Der Stromausfall in Berlin hat laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gezeigt, wie wichtig es ist, dass die kritische Infrastruktur stabil ist. "Wir haben alle gesehen, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist", so Merz im Koalitionsausschuss. Die Bundesregierung will deshalb die kritische Infrastruktur künftig besser vor Angriffen schützen.
Auch Baden-Württemberg will deren Schutz weiter verbessern und sich auf unerwartete Krisen besser einstellen, sieht sich aber auf einem guten Weg: "Wir sind gut vorbereitet. Die hundertprozentige Absicherung wird es nie geben können, aber wir können alles tun, um eine gute Notfallvorsorge zu schaffen", sagt Karin Scheiffele, Leiterin der Abteilung Bevölkerungsschutz im Landesinnenministerium, in der Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg."
Behörden raten zur Notfall-Vorsorge für Katastrophenfall
Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zählt Deutschland zu den sichersten Ländern der Welt. Dennoch ist ein Ausfall der kritischen Infrastruktur auch in Baden-Württemberg jederzeit möglich: Ob Naturkatastrophen wie die Flut im Ahrtal, Hackerangriffe von Erpressern, Drohnenflüge über Flughäfen oder gebrochene Wasser- und Gasleitungen - die Katastrophenszenarien sind vielfältig.
Das Land richtet deshalb derzeit sogenannte Notfall-Anlaufstellen ein, an denen Bürgerinnen und Bürger im Ernstfall Hilfe und Informationen erhalten oder den Rettungsdienst rufen können. Vor allem im Fall eines Blackouts wie in Berlin, sind solche Orte wichtig. Das baden-württembergische Innenministerium rät der Bevölkerung auch, sich für den Ernstfall vorzubereiten und hat dafür einen eigenen Notfall-Ratgeber erstellt.
In diesem empfiehlt das Ministerium, dass sich die Bürgerinnen und Bürger mit Lebensmitteln und Getränken eindecken sowie Medikamente, Akkus oder Kerzen vorhalten. Idealerweise für zehn Tage, mindestens jedoch für drei.
Vorbereitung auf Krisen: Notfallkurse des DRK boomen
Aber wie bereitet man sich konkret auf eine Krise vor? Gerhard Krayss und Patrick Herrmann vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) geben in Ravensburg kostenlose Kurse zur Notversorgung. Sie erklären den Kursteilnehmern unter anderem, was in einen Notfallrucksack kommt. "Wenn die Situation eintritt, hat man nicht mehr die Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, weil man muss eventuell schnell die Wohnung verlassen oder das Haus", sagt Hermann.
Zu der Ausstattung gehören auch Kohletabletten, um Trinkwasser aufbereiten zu können, wenn die Leitungen beschädigt sind und ein sogenanntes Kurbelradio. Das lässt sich durch manuelles Kurbeln aufladen mit Energie, so dass man im Falle eines Stromausfalls trotzdem an Informationen gelangen kann.
Die Kurse sind regelmäßig ausgebucht. "Wahnsinn. Die Menschen haben hier Anfahrtswege in alle Richtungen von über einer Stunde, um dieses Seminar zu besuchen", ist Krayss sichtlich erstaunt. Das DRK hat deshalb sein Kursangebot mittlerweile aufgestockt, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden.
Steigendes Bedürfnis nach Notfallvorsorge
Das wachsende Bedürfnis vieler Menschen, sich auf mögliche Krisen vorzubereiten, spürt auch Philipp Nater beim Eingang von Kundenbestellungen: "Der Blackout in Berlin hat jetzt wieder ein bisschen was ausgelöst." Nater bietet mit seiner Firma in Rielasingen (Kreis Konstanz) Überlebensrationen an. Das Sortiment reicht von Kartoffelpüree, laktosefreiem Risottoreis, Haferflocken und Mehl bis Hörnchennudeln - alles hochkonservierte Lebensmittel, die zehn Jahre oder länger haltbar sind. Auch für sich selbst hat er bereits mit ausreichend Lebensmitteln für den Notfall vorgesorgt.
Mit Unverständnis blickt er auf Menschen, die sich keinen Vorrat für Krisenzeiten anlegen: "Das ist ja eigentlich wahnsinnig, wenn man denkt, dass Leute sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt haben. In der ganzen Menschheitsgeschichte geht’s ja darum: Wie kriege ich Nahrungsmittel?" Das Angebot hat aber seinen Preis: Überlebenspakete für einen Monat kosten pro Person 320 Euro. Für vier Jahre belaufen sich die Kosten auf rund 15.000 Euro. Und auch das werde bestellt, sagt er.
Sicherheitsexperte: Üben von Notfallplänen ist wichtig
Sicherheitsexperte Mirko Ross hält davon wenig. "Ich glaube, man sollte sich überlegen, was ist wirklich notwendig", sagt er bei "Zur Sache! Baden-Württemberg". Insbesondere um das Anhäufen von Lebensmittelvorräten für mehrere Wochen gehe es im Katastrophenfall weniger. "Da reden wir dann von apokalyptischen Szenarien, vom Zusammenbruch der Gesellschaft, davon sind wir weit entfernt." Er plädiert dafür, vor allem im privaten Bereich entspannter auf das Thema Notfall-Vorsorge zu schauen. Es würde der Gesellschaft insgesamt mehr bringen, wenn die Menschen sich ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THW), dem DRK oder der Freiwilligen Feuerwehr engagieren würden.
Ross berät mit seiner Firma viele Unternehmen und Betreiber von kritischer Infrastruktur wie zum Beispiel Energieversorger. Wichtig ist laut ihm vor allem, dass "nach Angriffen nicht alles zusammenbricht." Der Brandanschlag in Berlin und der daraus resultierende Blackout seien ein Negativbeispiel dafür, was alles passieren und schlecht laufen könne. Er appelliert, die Katstrophenpläne und bekannten Schwachstellen genauer anzuschauen, um die Auswirkungen von Krisen möglichst gering zu halten: "Das Üben von Notfallplänen ist das Entscheidende, um zu schauen, wo funktioniert es nicht, damit Menschen eben nicht tagelang im Dunkeln sitzen, sondern, dass man solche Ausfälle schnell beheben kann."