Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass der Küchenzulieferer NEFF in zweieinhalb Jahren unter anderem sein Werk in Bretten (Kreis Karlsruhe) schließen will, herrscht Bestürzung bei Beschäftigten und der Stadt Bretten.
Oberbürgermeister von Bretten: Stadt steht unter Schock
"Die Stadt steht unter Schock", so beschrieb Oberbürgermeister Nico Morast (CDU) die Gefühlslage in Bretten am Montagmorgen. Er selbst sei erst am Freitag vor "vollendete Tatsachen" gestellt worden. Das Vorgehen der Bosch-Siemens-Hausgeräte-Geschäftsleitung (BSH) in München bezeichnete Morast als Zumutung. Er werde alles versuchen die komplette Schließung der Produktion von Backöfen und Dunstabzugshauben doch noch zu verhindern.
Der Oberbürgermeister verwies auch auf die wirtschaftlichen Folgen für die Stadt und die Menschen die in der Region leben. Auch die Zulieferungsindustrie sei betroffen und somit seien in der Region durch die NEFF-Schließung bis zu 3.000 Arbeitsplätze in Gefahr, schätzt Nico Morast.
Schließung von Neff-Werk Interview mit Nico Morast: "Schlag ins Gesicht" für Bretten
Die geplante Schließung des Neff-Werks in Bretten ist für Oberbürgermeister Nico Morast besonders bitter. Im SWR-Interview sieht er bei 1.000 wegfallenden Jobs jetzt auch die Landesregierung gefordert.
Geschäftsführer von NEFF in Bretten zeigt sich betroffen
Der Geschäftsführer von NEFF in Bretten, Thomas Baumeister, sagte im SWR-Interview, dass die Stimmung im Werk am Boden sei. Seit 35 Jahren sei er im Unternehmen und 26 davon in Bretten. Eigentlich hätte er demnächst in den Ruhestand gehen wollen. "Das werde ich jetzt nicht tun", sagt Baumeister. "Aus dem einfachen Grund: ich möchte die Mitarbeiter und die Menschen hier begleiten, die mir sehr am Herzen liegen."
Vor zwei Wochen sei ihm die Entscheidung über die Schließung von NEFF in Bretten mitgeteilt worden. Die Schließung des Werks wird von der Unternehmensleitung in München mit einem "schwierigen Markt" für Küchengeräte begründet. Diese Beobachtung hat Thomas Baumeister auch gemacht. Er kennt die Branche. "Dass da Untersuchungen und Studien laufen, das war klar und war auch bekannt, weil gerade momentan das Umfeld sehr, sehr schwierig ist."
Das Kaufverhalten der Menschen habe sich verändert. "Die Menschen kaufen preisgünstigere Geräte. Und natürlich hat das bei uns im Fertigungsverbund dann zu Unterauslastungen geführt. Und wir als Werk in Bretten sind davon auch sehr stark betroffen." Noch zu Coronazeiten habe das Werk Sonderschichten gefahren, danach sei der Markt allerdings stark eingebrochen.
"Schwieriges Marktumfeld" 1.000 Arbeitsplätze betroffen: Bosch will NEFF-Werk in Bretten schließen
Bosch will die Produktion von Haushaltsgeräten in Bretten (Landkreis Karlsruhe) im Frühjahr 2028 beenden. Betroffen sind etwa 980 Beschäftigte.
Beschäftigte im Werk stehen unter Schock
Für die Beschäftigten kam die Nachricht der Schließung ebenfalls völlig überraschend. "Wir haben gewusst, dass momentan die Lage schlecht ist, aber dass das jetzt so kommt, wie aus dem Nichts, dass hier nichts mehr produziert werden soll, ist ein Schlag ins Gesicht für alle Mitarbeiter", sagt ein Mitarbeiter gegenüber dem SWR.
Besonders in der Corona-Zeit habe man Überstunden geleistet, um die Lieferkette aufrechtzuerhalten, "und der Dank dafür ist, dass man einfach das Traditionswerk schließen möchte." Vielen Mitarbeitern gehe es seit der Bekanntgabe der Schließung schlecht. Die Unsicherheit ist groß. Ein Mann aus der Belegschaft sagt: "Ich habe Kredite von der Bank genommen, weil [der Job] eine Sicherheit für mich und meine Familie war."
Dennoch wollen Belegschaft, Betriebsrat und die IG-Metall noch nicht aufgeben. Der erste Bevollmächtigte der Metallgewerkschaft, Dirk Becker, betonte, man werde um jeden einzelnen Arbeitsplatz in Bretten kämpfen. Er will jetzt dringend das Gespräch mit der Geschäftsleitung suchen. "Wir haben uns überlegt, alle an einen Tisch zu bringen und dann gemeinsam Druck zu machen. Sowohl auf die Stadt, als auch die Landesregierung, vielleicht sogar die Bundesregierung, und letztendlich natürlich auf die Geschäftsführung von BSH."