Auch wenn es nur 500 Gramm sind

Warum ein Hobby-Landwirt aus Bruchsal stolz auf seine Olivenernte ist

Könnten Oliven in Zeiten des Klimawandels eine sinnvolle Alternative zum herkömmlichen Obst- und Weinbau sein? Ein Hobby-Anbauer aus Bruchsal experimentiert mit der mediterranen Pflanze.

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In Zeiten des Klimawandels denken immer mehr Landwirte über Alternativen zu ihren traditionellen Kulturen nach. Auch der Hobby-Olivenbauer Hartmut Schönherr experimentiert seit 2008 mit eigenen Olivenbäumchen. Beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) in Karlsruhe-Durlach ist diesen Sommer sogar ein eigener Versuch dazu gestartet.

Eine Handvoll Oliven in Bruchsal geerntet

Hartmut Schönherr freut sich. Der Kulturwissenschaftler und Hobby-Oliven-Anbauer strahlt über das ganze Gesicht, wenn er durch seinen kleinen Olivenhain in Obergrombach wandelt. Die Erntemenge kann es nicht sein, denn das Ergebnis fällt mit gerade mal 500 Gramm eher gering aus. Hartmut Schönherr ist trotzdem glücklich. Denn er liebt Olivenbäume und ihre Früchte.

Der Olivenbaum ist ein alter Kulturbaum, der uns sehr geprägt hat.

In einer Hand liegen Oliven. Hier in Bruchsal werden sie angebaut und geerntet.
Sorgfältig werden die Oliven gepflückt und gesammelt.
  • Oliven hängen an einem Ast in Bruchsal.
    Ab November werden auf dem Olivenhain in Bruchsal die ersten Oliven geerntet. SWR
  • Ein Baum mit Oliven steht auf einem Weinberg in Bruchsal.
    Der Olivenhain steht an einem Weinberg. Immer mehr Winzer geben ihre Flächen auf. Sind Oliven die Zukunft? SWR
  • An einem Ast an einem Baum in Bruchsal hängt eine Olive, von der Wasser tropft.
    Die Pflanzen reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen. SWR

Im Jahr 2008 habe er die ersten erschreckenden Meldungen über die Klimaerwärmung mitbekommen, erinnert sich Schönherr. Das habe ihn gleich auf die Idee mit den Oliven gebracht, erzählt er. Seither testet er ganz verschiedene Sorten, lässt sich Bäumchen aus Spanien, Italien, Ungarn und Frankreich kommen. Insgesamt 13 verschiedene Olivensorten wachsen in seinem Olivenhain oberhalb des Bruchsaler Ortsteils.

Herausfordernder Olivenanbau in Bruchsal

Der Olivenbauer hat aber auch schon einiges an Lehrgeld bezahlen müssen. 2012 seien ihm fast alle Bäumchen erfroren. In der Zeit gab es eine ganze Reihe von kalten Wintern mit jeweils mehreren Frosttagen. Die haben ihn fast alle Bäume gekostet und der Olivenfreund musste mehrfach von vorne anfangen.

Das hat Hartmut Schönherr aber auch zu einem Fachmann in Sachen Olivenanbau nördlich der Alpen gemacht. Er kann schon mit einiger Bestimmtheit sagen, welche Sorten sich hierzulande für den Anbau eignen und welche nicht. Die reichste Ernte trägt bei ihm in diesem Jahr ein französischer Olivenstrauch. Die Pflanze ist frosthart und in den vergangenen drei Jahren wunderbar gewachsen, berichtet der Olivenbauer.

Ich pflücke die Oliven einzeln, denn Schütteln nützt gar nichts. Die fallen nicht von alleine ab.

In Bruchsal werden Oliven mit der Hand abgeerntet.
Bei frostigen Temperaturen ist die Ernte mühsam ohne Handschuhe.

Oliven als Streuobstwiese der Zukunft in Baden-Württemberg?

Was wie die skurrile Liebhaberei eines eigensinnigen Olivenfreundes klingt, hat aber einen ernstzunehmenden Hintergrund: Immer mehr Landwirte müssen in Zeiten des Klimawandels über Alternativen zu herkömmlichen Kulturen nachdenken. In Bühl experimentieren Weinbauern mit Oliven, auf dem Kaiserstuhl gibt es schon einen ganzen Olivenhain. Auch beim LTZ auf dem Karlsruher Augustenberg ist die Olivenidee auf fruchtbaren Boden gefallen.

So wurde beim LTZ in diesem Jahr erstmals eine ganze Versuchsreihe mit Olivenbäumen gestartet. Verantwortlich dafür ist die Obstbaufachberaterin des Landkreises Karlsruhe, Laura Rübenacker. Sie betreut 31 Olivenbäumchen, die wie die benachbarten Äpfel und Birnen und Zwetschgen im vergangenen Sommer in einer Spalierreihe gepflanzt wurden.

Weitere Reihen sollen in den kommenden Jahren folgen. Es seien Landwirte gewesen, die in Sachen Oliven an die Obstbauexperten auf dem Augustenberg herangetreten seien, berichtet die Fachberaterin. "Wir sammeln die Ergebnisse unter der Klimazone und geben dann die Empfehlungen weiter", sagt sie.

Oliven-Experte: Olivenanbau hat eine Chance

Jetzt wollen die Experten herausfinden, welche Oliven-Sorten sich bei uns für den kommerziellen Anbau eigenen könnten. Auch hier ist Hartmut Schönherr aus Obergrombach nicht ganz unbeteiligt. Denn mit seinen Erfahrungen aus den vergangenen 17 Jahren konnte er den Obstbauexperten auf dem Augustenberg schon einige Tipps geben.

Bis in fünf Jahren, schätzt Laura Rübenacker, werden erste belastbare Ergebnisse und vielleicht sogar schon Anbauempfehlungen für badische Oliven vorliegen. Zuerst einmal müssen die kleinen Bäumchen auf dem Augustenberg aber noch wachsen und irgendwann auch erste Früchte tragen. Ob der badische Olivenanbau Zukunft haben könnte? Die Fachberaterin ist selbst gespannt. Hartmut Schönherr dagegen optimistisch: "Als Ergänzung zu herkömmlichen Kulturen", so sagt er, "hat der Olivenanbau in Baden bestimmt eine Chance."

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Heiner Kunold
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Markus Bender
Markus Bender, SWR

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