Nach sechs Jahren Pause ist im Rhein-Neckar-Kreis wieder eine Ausbildungsrunde für RadGuides gestartet. Ziel ist es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu zertifizierten BANU-Wanderführern und ADFC-geprüften RadGuides auszubilden. Die umfassende Ausbildung, die aus 90 Einheiten besteht und 380 Euro kostet, bereitet die Teilnehmenden auf theoretische und praktische Prüfungen im Juli vor. Die Kooperation zwischen der Umweltakademie Baden-Württemberg und dem Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis soll das Angebot an regionalen Radtouren bereichern.
Letzte Unterrichtseinheit in der Schwetzinger Hardt
Am vergangenen Wochenende stand die letzte theoretische Einheit in der Schwetzinger Hardt auf dem Programm. Die Besonderheit des größten Waldschutzgebiets Baden-Württembergs: Eine abwechslungsreiche Flora und Fauna sowie die höchste Flugsanddüne des Landes.
Förster Fabian Ernst, zuständig für Waldpädagogik und Naturschutz im Rhein-Neckar-Kreis, betonte bei der letzten Tour die Herausforderungen der Schwetzinger Hardt: "Wir sind hier an einem Klimahotspot. Die sandigen Böden überall speichern Wasser schlecht, und der Wald leidet stark unter den Auswirkungen des Klimawandels." Sein Ziel ist es, den Umgang mit der Natur auch in der Ausbildung mit Nachdruck zu thematisieren.
Mir ist es wichtig, die RadGuides dafür zu sensibilisieren, die Natur zu schätzen und dieses Bewusstsein an ihre Gruppen weiterzugeben.
Neben Naturschutz gibt es auch andere Themen im Rahmen der Ausbildung: Rechtliche Rahmenbedingungen, lokale Gegebenheiten, Geologie, der Umgang mit Gruppen oder auch wie man gut präsentiert. Im Fokus: Die RadGuides dazu bringen, ihre Gruppen für die Schätze der Region begeistern zu können.
Leidenschaft für Rad und Region
Die Motivation der Teilnehmenden ist vielfältig, doch eines eint sie: Die Begeisterung für die Region und das Radfahren. Jürgen Schnepf, ein ehemaliger Geografie- und Sportlehrer aus Mannheim, war bereits Teil der ersten Ausbildungsrunde vor sechs Jahren und ist auch dieses Mal wieder dabei, um Fortbildungsstunden zu absolvieren. Seine Frau habe den heute 72-Jährigen damals auf das Ausbildungsangebot aufmerksam gemacht:"'Das ist doch was für dich", sagte sie. "Du fährst doch gerne Rad." Mit den Radtouren versüße er sich seinen Ruhestand. Er lacht: "Rad hält jung!" Mittlerweile führt er zwei bis dreimal im Jahr Radtouren durch. "Es ist mir egal, ob bei einer Tour zwei oder zehn Leute dabei sind - ich entdecke immer wieder Neues im Wald", erzählt er. Seine Touren führen ihn oft ins Flachland entlang von Rhein, Neckar und Bergstraße, wo er Geschichten über Römer, Biber oder Steinbrüche erzählt.
Auch Monika Schmid, 51, Controlling-Mitarbeiterin und vor 20 Jahren aus Ulm in den Rhein-Neckar-Kreis gezogen, sieht die Ausbildung als Bereicherung. "Vorher bin ich an vielen Dingen vorbeigeradelt, ohne die Zusammenhänge zu verstehen. Jetzt fügt sich alles wie ein Puzzle zusammen", sagt sie. Schmid plant Ganztagestouren mit bis zu 60 Kilometern und möchte Themen wie den historischen Tabakanbau in der Region aufgreifen. Für sie ist die Ausbildung eine willkommene Abwechslung zum Büroalltag und eine Möglichkeit, ihre Begeisterung für die Natur und die Rhein-Neckar-Region weiterzugeben.
Für Rouven Rebel, 46, Einkaufsleiter aus der Nähe von Heidelberg, war die RadGuide-Ausbildung eine logische Weiterentwicklung seines Hobbys. Bereits vor der Ausbildung organisierte er private Radtouren, stieß dabei aber an Grenzen, wenn Fragen aufkamen, die er nicht beantworten konnte. Nun plant er, Touren zu Themen wie Hexenverfolgung im Kraichgau anzubieten, die historische Orte und regionale Anekdoten verbinden. "Es geht darum, spezielle Themen aufzugreifen und anderen näherzubringen", erklärt er.
Tourismus und Regionalentwicklung im Fokus
Die Tourismusbeauftragte des Landratsamts, Beate Otto, sieht in der RadGuide-Ausbildung eine große Chance für die Region. "Mit dem Fahrrad hat man einen größeren Radius und kann die Vielfalt unserer Landschaft besser entdecken", sagt sie. Die RadGuides sollen nicht nur Aufmerksamkeit für unbekannte Kleinode abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Heidelberger Schloss schaffen, sondern auch Geschichten und Wissen über die Region vermitteln. "RadGuides verraten einem Wege und kleine Geschichten am Wegesrand, die man sonst übersehen würde", so Otto.