Höhen und Tiefen - das haben Markus Böhm und Heike Mücke bei Mahle schon öfter erlebt. Die beiden sind seit rund 30 Jahren im Unternehmen. Beide arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung, sie in Stuttgart-Feuerbach, er in Bad Cannstatt. Doch nun sorgen sie sich um ihre Arbeitsplätze - denn das Unternehmen plant Stellenstreichungen, genau in ihrem Bereich.
"Ich sehe keine Zukunft", sagt Prüffeld-Mechanikerin Heike Mücke. Wenn sie über die Situation nachdenke, bekomme sie Gänsehaut. "Wir sollen am Ball bleiben, aber wie soll man am Ball bleiben, wenn die Entwicklung eingespart wird?" Wenn die Entwickler gehen müssten, habe auch sie am Prüfstand keine Arbeit mehr. Früher sei sie gerne ins Geschäft gegangen - heute, auch in Kurzarbeit, frage sie sich: "Habe ich noch etwas zu tun?"
1.000 Stellen sollen abgebaut werden - möglichst sozialverträglich
Ab 2026 will Mahle jährlich rund 150 Millionen Euro einsparen, 1000 Arbeitsplätze sollen weltweit wegfallen. In Deutschland soll eine mittlere dreistellige Zahl an Stellen gestrichen werden - vor allem in der Konzernzentrale in Stuttgart, in der Verwaltung und eben im Bereich Forschung und Entwicklung.
Nach Angaben von Mahle soll der Jobabbau sozialverträglich geschehen und möglichst über Abfindungs- und Vorruhestandsprogramme laufen.
Unternehmen verschärft Sparkurs Automobilzulieferer Mahle will weitere 1.000 Stellen streichen
Autoindustrie in der Krise: Der Autozulieferer Mahle muss sparen. Das Unternehmen will weltweit 1.000 Stellen streichen. In Deutschland ist vor allem Stuttgart betroffen.
Betriebsversammlung in Stuttgart: Mahle-Beschäftigte kampfbereit
Bei einer Betriebsversammlung an diesem Freitag in Stuttgart zeigten sich viele Beschäftigte des Autozulieferers betroffen, aber auch kampfbereit. Etwa 1.000 Menschen seien vor Ort gewesen, mehrere Tausend Mitarbeitende hätten die Versammlung online verfolgt - unter anderen in Stuttgart Feuerbach, Schorndorf und auch an einem Standort in Thüringen, so der Betriebsratsvorsitzende Boris Schwürz. Aufgerufen zu der Versammlung hatte der Gesamtbetriebsrat des Unternehmens.
Die Arbeitnehmervertreter hätten klar gemacht, dass sie würden in Gesprächen mit der Geschäftsführung über das angekündigte Sparprogramm keine Vorschläge akzeptieren würden, die einseitig zu Lasten der Beschäftigten gingen, sagte Schwürz. Die Zustimmung dazu sei groß gewesen. Denn: Die Unsicherheit bei den Beschäftigten sei "gerade sehr groß".
Im Vorfeld der Betriebsversammlung hieß es von der IG Metall, dass es bislang noch keine Gespräche mit der Mahle-Geschäftsleitung über den geplanten Jobabbau und mögliche Abstriche beim Entgelt der Mitarbeitenden gegeben habe. Die Gewerkschaft sei bereit, über Zugeständnisse zu sprechen - allerdings müsse das Unternehmen dafür eine Gegenleistung anbieten.
Warum Mahle spart? Marktlage in der Branche insgesamt schwach
Gründe für die jüngst angekündigten Sparmaßnahmen sind Mahle zufolge schrumpfende Märkte, steigende Kosten und der Druck in der Automobilindustrie generell - vor allem durch den Wandel hin zur E-Mobilität. Konzernchef Arnd Franz hatte zuletzt auch US-Zölle und den Wettbewerb mit China angeführt.
Bereits im Juli hatte Mahle aufgrund sinkender Umsätze rund 600 Stellen in Deutschland gestrichen. Zum Jahresende 2024 beschäftigte das Unternehmen noch rund 10.000 Mitarbeitende in Deutschland.
Vonseiten des Unternehmens heißt es auch in diesen Tagen, dass man mit den Beschäftigten Lösungen verhandeln wolle.
Wir handeln nicht leichtfertig. Der Konzern muss wettbewerbsfähig bleiben. Wir wollen gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern faire Wege finden.
"Hoffen und Kämpfen" - Beschäftigte sind verunsichert
Wie es nun konkret für sie weitergeht, wissen Markus Böhm und Heike Mücke nicht - auch nach der Betriebsversammlung bleiben ihnen viele Fragen. Immerhin, noch bis Ende des kommenden Jahres gilt eine Beschäftigungssicherung des Unternehmens. Und dann?
Von der Arbeitgeberseite aus habe es an diesem Freitag viele Worte gegeben, aber wenig Klarheit, sagt Heike Mücke. "Die Fragen, die ich hatte - welche Leute das betrifft, wie genau sie einsparen, seien nicht beantwortet worden, meint Mücke. "Ich glaube es ist keiner zufrieden aus der Versammlung gekommen." Immerhin, die Standorte stünden zusammen. Und was bleibe: "Hoffen und kämpfen - wir kämpfen immer."