Der Stadt Karlsruhe steht das Wasser finanziell bis zum Hals. Von notwendigen Sparmaßnahmen bleibt auch der öffentliche Nahverkehr mit Bus- und Bahn nicht verschont. Laut einem im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Konzept sollen Stellen wegfallen, das Fahrplanangebot soll gekürzt werden. Am 23. Juli berät der Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) erneut. Im Herbst entscheidet der Gemeinderat. Für Kürzungen gibt es scheinbar keine Alternative.
Verkehrsbetriebe Karlsruhe: 100 Stellen sollen wegfallen
Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe schreiben tiefrote Zahlen. Ein Minus von mehr als 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr musste die Stadt Karlsruhe ausgleichen. Dieses Defizit muss kleiner werden, wenn die Stadt ihre Sparziele für den anstehenden Doppelhaushalt 2026/27 erreichen will.
Bei den Verkehrsbetrieben soll nun ein drei Stufen umfassendes Papier umgesetzt werden, über das seit einem Jahr heftig diskutiert wird. Das Konzept, das dem SWR vorliegt, sieht in verschiedenen Varianten Einsparungen bei städtischen Bussen und Tramlinien vor. Takte sollen verlängert und Fahrpläne ausgedünnt werden. Bei längeren Takten würden Busse oder Bahnen auf manchen Linien nur noch alle 20 oder 30 Minuten statt wie bisher alle zehn Minuten fahren. Auch beim Personal wird gespart. Nach aktuellen Informationen dürften 100 Vollzeitstellen bei den Verkehrsbetrieben wegfallen, wenn der Gemeinderat zustimmt.
Längere Takte, umstrukturierte Linien Verkehrsbetriebe Karlsruhe müssen sparen: Wird der Fahrplan ausgedünnt?
Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe planen angesichts hoher Verluste Einsparungen in Millionenhöhe. Nach SWR-Informationen könnte das Fahrplanangebot bei Tram und Bus ausgedünnt werden.
Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen?
Die Verkehrsbetriebe haben auf SWR-Anfrage bestätigt, dass dem VBK-Aufsichtsrat die Sparpläne vorliegen. Das Gremium werde nun darüber beraten und dann eine Empfehlung für den Gemeinderat abgeben. Der Gemeinderat trifft im Rahmen der Haushaltsberatungen im Herbst die Entscheidung, welche Maßnahmen umgesetzt werden.
Alle im Aufsichtsrat der VBK vertreten Fraktionen haben betont, dass bei den VBK keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden sollen.
In der derzeit wahrscheinlichen Sparvariante stehen 100 Stellen auf dem Spiel. Sie sollen in den kommenden Jahren zunächst über die normale Fluktuation, etwa durch Renteneintritte, abgebaut werden.
VBK-Betriebsratsvorsitzende: "Sparmaßnahmen wären ein Rückschritt"
Die Sparmaßnahmen seien viel zu kurz gedacht, so die VBK-Betriebsratsvorsitzende Silke Oberle gegenüber dem SWR. Wenn in Karlsruhe bis zu 30 Prozent des Nahverkehrs wegfielen, hätte das drastische Auswirkungen für alle.
Wir laufen rückwärts und nicht vorwärts. Das ist ein Rückschritt in alte Zeiten.
Eine Taktverlängerung mit der damit verbundenen Verlängerung von Bahnen wäre außerdem eine Herausforderung für die Haltestellen in Karlsruhe. Verspätungen wären unvermeidbar, so Oberle. Die Betriebsratsvorsitzende fürchtet, dass die Verkehrsbetriebe durch das gekürzte Fahrplanangebot Fahrgäste und Abokunden verlieren könnten. Einnahmen würden einbrechen. Trotzdem müssten Gleise teuer saniert werden. Der Schaden sei langfristig größer als der Nutzen, so Oberle weiter.
Sparkonzept bleibt im Karlsruher Gemeinderat umstritten
Kritik kommt auch von der größten Fraktion im Gemeinderat. Der Fraktionssprecher der Grünen, Aljoscha Löffler, hält nichts davon, das Angebot im Nahverkehr drastisch zu kürzen. Sollte es bei diesem Sparpaket bleiben, würden die Grünen bei der Entscheidung nicht mitgehen. Stattdessen müssten innerbetriebliche Einsparmöglichkeiten bei den Verkehrsbetrieben stärker berücksichtigt werden, sagte Löffler gegenüber dem SWR.
Die Entscheidung über das Sparpaket wird trotz angespannter Haushaltslage offensichtlich kein Selbstläufer.