Die beiden Kätzchen Fiene und Franzi schauen neugierig von ihrem Kratzbaum. Es dauert nicht lange, bis sie um die Beine von Katzenmama Heidrun Mahl streichen und erwartungsvoll hochschauen. "Die beiden erwarten eigentlich etwas zu essen", sagt sie und lacht. Die 65-Jährige nimmt die pechschwarze Fiene auf den Arm. Was für viele auf den ersten Blick einfach nur süß und flauschig aussieht, ist für die Rentnerin ein 24-Stunden-Job. Ein Job, der sie manchmal auch ziemlich frustriert.
Tierschützerin kümmert sich um streundende Katzen
Heidrun Mahl aus Hambrücken (Kreis Karlsruhe) ist seit vielen Jahren im Tierschutz engagiert und kümmert sich um streunende Katzen. Meistens nimmt sie hilflose Kitten auf, also Katzenbabys, die durch Zufall entdeckt werden und dann bei ihr landen. Als Pflegestelle ist Heidrun Mahl wie eine Art Zwischenstation, bevor die Katzen an Familien vermittelt werden. Außerdem arbeitet sie eng mit dem Tierheim Bruchsal zusammen, das auch zum Teil die anfallenden Kosten übernimmt. "Alleine könnte das Tierheim die Arbeit gar nicht stemmen", sagt sie. Vor allem, weil es ihrem Eindruck nach immer mehr streunende Katzen gibt.
Zwölf Katzen wohnen gerade in ihrem Haus
Die Katzen sollen bei ihr eigentlich nur kurz unterkommen. Eigentlich. Die Realität ist oft eine andere. Manche Tiere seien schnell vermittelt, sagt sie. Bei anderen dauere es Monate, bis sie ein neues Zuhause finden. Insgesamt zwölf Katzen versorgt sie derzeit in ihrem Haus.
So wie Fiene und Franzi landeten viele Kätzchen bei der 65-Jährigen. Sie wurden als Babys mit noch zwei anderen Geschwistern auf einem Bauernhof bei Bruchsal entdeckt. Die Katzenmutter sei plötzlich nicht mehr aufgetaucht und so wurden sie nicht mehr versorgt. Heidrun Mahl wurde direkt kontaktiert und hat die kleinen Kätzchen in ihre Obhut genommen. Und dann hieß es erst einmal: aufpäppeln. Alle vier Findelkinder waren mit der Katzenseuche infiziert.
Gespräch mit Heimtierexpertin Judith Förster Was man bei frei laufenden Katzen beachten sollte
Wir haben mit Dr. Judith Förster, Heimtierexpertin bei der Tierschutzstiftung Vier Pfoten, über die Haltung frei laufender Katzen gesprochen.
Katzenretterin Heidrun Mahl: "Man ist den ganzen Tag beschäftigt"
Die Katzen sind in den ehemaligen Kinderzimmern ihrer drei Söhne untergebracht. Die hat sie kurzerhand zu Katzenzimmern umfunktioniert. Neben Füttern und Katzenklo säubern, versorgt sie die Tiere auch mit Medikamenten, bringt sie zum Arzt und leistet ihnen auch mal Gesellschaft. Mehr als ein Vollzeitjob.
Dafür verzichtet Heidrun Mahl größtenteils auf ihre eigene Freizeit. "In den Urlaub fahren wir für maximal eine Woche pro Jahr. Länger geht nicht", sagt sie. In der Zeit kümmern sich Bekannte oder Mitglieder aus dem Tierschutzverein um die Tiere. Und manchmal verzichtet sie auch auf Schlaf. Zum Beispiel, wenn sie neugeborene Kätzchen aufnimmt, die auch in der Nacht alle zwei Stunden mit der Flasche gefüttert werden müssen. "Es ist nicht einfach so, dass man sie etwas betüddelt. Man ist den ganzen Tag beschäftigt."
Tierschützerin fühlt sich von Politik allein gelassen
So viel Leidenschaft, wie Heidrun Mahl in ihr Engagement reinsteckt, so frustriert ist sie gleichzeitig. In den vergangenen vier Jahren habe es immer mehr streunende Katzen rund um Hambrücken gegeben, die sich unkontrolliert vermehren, sagt sie. Früher habe es noch "Frühjahrs- und Herbstkätzchen" gegeben. Mittlerweile haben sie und das Tierheim Bruchsal das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun.
Sie sieht die Politik in der Verantwortung und fordert eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. "Es frustriert, wenn die Politik und die Gemeinden das ganze Problem nicht sehen, auch ignorieren und die Katzenschutzvereine im Regen stehen lassen", sagt sie.
Eigentlich wünsche ich mir, dass keine wildlebenden Katzen mehr geboren werden.
Eine flächendeckende Katzenschutzverordnung ist für die 65-Jährige essentiell, um das Problem der unkontrollierten Vermehrung von Katzen anzugehen. Sie fordert, dass sie als Katzenschutzvereine, die Möglichkeit haben sollen einzugreifen. Das geht jedoch nur mit dem Erlass einer solchen Verordnung. "Wenn wir wissen, dass auf einem Bauernhof 20 Katzen leben, die unkastriert sind, wollen wir die Möglichkeit haben, diese Katzen dort zu kastrieren." So könne viel Leid verhindert werden, sagt Heidrun Mahl. Doch bisher seien alle Bemühungen, die Gemeinderäte von einer Katzenschutzverordnung zu überzeugen, gescheitert.
Auch das Tierheim Bruchsal fordert auf der eigenen Website die Politik zum Handeln auf. "Wie viele müssen noch kämpfen und sterben, bis die Kastrationspflicht endlich da ist?", steht dort in einem Hilferuf geschrieben.
Man muss immer abschätzen: Was ist das Beste für das Tier?
Mona Lindenfelser vom Tierheim in Bruchsal ist dankbar für Menschen wie Heidrun Mahl. Durch die Arbeit mit Pflegestellen hätten sie mehr Kapazitäten sich um kranke oder verletzte Tiere zu kümmern. Besonders die Pflege der Kitten, die Heidrun Mahl übernimmt, sei eine Unterstützung. "Wenn wir in unserer Hochphase alle Kitten aufnehmen müssten, wären wir hier in zwei Tagen voll", sagt Lindenfelser.
Katzenschutzverordnung in verschiedenen Städten in BW
Unter anderem in Pforzheim, Karlsruhe, Heilbronn und Mannheim ist eine Katzenschutzverordnung bereits in Kraft getreten. Jede Freigängerkatze muss dort künftig registriert sein, um nicht als herrenlos zu gelten. Zudem müssen alle Tiere, die sich frei bewegen dürfen - weibliche wie männliche - kastriert werden. Darüber hinaus dürfen Tierschützer dort ganz offiziell wild lebende Katzen einfangen und zur Behandlung und Kastrierung zum Tierarzt bringen. Die Stadt Pforzheim stellt dafür beispielsweise 25.000 Euro im Jahr zur Verfügung.
Trotz der vielen Arbeit, die die Kätzchen ihr machen, ist Heidrun Mahl mit ganzem Herzen dabei. Die Energie für ihr Engagement nimmt sie aus ihrer Liebe zu den Tieren. Dieses Elend, wenn sie die Kätzchen sieht, könne sie nicht einfach so hinnehmen. Deswegen macht sie weiter, sie fühlt sich für die Tiere verantwortlich - auch wenn sie sich von der Politik alleingelassen fühlt.
Menschen haben dieses Problem gemacht. Und ich bin kein Mensch, der wegschaut.