Dass Lukas Rohfleisch in der Sporthalle des TS Ottersweier (Kreis Rastatt) mit seinen Teamkolleginnen Rope Skipping (Seilspringen) trainiert, grenzt schon fast an ein Wunder. Darüber ist sich der 19-Jährige klar.
Es habe aber auch viel mit seinem unerschütterlichen Willen und Optimismus zu tun. "Es ist mein Ding: Nie aufgeben, immer neue Wege finden, selbst wenn ein Weg nicht klappt", erzählt Lukas. Sein nächstes Ziel: Die Badischen Meisterschaften im Rope Skipping im März 2026 und sich dann für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Trotz allem.
Kavernom: 19-jähriger Lukas hat eine sehr seltene Krankheit
Lukas leidet an Gefäßmissbildungen (Kavernomen) im Gehirn - in seinem Fall an multiplen, familiären Kavernomen, einer sehr seltenen Krankheit. Bei seiner Mutter wurde diese Krankheit vor einigen Jahren ebenfalls diagnostiziert.
Vor rund drei Jahren blutete bei Lukas ein Kavernom ins Gehirn. In einer Spezialklinik in Essen musste er operiert werden. Damals war er in der 11. Klasse und bereitete sich auf die ersten Abi-Klausuren vor. Nach der OP traten Probleme auf, Lukas war für mehrere Tage halbseitig gelähmt, es folgten weitere Operationen. Seine rechte Hand funktioniert auch heute noch nicht richtig, die linke Körperhälfte ist weniger stabil als die rechte.
Trotz Blutung und OP: Lukas macht wieder Sport auf höchstem Niveau
Nach der Blutung und den Operationen war eigentlich nicht davon auszugehen, dass Lukas Rope Skipping als Hochleistungssport weiter so betreiben könnte, sagt Joachim Bertele, Geschäftsführer des Reha Zentrums Mittelbaden. Doch der junge Sportler kam zurück: Rund eineinhalb Jahre nach seiner großen OP wurde Lukas Deutscher Jugendmeister im Freestyle-Rope Skipping.
Es ist sensationell, unglaublich. Man sieht, was ein junger Mann mit einer positiven Lebenseinstellung schaffen kann - auch mit der Unterstützung des Physioteams.
Die Familie ist Lukas großer Rückhalt
Immens wichtig ist für Lukas die Familie, betont der 19-Jährige. Sie begleitet ihn durch alle Lebensphasen. In der aktuten Phase seiner Erkrankung standen alle an seiner Seite und auch jetzt, wo es ihm besser geht, er aber die Prognose hat, dass es immer wieder zu einer neuen Blutung im Gehirn kommen kann. Seine drei Jahre ältere Schwester Hannah, weiß, dass Lukas ein Kämpfer ist.
Er hat vor allem durch seinen Sport auch diesen Kämpfergeist.
Medizin und Rope Skipping - Lukas blickt positiv in die Zukunft
Trotz der Diagnose und aller psychischen und physischen Belastungen denkt Lukas nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Er will sich und anderen Menschen Mut machen. Über das Thema "Mut und Medizin" hat er bereits einen Vortrag gehalten. Jetzt studiert der Einser-Abiturient Medizin in Freiburg, um selbst an der Behandlung seiner gesundheitlichen Probleme mitwirken zu können.
Wenn ich zurückblicke, bin ich total stolz drauf, dass man durch Kämpfen und positive Energie so viel erreichen kann. Türen öffnen sich neu.
An den Wochenenden fährt Lukas von Freiburg nach Hause nach Bühl und Ottersweier (beide Kreis Rastatt). Dann steht Training für die Badischen Meisterschaften im Rope Skipping auf dem Programm. Ziel ist ein Sechsfachsprung in seiner Choreografie. Falls es mit dem Springen wegen seiner Erkrankung doch nicht mehr gehen sollte, will Lukas als Schiedsrichter oder Trainer bei seinem Sport bleiben.