Entscheidung wohl kommende Woche

Gerichtsverhandlung wegen Stadionverbot: Wittmann und TSG Hoffenheim unversöhnlich

Spielerberater Roger Wittmann wehrt sich vor Gericht gegen ein Stadionverbot, das die TSG Hoffenheim gegen ihn verfügt hat. Eine gütliche Einigung ist am Freitag gescheitert.

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Von Autor/in Wolfgang Kessel

Im juristischen Streit wegen eines Stadion- und Hausverbots, das Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim vor dieser Saison gegen den Spielerberater Roger Wittmann ausgesprochen hat, ist keine Einigung in Sicht. Vor dem Heidelberger Landgericht trafen sich am Freitag beide Seiten in einem Zivilrechtsverfahren. Wittmann wehrt sich darin gegen das von der TSG gegen ihn verfügte Verbot, bis Ende Juni 2026 weder das Stadion in Sinsheim, noch das Hoffenheimer Trainingszentrum in Zuzenhausen (Rhein-Neckar-Kreis) betreten zu dürfen. Wittmann erschien mit zwei Anwälten und einer Anwältin im Gerichtssaal, die TSG war durch die beiden Geschäftsführer Andreas Schicker (Bereich Sport) und Frank Briel (Bereich Finanzen) vertreten.

TSG Hoffenheim-Geschäftsführer Schicker und Briel (Mitte) im Landgericht Heidelberg
Von links nach rechts: Hoffenheim-Justiziar Arno Metz, daneben die beiden Geschäfstführer Frank Briel und Andreas Schicker sowie Rechtsanwalt Felix Holzhäuser

Wittmann soll Personen aus TSG-Führung beleidigt haben

Briel und Schicker begründeten das Haus- und Stadion-Verbot vor Gericht konkret mit drei Beleidigungen, die Wittmann gegenüber Personen der TSG-Führung geäußert haben soll. Unter den Beleidigten sei auch der TSG-Vorsitzende Jörg Albrecht gewesen. Die Beleidigungen seien so massiv und persönlich gewesen, dass man keinen anderen Weg gesehen habe, als Wittmann dafür in Form eines Haus- und Stadion-Verbots zu bestrafen.

Untermieter einer Loge in Sinsheimer Stadion

Zudem, so Briel in der Verhandlung, verstoße ein solches Verhalten gegen den "Wertekanon des Vereins", dazu gehöre unter anderem gegenseitiger Respekt. Es bestehe die Gefahr, so ein TSG-Anwalt, dass Wittmann ein solches Verhalten auch im Umfeld des Stadions bei Bundesligaspielen im Beisein von zum Beispiel Sponsoren oder Geschäftspartnern der TSG an den Tag lege. Wittmann war bis zum Ende der vergangenen Bundesliga-Saison Untermieter einer Business-Loge in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Unter anderem der Schriftzug seiner Firma ("Rogon") prangte bis zuletzt an der Logentür. Kürzlich aber wurde das Namensschild laut Gericht dort entfernt.

Gericht muss komplizierte juristische Fragen klären

Das Gericht wird sich bis zu seiner Entscheidung unter anderem mit der Frage befassen müssen, ob die TSG überhaupt ein Stadionverbot aussprechen darf, wenn Wittmann nur "Logen-Untermieter" eines Sponsors gewesen ist und es dazu einen entsprechenden Mietvertrag gab. Sprich: Gilt dann noch das Hausrecht des Stadionbesitzers, also der TSG? Und: Ist Wittmann durch das Verbot, das Trainingszentrum zu betreten, in seiner Berufsausübung als Spielerberater unzulässig beeinträchtigt? Bis zur Entscheidungsfindung werden also die Köpfe der zuständigen Richter am Landgericht Heidelberg ordentlich rauchen.

Prozess Wittmann Landgericht
Roger Wittmann am Freitag in Saal 1 des Landgerichts Heidelberg

Spielerberater "überrascht" von Haus- und Stadionverbot

Die Verteidiger Wittmanns erklärten, die mutmaßlichen Beleidigungen seien weder im Stadion, noch im Trainingszentrum geäußert worden. Insofern sei das Haus- und Stadionverbot fragwürdig. Die TSG-Seite musste einräumen, dass Wittmanns mutmaßliche Beleidigungen lediglich in einem Telefonat fielen, beziehungsweise in Form von Sprachnachrichten auf dem Handy. Wittmann selbst kam auch zu Wort. Er sagte, er sei "überrascht" gewesen vom Stadion- und Haus-Verbot. Denn er habe zwischen Verkündung dieses Verbots bis jetzt mehrfach "ganz normal" unter anderem mit Geschäftsührer Schicker über Vertragsverlängerungen oder Transfers von Spielern gesprochen. Wittmann berät und betreut aktuell mehrere Spieler der TSG, darunter die Offensivspieler Tim Lemperle und Fisnik Asllani.

Verhandlung in Heidelberg: Anwältin wirft TSG "Schmutzkampagne" vor

Die Anwältin Wittmanns sagte, das Haus- und Stadionverbot sei "nur die Spitze des Eisbergs". Eigentlich sei es der TSG bei den Verboten darum gegangen, "endlich reinen Tisch zu machen - der Vertraute von Dietmar Hopp sollte mundtot gemacht werden." Die Anwältin warf der TSG in diesem Zusammenhang eine "Schmutzkampagne" gegen ihren Mandanten vor. Der TSG-Anwalt erwiderte daraufhin kühl, die Anwältin betreibe "pure Stimmungsmache".

Gütliche Einigung scheitert vorerst

Die Vorsitzende Richterin versuchte immer wieder, beide Parteien dazu zu bringen, sich noch im Gerichtssaal gütlich auf einen Vergleich zu einigen. Die TSG-Seite lehnte das ab. Wittmann reichte über seine Anwälte schließlich eine Unterlassungserklärung ein, worin er verspricht, sich künftig bei der TSG Hoffenheim nicht mehr beleidigend äußern zu wollen. Die ihm von der TSG vorgeworfenen Beleidigungen räumte er darin aber nicht ein.

Das Landgericht Heidelberg will am kommenden Freitag (19. September) eine Entscheidung verkünden. Davor haben beide Seiten bis Montagabend Zeit, sich eventuell doch noch außergerichtlich zu einigen. Doch wer die Verhandlung am Freitag im Gerichtssaal verfolgt hat, kommt schnell zu dem Schluss, dass der Streit zwischen dem Spielerberater Wittmann und der TSG Hoffenheim noch lange nicht beendet ist.

Hoffenheim-Trainer Ilzer äußert sich über juristischen Streit

Am Tag des Gerichtstermins in Heidelberg fand quasi zeitgleich im Trainingszentrum der TSG in Zuzenhausen die Pressekonferenz mit Trainer Christian Ilzer zum anstehenden nächsten Bundesligaspiel gegen Union Berlin statt. Dabei wurden Ilzer auch Fragen zum juristischen Streit mit Roger Wittmann gestellt. Dazu sagte Ilzer, in der Kabine, unter den Spielern, sei das "null ein Thema". Allerdings merke er, so Ilzer, wenn er mit Andreas Schicker spreche, "dass ihn das sehr beschäftigt, dass das ein Thema ist, das ihm einfach Energie nimmt." Ilzer und Schicker, die beide aus Österreich stammen, arbeiteten vor ihrem Engagement in Hoffenheim beim österreichischen Bundesligisten Sturm Graz.

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Roger Wittmann gilt als enger Vertrauter des Hoffenheim-Mäzens und TSG-Gesellschafters Dietmar Hopp. Hopp hatte kürzlich erklärt, entgegen anderslautender Meldungen habe er mit der Stadionverbots-Entscheidung nichts zu tun gehabt. Er bezeichnete das Vorgehen der Klubführung stattdessen als "große Schweinerei".

Hopp sagte in einem Interview mit dem Sender Sport1, er habe "nichts machen können". Er und Wittmann seien "eng befreundet und ich helfe ihm auch". Weiter sagte Hopp: "Viele dachten, ich hätte das [Stadionverbot] initiiert - dabei war es genau andersrum." Der Verein hatte im Gegensatz dazu zuvor mitgeteilt, Hopp sei in die Entscheidung eingebunden gewesen und habe sich der Linie der Geschäftsführung angeschlossen.

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Autor/in
Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim

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