Ein 53-jähriger soll in der Nacht zum Sonntag in Mannheim eine 26-jährige Frau und einen 76-jährigen Mann schwer mit einem Messer verletzt haben. Der mutmaßliche Angreifer starb im Krankenhaus - nachdem Polizeibeamte vor Ort "einfache körperliche Gewalt" angewendet hatten, wie es offiziell hieß. Das Landeskriminalamt (LKA) hat die Ermittlungen übernommen. Die Messerattacke spielte sich in einer Wohnung in der Innenstadt ab. Wann die Leiche obduziert wird, steht noch nicht fest.
Obduktionsergebnisse im Laufe der Woche erwartet Zwei Menschen bei Messerangriff in Mannheim schwer verletzt - Mutmaßlicher Täter stirbt nach Festnahme
Zwei Menschen sind bei einem Messerangriff in Mannheim schwer verletzt worden. Nach der Festnahme starb der mutmaßliche Täter im Krankenhaus. Eine Obduktion soll Klarheit bringen.
Nach Angaben des Landeskriminalamts ist das seit 2022 bereits der sechste Fall, in dem die Ermittlungsbehörde in Fällen tätig wird, bei denen Menschen bei einem Polizei-Einsatz ums Leben kamen. Alle Fälle – wie auch der aktuelle - wurden durch das Landeskriminalamt betreut, da die zuständige Polizei in Baden-Württemberg nicht selbst eigene Einsätze aufklären kann. Ein Überblick:
2.5.2022: Todesfall Ante P. auf dem Marktplatz Mannheim
Am 2. Mai 2022 starb der 47-jährige Ante P. auf dem Mannheimer Marktplatz. Zwei Polizeibeamte hatten zuvor versucht, den Psychiatrie-Patienten ins Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) zurückzubringen. Diese Einrichtung hatte er vorher verlassen. Dabei warfen sie ihn zu Boden, um ihn mit Handschellen zu fixieren. Als der Mann sich wehrte, versetzte ihm einer der Polizisten laut Gericht insgesamt vier Faustschläge gegen den Kopf. Der Mann starb später im Uniklinikum. Die genaue Todesursache wurde nicht geklärt. Das Verfahren ist laut Landeskriminalamt (LKA) noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.
10.5.2022: Schusswaffengebrauch im Stadtteil Waldhof
Nur acht Tage später im Stadtteil Waldhof: Dort schoss die Polizei auf einen 31-jährigen Mann, der sich in einer Wohnung mit seiner Mutter gestritten und gedroht hatte, sich umzubringen. Dabei verletzte er sich selbst mehrfach mit einem Messer schwer – offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand. Als der Mann auch auf ein Reizstoff-Sprühgerät nicht reagierte, gab die Polizei einen gezielten Schuss in das Bein des Mannes ab. Aus dem Obduktionsergebnis ging danach hervor: Die gezielte Schussabgabe in das Bein des 31-jährigen war nicht todesursächlich. Der Mann starb an Herz-Kreislauf-Versagen und hohem Blutverlust durch seine selbst zugefügten Verletzungen. Das Verfahren gegen die Polizeibeamten wurde laut LKA eingestellt.
23.12.2023: Polizeieinsatz mit tödlichen Folgen in Stadtteil Schönau
Einen Tag vor Heiligabend erschossen Polizisten im Stadtteil Schönau einen offenbar psychisch kranken Mann. Der 49-Jährige hatte mit einem Messer mehrere Polizeibeamte auf offener Straße bedroht. Weil er das Messer nicht weggelegt hatte, obwohl die Polizisten ihn dazu mehrfach aufgefordert hatten, erschoss ein Beamter den Mann. Der Polizist hatte laut der Behörde in Notwehr gehandelt, die Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt.
23.4.2024: Bewaffneter Mann stirbt nach Polizeieinsatz in Unibibliothek
Ein 31-Jahre alter Mann hatte in der Mannheimer Unibibliothek randaliert. Als die Polizei anrückte, bedrohte er die Beamten mit einer Machete, woraufhin einer der Polizisten auf ihn schoss. Der 31-Jährige starb später im Krankenhaus. Nach dem tödlichen Polizeieinsatz wurde gegen den Beamten, der den Schuss abgegeben hatte, ermittelt. Die Staatsanwaltschaft kam aber letztlich zu dem Schluss, dass er in Notwehr gehandelt hatte. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.
27.7.2024: Mann stürzt bei Polizeieinsatz in Rheinau von Gerüst
Rund drei Monate später kam es zu einem weiteren Todesfall bei einem Polizeieinsatz im Mannheimer Stadtteil Rheinau. Dort hatte ein 41 Jahre alter Mann offenbar versucht, über ein Gerüst in ein fünfstöckiges Wohnhaus einzubrechen. Die Bewohner alarmierten die Polizei. Die Beamten fanden ihn ganz oben auf dem Gerüst - in einer Höhe von zwölf Metern. Dort versuchte er, sich zu verstecken. Weil er sich wehrte, gelang es den Beamten nicht, ihn vom Gerüst ins Haus zu ziehen. Daraufhin setzte sich der Mann an die Kante des Gerüsts, stürzte von dort in die Tiefe und starb. Der 41-Jährige war zuvor schon mehrfach wegen Gewalt und Drogendelikten aufgefallen. Zeugenaussagen belegten, dass der Mann ohne Einwirkung durch die Polizisten vom Gerüst gestürzt war.
Transparenzhinweis: In einer früheren Version hieß es, dass der Polizeischuss 2022 im Stadtteil Waldhof auf einen 31-Jährigen mit zum Tod des Mannes geführt hat. Das stimmt nicht. Der Mann starb in Folge seiner schweren Stichverletzungen, die er sich selbst zugefügt hatte. Das ergab die damalige Obduktion. Wir haben diese Stelle entsprechend korrigiert.