Wohnraum in Karlsruhe ist knapp. Das Projekt von Immobilienunternehmer Christoph Gröner in der Karlsruher Nordstadt sollte ein wenig Entlastung bringen. Immerhin 1.000 Wohnungen in Greenville auf dem sogenannten C-Areal verspricht Gröners Firma CG Elementum, und das seit vielen Jahren. Aber statt dem Spatenstich droht nun Streit und jahrelanger Leerlauf. Nach Ablauf von Fristen prüft die Stadt nun juristische Schritte. Der Wohntraum droht zu platzen. Das Areal verödet weiter.
Darum geht's:
- Müll und Stillstand auf dem C-Areal in der Karlsruher Nordstadt
- Keine Bagger, keine Lösung: Kein Baustart bei Greenville
- Gröner-Projekte zwischen Insolvenz und drohender Zwangsversteigerung
- "Blühendes Leben" - Was aus dem C-Areal in Karlsruhe werden könnte
Müll und Stillstand auf dem C-Areal in der Karlsruher Nordstadt
Das Gelände zwischen dem Alten Flugplatz und der Erzbergerstraße im Karlsruher Norden ist sich selbst überlassen. Ein abgestellter kleiner Bagger neben ein paar Versorgungsschächten im Boden ist der einzige Hinweis auf mögliche Bauarbeiten. Absperrgitter liegen verbogen im Gestrüpp. Kaputte Holzplatten modern stapelweise vor sich hin.
Fensterscheiben an einem alten Industriegebäude sind zersplittert, die Räume brannten an einem Junimorgen aus. Der ehemalige Supermarkt daneben ist verlassen und mit Brettern vernagelt. Banner und Plakate, die hier noch vor einem Jahr Werbung für den Traum von "Greenville" machten und "blühendes Leben" versprachen, sind verschwunden. Hier passiert nichts. Das C-Areal in der ehemaligen Amerikanersiedlung wird zur No-Go-Area.
Keine Bagger, keine Lösung: Kein Baustart bei Greenville
Der in Karlsruhe für das C-Areal zuständige Projektentwickler CG Elementum vertröstet seit Jahren. Ursprünglich stellte Gröners Firma eine Fertigstellung von Greenville bis 2027 in Aussicht. Im Karlsruher Rathaus wartet man bislang vergeblich auf entsprechende Bauanträge. Vergangenen Dezember lief die Antragsfrist für ein Baufeld aus. Diese Frist wurde bis September 2025 verlängert.
Außerdem sollten im Dezember zwei Architekturwettbewerbe auf den Weg gebracht werden. Auch in diesem Fall ist nichts passiert.
Die Stadtverwaltung [prüft] fortlaufend auch die zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten sowie mögliche Schritte zur Durchsetzung bestehender Ansprüche.
Gröner schuldet Karlsruhe Millionen - Stadt prüft Vertragsstrafen
Im April waren die von Gröners Unternehmen versäumten Fristen und mögliche Vertragsstrafen Thema im Karlsruher Gemeinderat. Mittlerweile sind einzelne Fristen abgelaufen. Das bestätigte die Stadt auf SWR-Anfrage, ohne dabei konkret zu werden.
Für den Fall der Nichteinhaltung der Fristen sind Vertragsstrafen vertraglich vereinbart. Entsprechende Maßnahmen bei weiteren Verzögerungen wurden bereits gegenüber dem Vertragspartner thematisiert. Die Stadt befindet sich dazu derzeit in der internen (juristischen) Abstimmung.
Nach Informationen, die dem SWR vorliegen, hätte der Projektentwickler Anfang Juli einen einstelligen Millionenbetrag für fällige Gebühren an die Stadt zahlen müssen. Auch diese Forderung ist offen. Wie die Stadt mit der offenen Forderung umgeht, ist ungeklärt.
Es gibt weiterhin keine Neuigkeiten zum Projekt Greenville, dessen Realisierung weiterhin geplant ist, zu vermelden. Als Projektentwickler liegt es grundsätzlich nicht in unserem Interesse, Projekte im Bestand zu halten, sondern Immobilien weiter zu veräußern.
Gröner-Projekte zwischen Insolvenz und drohender Zwangsversteigerung
Gegen zahlreiche Projektgesellschaften des Gröner-Imperiums laufen seit Monaten Insolvenzanträge. Die für das C-Areal in Karlsruhe zuständige CG Elementum ist davon nicht betroffen. Dagegen hat das Amtsgericht Leipzig inzwischen das Insolvenzverfahren gegen eine der zwei Dachgesellschaften eröffnet, die Gröner Group GmbH.
Wie in Karlsruhe hat man auch in Leipzig jahrelang auf die Umsetzung großer Pläne durch Gröner-Projektentwickler gewartet. Im Leipziger Stadtteil Mockau sollte ein modernes Gewerbe-Quartier für 180 Millionen Euro entstehen. Aus den großen Plänen wurde bislang nichts. Im Juni hatte das Amtsgericht Leipzig zunächst einen Termin für die Zwangsversteigerung des Grundstücks festgesetzt. Der Termin ist inzwischen wieder aufgehoben.
Parallel laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig wegen möglicher Insolvenzverschleppung. Aktuelle Medienberichte über ein Gutachten des Insolvenzverwalters sprechen von massiven Ungereimtheiten bei der Umstrukturierung des Gröner-Imperiums bis hin zu Insolvenzverschleppung. Christoph Gröner weist diese Vorwürfe entschieden zurück.
"Blühendes Leben"? - Was aus dem C-Areal in Karlsruhe werden könnte
Greenville in der Karlsruher Nordstadt - der Glaube daran ist verflogen. Dass Gröners CG Elementum in absehbarer Zeit auf dem C-Areal 1.000 Wohnungen baut, hält kaum ein Stadtrat für möglich, angesichts der Krise des Immobilienunternehmers. Als Stadt gegen Gröners Firma juristisch vorzugehen und Zahlungen einzuklagen, verspricht auch wenig Erfolg. Der Streit würde Jahre dauern.
Auf dem C-Areal passiert die nächsten zehn Jahre nichts.
Rutscht der Projektentwickler in die Insolvenz, droht die Zwangsversteigerung des Geländes. Mit neuen Eigentümern und neuer Planung wäre das Projekt wie vor zwölf Jahren auf dem Nullpunkt. Das würde auch gelten, wenn Gröner das C-Areal scheibchenweise weiterverkauft.
Das Projekt Greenville in Karlsruhe steckt in der Sackgasse. Statt "blühendem Leben" ist auf dem C-Areal einfach weiter nichts.