Die Jahrzehnte alte Tradition des Mummelseekönigs wird fortgesetzt. Nachdem Hermann Müller gesundheitsbedingt sein Amt im letzten Sommer niederlegen musste, hat die lange Suche ein Ende. Bei seinem allerletzten Auftritt im September 2025 ist sein Enkel Ben dabei und kündigt an: Er will der neue König vom Mummelsee werden.
Königliches Blut in der Familie
Dass die Tradition in eine neue Generation fällt, merkt man schnell. Der 16-jährige Schüler Ben Weigel kommt zum Amtsantritt auf dem Motorrad gefahren. Lässig begrüßt er seinen Großvater, der schon auf ihn wartet und selbst miterleben möchte, wie sich sein Enkel als König des Mummelsees macht. Dass Ben in die Fußstapfen seines Opas schlüpfen wird, ist für ihn nur logisch. Schon als Kind hat ihn die Figur des Mummelseekönigs - manche sagen auch Mummelseegeist - fasziniert.
Also für mich ist es die Traditionsweiterführung, weil ich habe halt auch gemerkt, dass mein Opa es schade fand, dass er jetzt den Mummelseegeist nicht mehr machen kann. Und ich denke halt, dass es ihn stolz macht, wenn ich das jetzt weitermache.
Stolz ist Hermann Müller definitiv. Viele Tipps braucht er ihm aber nicht zu geben. Das meiste kennt Ben schon aus seiner Kindheit. Zum Beispiel das Auftragen der Schminke. Auf die Frage, wie sein Opa die selbst aufgetragene grüne Maske findet, meint er nur: "Als ob er es gelernt hätte."
Laufen auf 15 Kilo schweren Stelzen
Auf Hilfe ist Ben kaum angewiesen. Nur beim Anziehen der etwa 50 Zentimeter hohen und etwa 15 Kilogramm schweren Stelzen braucht er Unterstützung. Die brauchte Hermann die letzten 30 Jahre aber auch. Zu umständlich und zu wacklig sind die Füße des Mummelseekönigs, auf denen Ben noch den ganzen Tag balancieren muss.
Eigentlich sei er schüchtern, erzählt Ben, während er sich langsam in den Mummelseekönig verwandelt. Die Aufregung erlösche aber schnell.
Sobald ich den Bart und die Perücke anhabe, bin ich nicht mehr schüchtern. Dann bin ich der Mummelseegeist.
Eine alte Tradition im Schwarzwald
An diesem Samstag kommen Hunderte Touristen an den Mummelsee. Viele kennen die Figur schon seit Jahrzehnten. So wie Uta Hoffmann. Sie feiert ihren 70. Geburtstag. Dass sie heute hier herkommt, war eine Überraschung ihrer Töchter. Stolz hält sie ein Bild in der Hand. Darauf zu sehen: Sie, ihr Bruder und in der Mitte der Mummelseekönig. Weiter unten steht eine Zahl: 1976. Dass sie den Mummelseekönig jetzt, exakt 50 Jahre auf den Tag wieder trifft, sei für sie wie ein weiteres Geburtstagsgeschenk.
Ich war damals schon ganz fasziniert von ihm und heute wieder. Das ist ganz toll, dass er da ist.
Auch Ben ist überrascht von dieser Begegnung. Dass sich die Besucherinnen und Besucher nach Jahrzehnten noch an die Begegnungen mit seinen Vorgängern erinnern und glücklich darauf zurückblicken, freut den 16-Jährigen.
Nachfolge lange nicht klar
Nachdem Bens Großvater Hermann angekündigt hatte, dass er den Mummelseekönig aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spielen kann, musste ein Nachfolger gefunden werden. Über Monate habe man niemanden finden können. Hotelchef Karl-Heinz Müller hatte zwar einige Bewerbungen, niemand habe aber so gut zur Rolle gepasst wie Ben. Als der sich beim letzten Auftritt seines Großvaters bereit erklärt hat, ist Karl-Heinz Müller ein Stein vom Herzen gefallen.
Es war eine Riesenfreude und eine Riesenerleichterung, dass wir die Stelle jetzt wieder live besetzt haben.
Besucher am Mummelsee waren begeistert
So ganz zufrieden war Ben mit seinem Auftritt zwischenzeitlich nicht. Gerade die Interaktion mit den Besuchern und das Laufen auf den umständlichen Stelzenschuhen erfordern Übung. Davon hat heute aber niemand etwas mitbekommen. Und auch sein Opa Hermann ist stolz auf ihn und seinen Auftritt als neuer Mummelseekönig. Wer den Mummelseekönig einmal mit eigenen Augen sehen möchte, der sollte es am besten an einem Wochenende mit gutem Wetter versuchen. Mit ein bisschen Glück steigt der König aus dem See und begrüßt die Gäste.