Das Mietrecht ist ein Dauerbrenner am Bundesgerichtshof (BGH). Und auch der Fall, der am vergangenen Freitag vor der fünfköpfigen Richterbank verhandelt wurde, scheint auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich zu sein: Ein Mieter aus Konstanz will von seinen Vermieterinnen die Kaution zurückhaben. Übliche Routine also? Nicht ganz – anders als in einem echten Rechtsstreit verhandeln in diesem Verfahren keine Rechtsanwälte, sondern Jurastudierende. Auch der Rechtsstreit ist fiktiv; denn es handelt sich um das Finale des ELSA Moot Courts am BGH.
Moot Courts als Simulation einer Gerichtsverhandlung
In einem Moot Court simulieren Jurastudierende ein Gerichtsverfahren möglichst realistisch. Indem sie in die Rolle eines Anwalts vor Gericht schlüpfen, erhalten sie einen wertvollen Einblick in die Praxis eines Rechtsanwalts. So können sie besser einschätzen, ob ihnen dieser Beruf gefällt. Veranstaltet wurde der Moot Court von der Studierendenvereinigung European Law Students‘ Association (ELSA). Die Teams, die die Chance bekamen, vor dem BGH zu verhandeln, kommen aus Hamburg und Berlin. Vorher hatten sie sich in mehreren Vorrunden durchgesetzt. Im Finale in Karlsruhe mussten sie nun den “Moot-Court-Senat" des BGH, bestehend aus drei BGH-Richtern sowie zwei Anwälten beim BGH, überzeugen.
Patt im Streit um die Kaution – Moot-Court-Sieg geht nach Hamburg
Die beiden Teams gaben alles und am Ende konnten sich die fiktiven Mandanten auf beiden Seiten freuen: Es gab einen Vergleich. Die Richter haben also kein Urteil gefällt. Stattdessen haben sich die Parteien darauf geeinigt, dass die Vermieterinnen nur einen Teil der Kaution zurückzahlen müssen.
Ganz ohne Entscheidung kam die Richterbank aber nicht aus: Sie musste aus den beiden Teams einen Sieger küren. Den Richterinnen und Richtern kam es hierbei auf die juristische Kompetenz, aber auch auf das Auftreten der Nachwuchsjuristen an. Denkbar knapp gewann das Hamburger Team, das durch seine besonders praxisorientierte Argumentation überzeugen konnte.
Die Richter zeigten sich jedoch beeindruckt von der Leistung beider Teams, gerade weil sich die jungen Teilnehmer noch mitten im Studium befinden. „Solch ein Auftreten erwarten wir auch, wenn hier Anwälte vor dem BGH verhandeln“, so BGH-Richter Alfred Rust.
Berufswunsch Rechtsanwalt?
Ob sie aber später einmal echte Mandanten vor Gericht vertreten wollen, steht für die Finalisten des ELSA Moot Courts noch nicht fest. Aus dem ersten Einblick in die anwaltliche Praxis ziehen sie ein unterschiedliches Resümee: Während den beiden Hamburgerinnen Luca Sonntag und Miriam Heuer die Rolle als Anwältin „richtig Spaß gemacht“ hat, sehen sich Maralena Eichholz und Matthias Nikutta aus Berlin später “eher auf der Richterbank oder in der Wissenschaft”. Unabhängig vom konkreten Berufswunsch betont BGH-Richter Rust, dass Moot Courts Studierenden ein erstes Gefühl dafür geben, wie sich das im Studium erlernte Wissen praktisch umsetzen lässt. In jedem Fall war der Moot Court für beide Teams eine wertvolle Erfahrung – das machte auch Gewinnerin Luca Sonntag deutlich: “Ich bin am Ende sehr viel selbstbewusster geworden.”