor zwei Jahren gewannen die drei, inzwischen als Studenten, mit ihrem Projekt den Bundessieg bei Jugend forscht. Und die Idee wächst weiter. Mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe, des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Informatik und anderen ist ein sogenanntes Citizen Science Projekt daraus geworden, an dem sich aktuell rund 100 freiwillige Radfahrer beteiligen.

Sie sind in der Stadt unterwegs, mit dem Messgerät am Lenker. Anonym werden die Daten an einen zentralen Server übermittelt. Die Auswertung beginnt dann im Herbst, hofft Michael Weber. Wenn alles gut geht, könnten sogar einige Bachelor- und Masterarbeiten daraus werden. Die Universität Tübingen hat bereits Interesse angemeldet.

In Karlsruhe beim Cyberforum sind sie mächtig stolz auf die drei jungen Umweltforscher und ihren Preis bei Jugend forscht. Sowas gab es in der Stadt noch nie, betont Dirk Fox von der Karlsruher Technik Initiative. Inzwischen nehmen knapp 140 Schulen und Institutionen an dem Projekt teil und werden beim Start einer eigenen Technik AG unterstützt.

Karlsruher Studenten entwickelt Luftmessgerät fürs Fahrrad
Das Messgerät ist ein kleines Kästchen und wird am Lenker des Fahrrads befestigt.

Cyclesense: Daten zu Feinstaub, Temperatur, Luftfeuchtigkeit

Es geht aber nicht nur um Feinstaub und Umweltverschmutzung. Mit den Daten lassen sich noch ganz andere Projekte im Rahmen der Initiative Smart City umsetzen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit etwa, gemessen an hunderten verschiedenen Punkten über die Stadt verteilt. Sie sollen Aufschluss über Klima und Klimawandel in der Stadt geben. Und wenn 100 Radfahrer ein Vierteljahr durch die Stadt fahren, ergeben sich Muster, anhand derer Stadtplaner bevorzugte Routen identifizieren könnten. Für Herbst und Winter werden weitere Teilnehmer für eine zweite Runde gesucht.

Überraschung: Feinstaub besonders hoch in Günther-Klotz-Anlage

Erste Erfahrungen haben die drei Umweltforscher schon gemacht. Die Geräte wurden von Schülern des Lessing-Gymnasiums in einem kleineren Probelauf getestet. Dabei kam beispielsweise ein überraschendes Ergebnis heraus: Die größten Feinstaubkonzentrationen wurden nicht etwa auf den großen Durchgangsstraßen, sondern ausgerechnet in der verkehrsfreien Günther-Klotz-Anlage gemessen. Hier hoffen die drei Feinstaubmessgeräte-Entwickler mit dem weiteren Lauf neue, fundierte Erkenntnisse zu gewinnen.

Karlsruher Studenten entwickelt Luftmessgerät fürs Fahrrad
Die Montage des Messgeräts am Lenker geht schnell und einfach.

Karlsruher Jung-Forscher haben sich ganz der Wissenschaft verschrieben

Eine eigene Firma wollen die drei Studenten zunächst aber nicht gründen. Auch wenn ihr Gerät schon viel Lob erfahren hat. Ganz der Wissenschaft verschrieben, geht es ihnen um Erkenntnisgewinn und Umweltschutz. Das mit der Firma kommt später, wenn überhaupt, berichtet ein Vater der jungen Studenten. Jetzt sollen sie erst einmal ihre Abschlüsse machen, sagt er.

Die Messgeräte selbst sind eher unscheinbar. Ein kleiner rechteckiger grauer Plastik-Kasten am Lenker eines Fahrrads - das ist alles. Die ersten 100 Geräte wurden zuhause im Keller von den drei Erfindern allesamt in Handarbeit produziert. Allein die Materialkosten beliefen sich dabei auf über 20.000 Euro. Ohne die Sponsoren und ohne die Unterstützung durch die Stadt sei das nicht möglich gewesen, betont Michael Weber.

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