In Mannheim macht sich der Shorttrack-Nachwuchs fit für die Zukunft, genauer gesagt: Im Eissportzentrum Herzogenried. Heute herrscht dort konzentrierter Betrieb. Die Athletinnen und Athleten des Mannheimer ERC unter der Leitung ihrer erfahrenen Trainerin Gundi Pawasserat bereiten sich auf das Training vor. Es geht um Shorttrack – eine Sportart, die Pawasserat als "akrobatische Schnellkraft-Ausdauersportart" beschreibt und die weit mehr erfordert als nur reine Geschwindigkeit.
Shorttrack in Deutschland: Eine Sportart am Scheideweg
Shorttrack kämpft in Deutschland um Aufmerksamkeit. Bei den Olympischen Winterspielen in Italien ist es das erste Mal, dass in dieser Disziplin kein deutscher Sportler teilnimmt. Nur an fünf Standorten in Deutschland kann Shorttrack trainiert werden, und wer sich für Olympia qualifizieren will muss nach Dresden. Darin sieht Pawasserat ein Problem: Junge Talente müssen oft früh ihr gewohntes Umfeld verlassen, was viele abschreckt und lokale Vereine schwächt. "Die Vereine gehen dadurch kaputt", warnt sie und plädiert dafür, den Sportlern mehr Raum in ihren Heimatvereinen zu geben, um die Basis des Sports zu verbreitern.
Im Gegensatz zur Langbahn steht hier die Taktik im Vordergrund. "Da muss man nicht unbedingt der Schnellste sein", erklärt Trainerin Gundi Pawasserat. Es geht um Windschatten, geschicktes Überholen und das Einhalten strenger Regeln, um Disqualifikationen zu vermeiden.
Die Shorttrack-Nachwuchs aus Mannheim
Malia Rikart (13) kam vom Inlineskaten zum Shorttrack - die Sportarten sind sich nämlich sehr ähnlich. Sie beschreibt den Reiz darin, dass sich ein Rennen bis zu den letzten Metern komplett verändern kann - durch geschicktes Überholen oder Stürze. Dennoch ist der Umstieg auf das Eis technisch anspruchsvoll: Die engen Kurven erzeugen anfangs eine Art "Blockade", an die man sich erst durch intensives Techniktraining gewöhnen muss. Malias Ziel ist klar: die Technik in den Kurven weiter zu verbessern, um irgendwann das Ziel Olympia zu erreichen.
Ich glaube, das ist von jedem Sportler das Ziel. Einfach hart weiter trainieren, immer sein Bestes geben. Und dann klappt das!
Die elfjährige Leni Arlt hat den Sport quasi im Blut. Bereits ihr Vater und ihre Mutter haben Shorttrack betrieben. Sie liebt die Geschwindigkeit, kämpft aber noch mit der Technik. Trotz der eisigen Hände im Training ist ihr Traum groß: "Mein Traum ist es, am Start von Olympia zu stehen. Ich würde gerne mitlaufen." Dafür möchte auch sie noch härter trainieren.
Ich müsste Olympia nicht mal gewinnen. Mein Traum wäre es, einfach dabei zu sein!
Trainerin mit jahrzehntelanger Erfahrung
Hinter diesen Talenten steht mit Gundi Pawasserat eine Frau, die den Sport in Deutschland seit den 1980er Jahren mitgeprägt hat. Sie war zwölf Jahre in der Nationalmannschaft, neun Mal deutsche Meisterin und 1992 auch Vize-Europameisterin. Ebenfalls 1992 war sie sogar für die Olympischen Spiele in Albertville nominiert, durfte aber aufgrund eines Formfehlers bei der Anmeldung nicht starten - ein Erlebnis, das sie schließlich dazu bewegte, in den Trainerbereich zu wechseln.
Heute gibt sie ihre Leidenschaft an den Nachwuchs weiter und feiert selbst in den Master-Kategorien, bei der Sportler mindestens 40 Jahre alt sein müssen, weiterhin internationale Erfolge.