Frauenfußball auf dem Land hat es immer noch schwer. Es fehlen Vereine, Mannschaften und vor allem Plätze. Auch Sponsoren, oder Kooperationen mit Profi-Vereinen sind Mangelware. Auch Möglichkeiten, sich sportlich zu steigern, sind rar. Doch woran es nicht fehlt, sind Engagement und Leidenschaft. Das zeigen die jungen Frauen beim SC Klinge Seckach (Neckar-Odenwald-Kreis).
Zwischen Leidenschaft und Aufwand
Dienstagabend, Training bei der U17-Mannschaft des SC Klinge Seckach. Nur einer von drei Vereinen im gesamten Odenwald, der eine reine Mädchenmannschaft hat. Die Spielerinnen im einheitlich roten Trikot passen und dribbeln sich durch einen Stangenwald, schießen Tore. Alle sind voll konzentriert und sichtbar mit Spaß bei der Sache.
Für dieses Hobby investieren sie und ihre Familien viel Zeit. Bis zu einer Stunde Anfahrt sind normal. Viele kommen aus dem Umland, manche sogar aus Bayern. So wie die 16-jährigen Mädchen Stella Balles aus Mudau und Lia Stadel aus Osterburken. Beide brennen für Fußball.
Wenn ich Fußball spiele, ist alles ein bisschen freier im Kopf. Es ist einfach ein Ausgleich zum Alltag, wenn was stressig ist.
Zudem kommt, dass der SC Klinge weder ein Vereinsheim noch einen eigenen Platz besitzt. Für Training und Heimspiele mietet man sich deshalb seit Jahren den Platz anderer Vereine. Dieses Jahr in Oberschefflenz und Rittersbach. Das bedeutet für viele Spielerinnen und ihre Eltern noch weitere Strecken.
Fehlende Infrastruktur und Geldsorgen beim Amateur-Frauenfußball
Der SC Klinge Seckach war einst Mitbegründer und jahrelang Mitglied der Frauen-Bundesliga. 1996 standen die Frauen aus dem Odenwald sogar im Pokalfinale. Dazu wurden hier Nationalspielerinnen und Nationaltrainerinnen gefunden und gefördert. Es gibt zwar Pläne, den Sportplatz im Kinderdorf Klinge, der dem Verein den Namen gab, umzubauen und endlich eine "Heimat zu haben." Aber dafür fehlen 750.000 Euro, sagt Präsident Thorsten Schmidt.
Unser Problem in der Region ist, dass wir wirtschaftlich schwach sind, dass die großen Unternehmen fehlen, die die kleinen Vereine sponsern und die Mädels fördern. Auch die Infrastruktur an Sportplätzen fehlt bei uns. Kunstrasenplätze sind ein ganz großes Thema.
Während in den Ballungsräumen noch genügend Mädchen- und Frauenmannschaften spielen, reicht es in ländlichen Gebieten oft nur für wenige Teams. In manchen Ligen wird sogar mit weniger Spielerinnen oder einem verkleinertem Feld gekickt. Immer wieder werden ganze Ligen gestrichen.
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Beim SC Seckach freue man sich über die Akzeptanz und die aktuelle Entwicklung im Frauenfußball. Im Alltag sei man aber mit großen Unterschieden konfrontiert. So werden wegen der vielen Jungs- und Herrenspiele am Wochenende fast nie Spielberichte der Mädchen in Zeitungen abgedruckt, sagen die Trainer. Auch der fehlende Übergang vom Mädchen- zum professionellen Frauenfussball fehle. Doch aufgeben kommt für niemanden in Frage.