Der Mangel an wichtigen Medikamenten sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Hinzu kommt jetzt eine Warnung des Deutschen Roten Kreuzes, dass in mehreren Bundesländern die Blutkonserven nahezu aufgebraucht seien - auch in Baden-Württemberg.
- Medikamentenversorgung: Die Lage am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart
- Zu wenig Blutkonserven: Was das für Patienten bedeutet
- Das berichten Apotheken und Kliniken aus Reutlingen und Tübingen
Medikamentenmangel: Keine akute Gefahr
Am Robert Bosch Krankenhaus (RBK) in Stuttgart besteht laut Geschäftsführer Mark Dominik Alscher derzeit keine akute Gefahr, dass man wegen eines fehlenden Arzneimittels nicht behandelt werden könnte. Trotzdem sei der Mangel von Medikamenten Realität im Krankenhausalltag, sagt er beispielhaft für die Kliniken in Baden-Württemberg.
Als aktuelles Beispiel nennt er den Influenza-Impfstoff. Das Personal sollte zu einer Impfung aufgerufen werden, allerdings konnte kein weiterer Impfstoff angeschafft werden, weshalb man mit dem ursprünglich bestellten Bestand auskommen musste.
Grundsätzlich versuche man am RBK aber, immer einen gewissen Bestand an den wirklich wesentlichen Arzneimitteln vorrrätig zu haben. Wenn wesentliche Medikamente temporär nicht zur Verfügung stünden, könne man das teilweise mit Importen aus anderen Ländern abfangen. Zum Teil seien die Preise dann jedoch zehn Mal höher als die regulären Preises, so Klinik-Geschäftsführer Alscher.
Wir probieren sehr proaktiv über unsere Apotheke, über unser Bestellverhalten mögliche Engpässe vorherzusehen und abzufangen.
Medikamente kommen oft aus dem Ausland
Die Engpässe treten laut einem Bericht der tagesschau in Deutschland vor allem bei Generika auf: Das sind Medikamente, die keinen Patentschutz mehr haben. Hier hat sich laut Experten die Produktion nach Indien und China verlagert und konzentriert sich zunehmend auf wenige Standorte. Falle einer dieser Großfabriken aus, komme es weltweit zu Knappheiten.
Ähnliches wird auch am RBK in Stuttgart beobachtet. Man müsse ganz anders den Markt beobachten und Lagerhaltung anders gestalten. Der Aufwand sei deutlich größer geworden. "Wir erleben immer wieder, dass Produktionsstätten in Indien oder in China plötzlich die Lieferung eines Arzneistoffes einstellen, weil sie einen anderen Arzneistoff herstellen, der beispielsweise im nordamerikanischen Markt mehr Gewinn abwirft", berichtet Alscher. Er fordert daher, dass es für die wirklich essenziellen und teils lebenswichtigen Medikamente Produktionsmöglichkeiten in der Europäischen Union gibt.
Warum aktuell ein finanzieller Anreiz für die hiesige und damit unabhängigere Produktion von Medikamenten fehlt, erklärt dieser Artikel im Detail:
Apotheken und Kliniken schlagen Alarm Medikamente sind knapp: Woran liegt das eigentlich?
Rund 500 Medikamente sind aktuell in Deutschland nicht lieferbar - und das vor der Erkältungszeit. Um das Problem in den Griff zu bekommen, braucht es grundsätzliche Änderungen.
Zu wenig Blutkonserven: Was das für Patienten bedeutet
Nicht nur Medikamente, auch Blutkonserven sind täglich nötig, um Patienten zu behandeln und Leben zu retten. Das Deutsche Roten Kreuz (DRK) warnte am Dienstag davor, dass die Blutkonserven in Baden-Württemberg nahezu aufgebraucht seien. Auch Hessen ist den Angaben zufolge davon betroffen. Die aktuelle Versorgungslage sei angespannt und drohe sich weiter zu verschärfen, hieß es.
Wir bitten daher all diejenigen, die sich gesund fühlen, dringend in den nächsten Tagen Blut spenden zu gehen.
Zu wenig Blutspenden wegen Ferien, Winter und Infekten
Als Grund für fehlende Blutspenden wurden die Ferienzeit, das Winterwetter sowie die aktuelle Infektwelle genannt. Derzeit kämen mehrere ungünstige Umstände zusammen, die die routinierten Spender und Spenderinnen abhielten, teilte der DRK-Blutspendedienst für die beiden Bundesländer mit. Aktuell reichten die Lagerbestände nur noch knapp zwei Tage - notwendig seien aber vier bis fünf Tage, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten dauerhaft und stabil sicherzustellen.
Am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart spüren sie den Mangel an Blutkonserven noch nicht, berichtet Geschäftsführer Alscher. Man bekomme die Lieferungen jedoch vom DRK. Das bedeutet: Wenn sich die Zahl der Blutspenden nicht wieder erhöht, könnte wird der Blutkonservenmangel auch dort bald ein Thema werden.
Das berichten Apotheken und Kliniken aus Reutlingen und Tübingen
In Tübinger Apotheken scheint es keine außergewöhnlichen Engpässe bei Medikamenten zu geben. Wie die Stadt mitteilte, sei auch noch kein Mangel an Blutkonserven im Klinikalltag spürbar. Das liege besonders an den "vielen freiwilligen Spendern über die Feiertage". Nach den Feiertagen allerdings sei die Spendenzahl deutlich zurückgegangen. "Bedingt durch die aktuelle Grippewelle sind auch leider sehr viele Spender nicht in der Lage, derzeit Blut zu spenden", so eine Sprecherin der Stadt. Insofern gebe es einen Engpass für Blutprodukte. Planbare Eingriffe seien in Tübingen aber bislang nicht verschoben worden.
Laut Reutlingens Chefapothekerin Josefine Restle kämpft der Landkreis Reutlingen seit Jahren mit Lieferengpässen bei Medikamenten. Besonders Antibiotika und Arzneimittel zur Bekämpfung von Krebs seien häufig schwer zu kriegen. "Die Versorgung ist dadurch organisatorisch und zeitlich sehr viel aufwändiger geworden", so Restle. Häufig müssten Arzneimittel zu viel höheren Preisen, zum Teil über Umwege, beschafft werden.
Bei den Kreiskliniken Reutlingen besteht nach eigener Auskunft kein Mangel an Blutkonserven im kreiseigenen Depot. "Die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten ist sichergestellt", betont der zuständige Chefarzt der Kreiskliniken, Markus Müller.