In Karlsruhe hat am Sonntag in der Südstadt die 13. Vesperkirche wieder ihre Tore geöffnet. Rund 250 Ehrenamtliche sind bis zum 8. Februar im Einsatz.
Menschen schätzen die Gemeinschaft in der Vesperkirche
"Warmherzig, gemeinschaftlich, friedlich und wohlwollend": So bezeichnet Helfer Arnulf Lucas die Vesperkirche. Das sind auch die Gründe, weswegen die Vesperkirche bei den Besucherinnen und Besuchern gut ankommt.
Es gibt Mittagessen, Kaffee und Kuchen, dann können wir wieder gehen. Ich komme hier jetzt schon jahrelang her. Also das ist wirklich sehr gut.
Ich bin alleine und dann ist es schön, wenn man sich unterhalten kann. Es gibt viel Neues zu erzählen. Das macht mir Freude.
SWR-Reporterin Mirka Tiede gibt einen Einblick in die Vesperkirche:
"Wer möchte noch Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade? Seid ihr alle bedient?" Am Servierwagen ist Arnulf Lucas voll in seinem Element. Seit über zehn Jahren packt er in der Vesperkirche mit an. Ihm selbst gehe es gut, sagt er. Deswegen möchte er etwas zurückgeben. Er findet, dass das mehr Leute tun sollten.
Es geht doch einer großen Mehrheit gut. Und ich denke, die sollen das mal zuerst erkennen. Und dann auch bereit sein, was abzugeben.
Spenden in der Vesperkirche: Kleine Sachen sind manchmal wichtiger
In der Karlsruher Vesperkirche läuft vieles über Spenden. Sie werden im Lager unter anderem von Solveik Bugge und Albert Maier sortiert. Zahnbürsten, Shampoo oder Duschgel - in der Vesperkirche freut man sich über alles, was gebraucht wird und auf der Straße nicht immer greifbar ist.
Manchmal sind die kleinen Sachen viel wichtiger als irgendwelche Riesenaktionen oder Geschenke.
Mit der Zeit lernt man die Leute kennen, die auf der Straße leben. Ich sage mal eins, wenn ich jemanden weiß, der auf der Straße liegt, dann gebe ich ihm lieber eine Dose Wurst oder mache ihm ein Vesperbrot. Dann hat er mehr davon als von etwas anderem.
In der Vesperkirche kommen Arm und Reich zusammen. Das findet Albert Maier wichtig, weil es noch mal einen anderen Einblick gibt. "Die Reichen oder die, die etwas haben, sollen sich mal Gedanken machen, wie ein Armer überhaupt in diese Situation gekommen ist", sagt er. "Durch einen Todesfall, die Eltern sind verstorben, Job verloren oder geschieden - es sind verschiedene Sachen."
Vesperkirche Karlsruhe: Rund 300 Besucher täglich
Für das Mittagessen und ein Vesper zum Mitnehmen wird um eine Spende von einem Euro gebeten. Erwartet werden täglich rund 300 Besucher. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 8.500 Essensportionen ausgegeben.
Wir steuern auf etwa 9.000 Essen zu.
Neben der Johanniskirche am Werderplatz gibt es eine weitere Ausgabestelle in einem Tagestreff für obdachlose Menschen. Viele Gemeinden und Kommunen in Baden-Württemberg haben mit ihren Finanzen zu kämpfen. Die Auswirkungen bekommt auch die Pfarrerin der Vesperkirche, Lara Pflaumbaum, mit. Sie hat schon erlebt, wie andere Sozialeinrichtungen in Karlsruhe schließen mussten.
Meine Befürchtung ist erst mal, dass eine Grundhaltung entsteht, dass die Leistungen einfach nicht notwendig sind.
Die Pfarrerin freut sich über eine große Hilfsbereitschaft: "Wir sind überschwemmt worden von Kleiderspenden, von wirklich guten Sachen." Dafür sei sie sehr dankbar. Wichtig ist Pflaumbaum, dass die Vesperkirche in der Johanniskirche stattfindet. Hier herrsche eine ganz besondere Atmosphäre, in der sich die Menschen zu Hause fühlen und sich auch öffnen würden.
Von Tierarzt bis Friseur: Viele Angebote für Bedürftige
In der Johanniskirche erwartet bedürftige oder einsame Menschen neben einem warmen Mittagessen Gemeinschaft, eine tägliche Andacht und ein Kulturprogramm.
Dazu kommen weitere Angebote wie eine Kleiderkammer, ein Arzt und ein Tierarzt. Auch ein Friseur und ein Hundefriseur werden an einigen Terminen zu Gast sein.