Jahresbilanz mit Gewinneinbruch

Interview mit Mercedes-Chef Ola Källenius: "Lassen Sie sich vom kleinen CLA-Bruder überraschen"

Kein Luxus, weniger Gewinn: Trotzdem sieht Mercedes-Chef Ola Källenius im SWR-Interview eine solide Basis für den Stuttgarter Autokonzern und das Neckartal als Zukunftsstandort.

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Stand

Bei der Bilanzvorlage für das vergangene Jahr versprühte Mercedes-Chef Ola Källenius am Donnerstag Optimismus. Dabei waren die Zahlen alles andere als erfreulich: Der Gewinn hat sich halbiert, der Umsatz ging deutlich zurück. Mit neuen Modellen wollen die Stuttgarter jetzt wieder Fahrt gewinnen. Das Nachfolgemodell für die A-Klasse sei "hot as hell", behauptete Källenius. Eine passable Übersetzung wäre wohl "rattenscharf". Internen Planungen zufolge will Mercedes ab 2027 wieder wachsen. Erstmal muss aber dieses Jahr die Sanierungsstrategie des schwedisch-deutschen Vorstandsvorsitzenden aufgehen, der seit 2019 an der Spitze der Mercedes-Benz Group AG steht. Nach der Jahresbilanz sprach Ola Källenius im SWR mit Moderatorin Stephanie Haiber exklusiv über die Herausforderungen.

SWR Aktuell: Reden wir zuerst über die A-Klasse. Die läuft zwar aus. Es wird aber mit einem neuen Namen wieder ein Einsteigermodell geben. Was versprechen Sie sich davon?

Ola Källenius: Wir stehen bei Mercedes-Benz am Anfang der größten Produktoffensive in der Geschichte unseres Unternehmens. Innerhalb von drei Jahren launchen wir über 40 Modelle. Das erste Auto in dieser neuen Produktoffensive haben wir letztes Jahr gelauncht mit dem neuen elektrischen CLA. Das Auto hat hier nicht nur "Car of the Year" in Europa gewonnen, sondern ist bei unseren Kunden super angekommen. Das hat uns inspiriert auch davon - nach Auslauf der jetzigen A-Klasse-Generation - von dem CLA sozusagen einen kleinen Bruder zu machen. Lassen Sie sich überraschen.

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SWR Aktuell: Der Gewinn ist bei Mercedes um die Hälfte eingebrochen. Viele Famillien in der Region fragen sich da, ob die Arbeitsplätze noch sicher sind? Wie sieht es im Neckartal in zehn Jahren aus?

Källenius: Dass das ökonomische Umfeld weltweit sich im letzten Jahr deutlich verändert hat - und die Rahmenbedingungen für den weltweiten Handel und vieles mehr: Das sieht man auch allgemein in der Industrie. Aber am Ende des Tages ist wirklich die härteste Kennzahl für ein Wirtschaftsunternehmen, wie viel Geld ist übrig in der Kasse. Und mit 5,4 Milliarden Cashflow haben wir doch in der Dimension ein sehr robustes Ergebnis in diesem herausfordernden Umfeld abgeliefert. Und das untermauern wir ja auch mit einer Dividende von 3,50 Euro.

Das Neckartal ist nach wie vor ein Zukunftsstandort. Wir investieren beispiellos hohe Beträge in Innovation, in neuen Technologien, in Produkte, aber auch in unsere Werke. Wir haben eine grundsolide Bilanz. Auch wenn die Zeiten stürmisch sind, gucken wir mit Zuversicht in die Zukunft.

SWR Aktuell: Jetzt kurz vor der Landtagswahl überbietet sich die Politik im Wahlkampf mit Vorschlägen, die der Autoindustrie helfen sollen. Was bräuchten Sie wirklich von der Politik?

Källenius: Als Unternehmer bist du grundsätzlich für deine eigene Strategie und die Umsetzung verantwortlich. Und das sieht man auch bei den neuen fantastischen Innovationen und Technologien und auch Produkten von uns. Da brauchen wir in der Tat keine Hilfe. Aber es ist auch richtig, dass die verschiedenen Wirtschaftsregionen - und wir sind ein globales Unternehmen - auch im Wettbewerb miteinander stehen. Die sind die drei großen Wirtschaftsregionen: Europa, China und Nordamerika. Und wenn die anderen zwei Wettbewerbs-Rahmenbedingungen haben, die attraktiver sind, dann müssen wir uns auch als Europäer und auch hier in Deutschland anstrengen, damit das Unternehmertum noch attraktiver wird.

SWR Aktuell: Der große Markt China ist eingebrochen: Sie haben sich trotzdem zuversichtlich gezeigt, da wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Was macht Sie denn da so sicher?

Källenius: Die Produktoffensive, die wir hier launchen, die gilt selbstverständlich auch für China. Aber die Produkte sind auch mit Technologien spezifisch angepasst für den chinesischen Markt. Vor allem steht das Thema Intelligenz, Digitalisierung des Fahrzeugs dort im Vordergrund. Und die neuen Fahrzeuge, die wir dort launchen, sind absolut Benchmark. Nehmen wir das Thema automatisiertes Fahren: Das was wir Point-to-Point Navigation, also automatisiertes Fahren nennen. Da stellen wir momentan die Spitze des technischen Möglichen dar. Aber gepaart mit den Grundwerten, die man von einem Mercedes kennt und erwartet: Sicherheit, Qualität, die zeitlose Eleganz, alle diese Dinge kombiniert, sind Voraussetzungen auch für ein Weiterkommen in China.

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Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

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